Rote Karten, gelbe Karten - trotz diverser Verwarnungen des Kartellamtes ist das Marktplatz-Verbot für viele Markenhersteller weiterhin die "Default"-Einstellung im Zusammenspiel mit den Handelspartnern. Von fast  2.000 Herstellern und Marken, die – branchenübergreifend – den Verkauf via Internet untersagen oder behindern, spricht nun der Bundesverband Onlinehandel.

Laut einer Umfrage des BVOH sprechen dabei 29 Prozent der genannten Marken Marktplatzverbote aus. In einer umfangreichen Liste hat der BVOH nun alle "schwarzen Schafe" aufgelistet, die auf die eine oder andere Art den Händlern ein Marktplatz-Korsett anlegen oder andere Vertriebsbeschränkungen auferlegen.

Bedrohlich findet BVOH-Präsident Oliver Prothmann diese Vertriebsbeschränkungen: "Tausende kleiner und mittelständischer Onlinehändler stehen in Deutschland und anderen europäischen Ländern vor dem Aus." Denn allein in Deutschland machen laut BVOH rund ein Fünftel der Onlinehändler aufgrund dieser Beschränkungen einen jährlichen Verlust von mehr als 25 Prozent. 
Fast 50 Prozent der deutschen Händler beklagen sich über Umsatzverluste durch Herstellerbeschränkungen. Vor allem die Verbote auf Online-Marktplätzen zu verkaufen, nehmen 12 Prozent der befragten Onlinehändler den wichtigsten Vertriebskanal. Das ist das Ergebnis einer von „Choice in eCommerce – der Initiative für Vielfalt und Innovation im Onlinehandel“ durchgeführten Umfrage in Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien. Mehr als 7.000 Händler haben an der Umfrage teilgenommen.

Zu den Top-Marken mit Beschränkungen gehören dabei:

  TOP MARKEN MIT BESCHRÄNKUNG
1 NIKE
2 ADIDAS
3 DEUTER
4 FOSSIL
5 SONY
6 TRIXIE HEIMTIERBEDARF
7 APPLE
8 DIOR
9 LEGO
 10 NIKON
11 GUERLAIN
 12 SWATCH
13 RALPH LAUREN
14 CHANEL
 15 TISSOT
16 ASICS
17 CONVERSE
 18 LE CREUSET
 19 SKAGEN
20 COTY
 21 STIHL
22 RADO
23 DKNY
 24 LAMY
25 MICHAEL KORS
   Die komplette Liste der Marken und die Art der Beschränkung


In Sachen Vertriebsbeschränkungen zeigen sich die Hersteller dabei einfallsreich:

  • Unzulässigen Preisvorgaben und die Drohung mit Restriktionen, wenn sich der Händler nicht an die unverbindliche Preisempfehlung hält.
  • Hersteller untersagen dem Händler die Nutzung von Online-Marktplätzen für den Weiterverkauf von Produkten.
  • Ein Verbot, die Ware über europäische Grenzen hinweg zu verkaufen.
  • Ein Verbot für den Händler, die Produkte beispielsweise auf Preisvergleichsportalen einzustellen oder mit der Marke zu werben.
  • Liebesentzug, in dem Teile des Sortiments oder Service-Bestandteile verweigert werden oder einfach Lieferprobleme auftauchen.


Vorläufig sind aber die Juristen am Zug. Das OLG Frankfurt hat einen Fall, der sich mit einem Marktplatzverbot des Parfümherstellers Coty beschäftigt, dem höchsten europäischen Gericht EuGH vorgelegt. Coty gehört zu jenen Herstellern, die Angst haben, ihre duften Produkte könnten auf Marktplätzen wie Amazon verramscht werden, wenn Händler dort einfach Duftwässerchen wie Davidoff verkaufen - von wegen imagetauglicher Umgebung. Das Landgericht Frankfurt am Main hatte dem Parfumhersteller Coty bereits untersagt, die Belieferung einer Parfümerie davon abhängig zu machen, dass diese die Waren nicht über eine bestimmte offene Handelsplattform vertreibt.

Das Oberlandesgericht hat im Berufungsverfahren nun den Gerichtshof der Europäischen Union um Rat gefragt.  Kernfrage ganz unjuristisch formuliert: Sind selektive Vertriebssysteme mit Blick auf das eigene Image erlaubt?

Ganz schlicht geht es also um Werbung. Denn im Kern verkauft Coty ja Duftwässerchen und Promi-Parfüms für den Massenmarkt, die etwas exklusiver wirken sollen. Coty gehört übrigens mehrheitlich einem exklusiven Kreis - der deutschen Unternehmerfamilie Reimann. Die "Wirtschaftswoche" nennt sie "Deutschlands diskreteste Milliardäre."