Noch fristen elektronische Bücher hierzulande ein Nischendasein, wie eine neue Studie zeigt. Durch die Verbreitung von Tablet-PCs und den Markteinstieg weiterer Verlage könnte sich dies jedoch bald ändern.

In den USA verkauft der Internethändler Amazon inzwischen mehr E-Books als Taschenbücher. Hierzulande zeigt sich ein anderes Bild: Nach Berechnungen der GfK Panel Services lag der Anteil von elektronischen Büchern am gesamten deutschen Buchumsatz im Jahr 2010 bei nur 0,5 Prozent. Das entsprach einem Umsatzvolumen von 21 Millionen Euro. 

Dabei nimmt der Markt für Medienprodukte zum Herunterladen nach Jahren der Stagnation auch in Deutschland langsam an Fahrt auf. Laut GfK wurden 2010 bereits 5 Prozent der Gesamtumsätze mit Medienprodukten über die Download-Variante erzielt.

Insgesamt 417 Millionen Euro setzte die Branche mit heruntergeladener Musik, Hörbüchern, Software, Games, Videos oder E-Books um, und damit 54 Prozent mehr als noch im Jahr zuvor. Auch die Zahl der verkauften Dateien legte um 42 Prozent auf 98 Millionen Stück deutlich zu. Auf E-Books entfiel im gesamten Download-Markt allerdings nur ein Umsatzanteil von 5 Prozent.

Belletristik besonders beliebt

Rund zwei Millionen elektronische Büchertitel kauften die Deutschen im vergangenen Jahr. Die Zahl der Käufer belief sich auf rund 540.000 Personen, wobei der typische E-Book-Kunde männlich und im Alter zwischen 30 und 49 Jahren ist.

Bei den Genres zeigt sich ein hoher Anteil an Belletristik, die knapp 60 Prozent aller bezahlten E-Books ausmacht, während ihr Umsatzanteil unter gedruckten Büchern nur 48 Prozent beträgt. Auch Ratgeber erfreuen sich in E-Book Form mit einem Anteil von 24 Prozent im Vergleich zu 15 Prozent bei gedruckten Ausgaben höherer Beliebtheit. Kinder- und Jugendbücher sowie Reiseliteratur sind hingegen in elektronischer Form deutlich weniger gefragt.

35 Prozent der Verlage bieten E-Books an

Die Bekanntheit von E-Books wächst: Im Januar 2011 bekundeten 62 Prozent der Deutschen über zehn Jahren, dass sie bereits von E-Books gehört haben. Ein Jahr zuvor lag der Anteil noch bei 49 Prozent und im Jahr 2009 sogar nur bei 35 Prozent.

Eine aktuelle Umfrage der GfK Panel Services im Auftrag des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels unter Verlagen und Buchhändlern zeigt, dass derzeit 35 Prozent der Verlage E-Books im Angebot haben. Für das aktuelle Jahr planen weitere 18 Prozent ihre Einführung und im Jahr 2012 noch einmal 7 Prozent. Unter den großen Verlagen liegt der Anteil derjenigen, die bereits heute E-Books anbieten, bei 67 Prozent.

78 Prozent der Deutschen lehnen elektronisches Lesen ab

Das Potenzial für E-Books steigt derzeit deutlich und dürfte sich mit einer Ausweitung des Angebots an deutschen Titeln noch intensivieren. Aktuell sind rund neun Millionen Deutsche an E-Books interessiert. Im Vorjahr lag der Wert noch bei rund sieben Millionen.

Aus Sicht der Verbraucher bieten die elektronischen Varianten eine Reihe von Vorteilen. So halten knapp 60 Prozent der Befragten, die E-Books kennen, diese für umweltfreundlicher als gedruckte Bücher und 56 Prozent denken, dass E-Books günstiger angeboten werden können. Für knapp die Hälfte der Befragten wären sie eine Lösung für Platzprobleme in der eigenen Wohnung und 40 Prozent halten sie für modern und die neue Art des Lesens.

Zu einer echten Konkurrenz für gedruckte Bücher werden sich die elektronischen Varianten allerdings in absehbarer Zeit nicht entwickeln. Aktuell bekunden 78 Prozent der Deutschen, dass sie Bücher nicht auf einem Bildschirm oder Display lesen wollen. Doch auch hier zeigen sich Potenziale für die elektronischen Varianten: 2009 lehnten noch 83 Prozent das Bücherlesen am Bildschirm ab.