YouTuber, Instagramer oder Snapchat-Sternchen sind immer häufiger als Markenbotschafter für Unternehmen im Einsatz. Auch Onlinehändler setzen verstärkt auf die Wirkkraft der digitalen Multiplikatoren. Christian Chyzyk, CEO und Gründer der Influencer-Marketing-Plattform ReachHero, hat sich aktuelle Kampagnen von drei großen Retailern angeschaut und erklärt, was sich Marketer abgucken sollten – und was besser nicht.

Ikea: Das Image aufgemöbelt

Was war die Idee?
Um das Image als Einrichtungsquelle Nummer eins für die junge Zielgruppe zu festigen, lud der schwedische Möbelriese die vier YouTuber AlexiBexi (über 1 Million Abonnenten), Sara Desideria (275.000 Abonnenten), Klein aber Hannah (203.000 Abonnenten) und Max Oberüber (288.000 Abonnenten) zur IKEA Challenge ein. Der Clue: In Zweier-Teams sollten die Influencer innerhalb von drei Stunden ihr Traumwohnzimmer in einem der zahlreichen Möbelhäuser einrichten, einige Zusatzaufgaben inklusive.

IKEA CHALLENGE

Während Ikea die Aktion in diversen Videos über den eigenen YouTube-Kanal streute, promoteten die vier Testimonials die Challenge parallel auf ihren eigenen Profilen via YouTube, Instagram und Twitter. Außerdem übernahm im Zuge der Produktion jeweils ein YouTuber den Instagram-Auftritt des Konzerns und gewährte mit einer Story den Blick hinter die Kulissen.
Der Autor Christian Chyzyk ist CEO und Gründer der Influencer-Marketing-Plattform ReachHero. Reachhero verbindet Influencer und Unternehmen zur Vermittlung von Product Placement-Deals und kooperiert auch mit großen Medienhäusern.
© Reachhero
Der Autor Christian Chyzyk ist CEO und Gründer der Influencer-Marketing-Plattform ReachHero. Reachhero verbindet Influencer und Unternehmen zur Vermittlung von Product Placement-Deals und kooperiert auch mit großen Medienhäusern.

Im Anschluss konnten Nutzer auf der Facebook-Seite des Unternehmens über das am besten eingerichtete Zimmer abstimmen. Ein Zusammenschnitt der Ikea Challenge ist zudem noch über die hauseigene, digitale Einrichtungsplattform hej verfügbar. Verhashtaggt wurde mit #IKEAChallenge.

Verkaufsschlager oder Ladenhüter?
Allein auf YouTube wurden die Videos zur Aktion rund 360.000 Mal aufgerufen, auf Instagram kamen die Bilder auf 12.000 Likes und nahezu 300 Kommentare. Dabei setzt Ikea intelligent auf vier unterschiedliche Influencer-Typen und achtete auch darauf, sowohl Frauen als auch Männer anzusprechen. Besonders geschickt ist auch, wie die Schweden die Aktion über diverse Kanäle weiter verwerten und dabei eine nahezu perfekte Crosspromotion-Strategie fahren. Die ersten Gehversuche des blaugelben Einrichtungsdinos im Influencer-Marketing sind definitiv gelungen.

Mister Spex: Durchblick mit Instagram

Was war die Idee?

Mit dem Ziel, den eigenen Onlinemarktplatz für Brillen zu pushen, setzt das Unternehmen aktuell auf eine Kooperation mit diversen Instagramern wie Sarah Anna (168.000 Abonnenten), kate.parade (54.000 Abonnenten) oder Artur_fit (rund 86.000 Abonnenten). Jeder Influencer postet dabei ein Bild von sich mit vier unterschiedlichen Brillenmodellen, die sie oder er virtuell bei Mister Spex anprobiert hat. Gleichzeitig verlosen die Testimonials Gutscheine unter ihren Fans und verweisen auf den offiziellen Instagram-Account des Brillenshops.
Mister Spex nutzt dabei den Kampagnenhashtag #PerfectSpex, um die potentiellen Brillenträger zu beraten: So ruft das Unternehmen über die offiziellen Profile auf Instagram und Facebook User dazu auf, ihre Brillenfotos zu posten, während über das eigene Digital-Magazin Frame ein Style-Guide Hilfestellung geben soll.


Verkaufsschlager oder Ladenhüter?
Bislang erhielt die Instagram-Kampagne schon ordentliche 10.000 Likes. 500 Kommentare für bislang acht Postings lassen außerdem auf gute Engagementzahlen schließen. Geschickt ist, wie der Brillenhändler die Influencer das hauseigene Virtual-Tool zur Anprobe nutzen lässt, während gleichzeitig Tipps über die eigenen Kanäle gestreut werden.
So kann sich das Unternehmen strategisch gut als Experte positionieren. Einziges Fragezeichen: Warum setzt das Unternehmen eigentlich nur auf einen einzigen männlichen Influencer?


Glossybox: Raus aus der Box

Was war die Idee?
Passend zum aktuellen Hype um die Neuverfilmung von „Die Schöne und das Biest“ stattet das Berliner Start-up zahlreiche Instagramerinnen mit Beautyproduktboxen in Disney-Optik aus, darunter die YouTuberin Mara (100.000 Abonnenten), Lifestyle-Bloggerin Tanja (rund 45.000 Abonnenten) und Bloggerin lillyfields_(22.000 Abonnenten).
Parallel trommelte das Unternehmen auf den eigenen Kanälen für die Special Edition der Box und repostet einige ausgewählte Influencer-Beiträge.

Verkaufsschlager oder Ladenhüter?
Die diversen Influencer-Beiträge erhielten über 5000 Likes und mehr als 200 Kommentare. Solide Werte. Das Interessante an der Idee ist sicherlich der Bezug zu dem aktuellen Kinofilm. So nutzt Glossybox die momentane Aufmerksamkeit geschickt für das eigene Marketing.
Allerdings fehlt der Kampagne etwas der grobe Überbau. Ein verbindender Kampagnenhashtag hätte sicherlich geholfen, das Konzept noch klarer zu machen. Zudem hätte das Start-up so auch normale User zum Posten ihre Boxen aufrufen können – samt Nennung des entsprechenden Hashtags. Prädikat: Noch ausbaufähig.
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