Überalterung der Gesellschaft, Migration und multimediale Geräte - das größte deutsche Marktforschungsunternehmen GfK hat auf seiner Jahrestagung einen Blick in die Zukunft geworfen.

Als Folge des Geburtenrückgangs werde sich Europa als erster Kontinent von einer langen Phase des Wachstums verabschieden, erläuterte der Direktor des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung, Reiner Klingholz, in Nürnberg.

Um die Jahrhundertmitte werde es rund 50 Millionen Europäer weniger geben als heute. Wie für diese Menschen Wohlstand ohne Wachstum möglich sein könne, sei derzeit noch ungeklärt.

Steigende Kaufkraft in Deutschland

Mit einem Bevölkerungswachstum könnten die skandinavischen Hauptstadtregionen, die Niederlande sowie die Schweiz und Südfrankreich rechnen, sagte Klingholz laut einer Mitteilung der GfK vor rund 550 Tagungsteilnehmern.

Massive Bevölkerungsverluste stünden hingegen den Randgebieten Mittel- und Osteuropas - einschließlich dem Osten Deutschlands - bevor. Generell werde es zu einer innereuropäischen Bevölkerungswanderung in Ost-West-Richtung kommen.

GfK-Experte Eberhard Stegner prognostizierte, dass die Kaufkraft der deutschen Verbraucher bis zum Jahr 2020 steigen wird. Allerdings nicht im Osten - dort drohe in weiten Teilen aufgrund von Bevölkerungsverlusten und einer schwachen Einkommensentwicklung eine rückläufige Entwicklung.

Einzelhändler müssen muss sich umstellen

Die Überalterung der Gesellschaft und die Entwicklung der Kaufkraft werden nach Einschätzung der Experten auch enorme Auswirkungen auf den Handel haben. Er müsse sich künftig auf wesentlich schnellere Sortimentswechsel, kurze Produktlebenszyklen, gut informierte Kunden, eine höhere Preistransparenz und die jederzeit verfügbare Konkurrenz aus dem Internet einstellen.

Bereits jetzt werde in Westeuropa jeder zehnte Euro für technische Geräte online ausgegeben, sagte GfK-Fachmann Friedrich Fleischmann.