Alexa soll es richten. Mit einem neuen Skill reagieren die QBO-Maschinen dann auch auf Zuruf. Ob das endlich dem Prestige-Projekt zum erwünschten Push verhilft?

Drinnen ist zwar nur eine winzige Menge Kaffee, aber die Nespresso-Kapseln werden optisch wie Juwelen präsentiert. Und spätestens als dann noch Weltstar George Clooney auf allen Kanälen zur Prime-Time sein "What else" in die Kameras hauchte, muss dem Management bei Tchibo der eigene Kaffee etwas schal vorgekommen sein. Ein beherztes "Das können wir auch" – und die Idee zu QBO war geboren.

Und wer sich nur mal die aktuellen Preise für Kapseln bei Amazon ansieht, der weiß auch warum. Für ein elegant verpacktes Sortiment sind dann für das Kilo Kaffee knappe 120 Euro fällig. Ob's nun rational ist, oder nicht. Der Markt für Kaffeekapseln ist lukrativ.

Im Frühjahr 2016 präsentierte Tchibo sein neues Kapselsystem QBO.

Erst im Stealth-Modus gestartet

Der Start der neuen Premium-Marke, die nichts anderes zum Ziel hat, als Nespresso frontal anzugreifen, verlief zunächst in einer Art Stealth-Modus. Eigener Brand, Vertrieb über einen eigenen Online-Shop und eigene Stores. An Tchibo selbst erinnerte hier erst einmal gar nichts.

Statt runder Kapseln hübsch designte Kuben. Eine Formgebung, die sich auch in den Accessoires fortsetzt. Lifestyle pur sozusagen. Und in bester Lage in Berlin wurde in den Hackeschen Höfen ein Flagship-Store pressewirksam eröffnet.

Runde 300 Euro sollte eine QBO-Maschine kosten, die als Besonderheit eben die Steuerung per App mitbrachte.

Dann ein bisschen Kommando zurück

Nun scheint das Tchibo-Management die Durchschlagskraft der neuen Marke falsch eingeschätzt zu haben. Es folgt eine Aufweichung des gesamten Konzepts. Tchibo bekannte sich im Online-Shop und eigener App plötzlich auch beim einfachen Volk zu QBO. Die Marke wurde Teil der Kaffeewelt im Shop. Bei Karstadt wurden Shop-in-Shops eröffnet. Und Maschinen und Kapseln landeten plötzlich auch bei Amazon.
Von eigenen Stores ist in Deutschland keine Rede mehr. Die Website jedenfalls hinterlässt auf der Kartenübersicht inzwischen den Eindruck, als sein QBO mehr eine Sache der Österreicher und Schweizer.

Mit regelmäßigen Preissenkungen der Maschinen möchte Tchibo sein Premiumsystem den Kunden schmackhafter machen
© Screenshot vom Autor
Mit regelmäßigen Preissenkungen der Maschinen möchte Tchibo sein Premiumsystem den Kunden schmackhafter machen
Der geneigte Beobachter erahnt, wie schwer sich Tchibo mit der Vermarktungsstrategie des Premium-Produkts tut. So kostet (und so lautet die unverbindliche Preisempfehlung) die QBO-Maschine mit Milchschäumer im offiziellen Store und bei Amazon immer noch rund 300 Euro. Da dürfte sich jeder Kunde ärgern, der zugeschlagen hat und jetzt die Tchibo-App öffnet. Denn hier wird der gleiche Apparat für 199 Euro angeboten. Und diese regelmäßigen Preissenkungen kamen auch bereits in den vergangenen 12 Monaten vor.

Ist Alexa der entscheidende Mehrwert?

Die Steuerung einer Kaffeemaschine per App ist modern. Aber wenn die Marke nicht mit großen Stars punkten kann und auch auf der Fläche inzwischen kaum noch in Erscheinung tritt, braucht es schon gute Argumente, um den Kunden zu überzeugen. Zumal Nespresso jetzt vor lauter Respekt auch nicht die Waffen gestreckt hat, sondern weiterhin sein Produkt bewirbt.

Jetzt soll es also Alexa richten. Einfach per Sprache bei der eigenen Maschinen einen Kaffee bestellen. Entweder sofort oder auch zu einem späteren Zeitpunkt. Wenn denn WLAN aktiviert ist, eine Kapsel in der Maschine ist, die Tasse unter dem Auslauf steht, der Tank genügend Flüssigkeit enthält und der Auffangbehälter nicht voll ist. Tja, einfach auf Zuruf...

Aber die Sprachsteuerung der QBO-Maschine ist ein Mehrwert, den der Wettbewerber momentan (noch) nicht hat. Da auch einige Nespresso-Maschinen inzwischen per App gesteuert werden können, dürfte es allerdings nur eine Frage der Zeit sein, bis Tchibo und QBO den Vorteil wieder los sind.

Ob das genügend Schub gibt? Eher zweifelhaft. Es ist halt ein Kreuz mit dem Premium.
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