Die Kartenorganisation Mastercard erwartet höhere Kosten für Verbraucher und mittelständische Händler, falls die EU-Kommission die Interbanken-Entgelte regulieren sollte.

Am kommenden Mittwoch wird die Europäische Kommission den Entwurf einer Novelle der EU-Richtlinie für Zahlungsdienste veröffentlichen. Gleichzeitig soll der seit langem erwartete Regulierungsvorschlag der Kommission zu den sogenannten "multi lateral interchange fees" (MIF) der Kartenorganisationen Mastercard und Visa der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Die Interbanken-Entgelte sind ein wesentlicher Bestandteil des Disagios, das Handelsunternehmen und andere Akzeptanzstellen für jede Bezahlung mit Kredit- und Debitkarten der beiden Unternehmen an ihren Zahlungsdienstleister (Acquirer) entrichten.

Marktbeobachter gehen davon aus, dass der Einigungsvorschlag, den EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia im Mai dieses Jahres von Visa Europe entgegennahm, die Richtung der angekündigten Regulierung vorzeichnet. Eine Deckelung der Interchange-Gebühren wird erwartet. Banken und andere Herausgeber von Kredit- und Debitkarten müssten sich dann neue Geschäftsmodelle für ihre Kartenportfolios überlegen. Für Handelsunternehmen könnte die Akzeptanz von Kartenzahlungen deutlich günstiger werden.

Der Verbraucher als der "wahre Verlierer"

Die Kreditkartenorganisationen machen freilich Front gegen den Eingriff in ihr Gebührensystem und warnen vor den Folgen: "Wir sind überzeugt, dass die Verbraucher die wahren Verlierer einer Interchange-Regulierung sind. Ein solcher Eingriff in den Markt wird nicht dazu führen, dass die Gebühren für Kredit- und Debitkarten sinken", sagt Jürgen Uthe, stellvertretender Deutschland-Chef von Mastercard gegenüber derhandel.de. "Für Verbraucher sowie für kleine und mittlere Handelsunternehmen werden Kartenzahlungen aller Voraussicht nach teurer, wie die Erfahrungen aus anderen Ländern zeigen."

Uthe führt den spanischen und australischen Markt als Beispiele für vergleichbare Eingriffe der Wettbewerbsbehörden an. In beiden Ländern seien die Gebührensenkungen nicht an die Verbraucher weitergegeben worden. Profitiert hätten allenfalls große Handelsketten und Kreditkartenunternehmen wie American Express, die im sogenannten Drei-Parteien-System (Bank-Händler-Kunde) ohne Interbanken-Entgelt auskommen.

Visa und Mastercard beruhen auf einem sogenannten Vier-Parteien-System (Kunde-Kartenausgebende Bank-Händler-Händlerbank). Zur Finanzierung dieses Modells ist nach Auffassung von beiden Kartenorganisationen ein Interbanken-Entgelt erforderlich.

Mastercard fordert Regulierung von Amex, PayPal & Co.

"Wenn die EU-Kommission in den Zahlungsverkehrsmarkt eingreift, dann muss sie auch Drei-Parteien-Modelle wie Amex und Anbieter wie PayPal regulieren, damit ein fairer Wettbewerb gewährleistet wird", fordert Mastercard-Manager Uhte entsprechend. Andernfalls drohe ein Wechsel der kartenherausgebenden Banken zu American Express, ein System, dass für Händler bis zu dreimal teurer sei als Mastercard. 

Auch im Hinblick auf Innovationen im bargeldlosen Zahlungsverkehr sei eine Regulierung der Interbanken-Entgelte schädlich, meint Uhte. "Dort, wo die Interchange reguliert wurde, sind die Investitionen in innovative Bezahllösungen zurückgegangen. Der Trend zum elektronischen Zahlungsverkehr, etwa auch im Hinblick auf mobile Payment-Lösungen für Smartphones wird damit gebremst - zum Nachteil der Verbraucher und der Händler", so der Mastercard-Deutschland-Chef.