Männer brauchen bei der Modeauswahl Betreuung. Dieser Logik folgt auch Zalon, der Curated-Shopping-Ableger von Zalando. Der Onlinehändler wirbt im TV gerade mächtig für die bereits stylisch gefüllte "Man Box", um gegen die wachsende Schar der Mitbewerber zu punkten. Noch attraktiver könnten die Style-Betreuer bei der bequemen Kundschaft künftig mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz werden, meint Prof. Dr. Gerrit Heinemann, Leiter des eWeb Research Center, in einem Gastbeitrag für etailment.

Der stationäre Fachhandel hat immer schon Kunden beim Kauf beraten. Im Netz wird allerdings Kundenberatung neu definiert. Immer mehr Online-Anbieter setzen mit der Idee des "Curated Shopping" auch im Internet auf Beratungsservice. 
Neben Neueinsteigern wie Modomoto, 8Select oder Outfittery bieten auch bereits etablierte Marken wie etwa Zalando diesen Service an. Beim Erstkauf füllen Kunden zunächst einen längeren Frageboten aus, in dem Konfektionsgrößen, bevorzugten Farben, Preisvorstellungen sowie Lieblings-Kleidungsmarken abgefragt werden.

Ein entsprechend programmierter Algorithmus ermittelt dann daraus Vorschläge für Kleidungsstücke oder ganze Outfits, die zu den Vorlieben passen könnten. Darüber hinaus wird angeboten, dass noch ein Berater des Onlineshops anruft. Den können sich Kunden bei manchen Portalen vorab aussuchen.
Die Stilberater erfragen dann unter anderem, welche Kleidungsstücke bisher gekauft wurden oder wie der Alltag der Kunden verläuft. Auf Basis dieser Informationen und den Ergebnissen der Fragebögen werden dann Pakete mit individuellen Outfits zusammengestellt und verschickt. Kunden bezahlen nur, was ihnen gefällt. Der Rest wird zurückgeschickt.

MAN BOX von Zalando

Profilieren durch Kuratieren

Die Händler bieten diesen Service vor allem an, um sich von anderen Onlineshops abzugrenzen, die bisher vor allem mit einer riesigen Auswahl und günstigen Preisen zu punkten versuchen. Zudem gehen sie davon aus, dass gut beratene Kunden weniger zurückschicken. Die Preise für die Kleidung sind beim "Curated Shopping" aber in der Regel trotzdem etwas höher als wenn Kunden keine Beratung im Internet in Anspruch nehmen.

Das Preispremium dürfte im Endeffekt aber trotzdem niedriger sein, als wenn Kunden mit Beratung in einem stationären Geschäft kaufen würden. Und der Versand ist in der Regel auch kostenfrei. Zudem können Kunden auch Sachen zurückschicken, die nicht gefallen oder nicht passen. Sollte dabei zudem noch das Internet-Unternehmen genau ins Schwarze treffen und den Kunden zufriedenstellen, dürfte die Kundenloyalität gegenüber dem Anbieter unschlagbar sein.

Beratungsservice in der Regel kostenfrei

Trotz detailliertem Fragebogen und Hilfe durch den Stil-Berater trifft der Anbieter von "Curated Shopping" nur selten ins Schwarze, zumindest bei den ersten Bestellungen. Das liegt unter anderem daran, dass Bekleidungsstücke beim Onlinekauf nicht anprobiert werden können.

Automatisierte Tools zur Größenerkennung haben sich noch nicht durchgesetzt, auch weil sich vor allem Frauen nicht von Kameras abscannen lassen wollen. Zudem ist auf die Größenangaben der Lieferanten nicht immer Verlass. Da wäre ein Hinweis - vielleicht auch von anderen Kunden – wichtig wie z.B.: „Kauf lieber eine Größe größer, das Kleidungsstück fällt klein aus“.

Demgegenüber sind Männer beim Bekleidungskauf erfahrungsgemäß einfache Kunden, die dankbar Beratungshinweise aufgreifen, auch weil sie nicht immer stilsicher sind. Während Frauen gerne Shoppen gehen und dabei bis zu viermal mehr für Fashion ausgeben als die männlichen Kunden, ist der Bekleidungskauf für Männer häufig ein lästiges Übel.

Deswegen greifen gerade gestresste Männer, die im Job stilgerecht gekleidet sein müssen aber für den Einkauf weder Lust noch Zeit haben, gerne auf Outfit-Empfehlungen zurück. Weil sie es zudem mit genauen Passformen und der richtigen Größe in der Regel nicht so eng sehen, trifft hier mit dem Curated Shopping genau das richtige Angebot auf die richtige Zielgruppe: Karriereorientierte Männer mit gut gefülltem Geldbeutel und „bequemen Größen“!

Curated Shopping wird prediktiv

Beim "Curated Shopping" ist vieles auch bei „modernen Online-Händlern“ noch „handgemacht“. Dieses wird sich aber im Zuge künstlicher Intelligenz bzw AI („Artificial Intelligence“), die bereits vielfach im Bereich strukturierter Daten, automatisierter Übersetzungen sowie im Risiko- und Fraud-Management eingesetzt wird, weitgehend abbauen. Selbst etablierte und ganz normale Online-Händler geben an dieser Stelle Gas.

Ebay ist z.B. ein solcher Player auf dem Markt, die den Handel von Morgen mit der verstärkten Nutzung von AI verändern wollen. So sind Daten und die technische Möglichkeiten bei vielen Online-Anbietern gegeben, um das Einkaufserlebnis online wie offline sehr viel persönlicher zu gestalten. Alle großen Online-Pure-Plays nutzen bereits heute Algorithmen, die ständig dazulernen (Machine Learning), um Objekte wiederzuerkennen, ähnliche Produkte zu finden oder auch um Bewertungen zu klassifizieren. Der Weg geht hier also weg vom deskriptiven hin zum prediktiven Kuratieren.
Curated Shopping

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