"Ich bin doch nicht blöd" ist ein Klassiker der Werbesprüche. Jahrelang warb Media Markt damit. Nun hat es sich ausgeblödelt: Der schwächelnde Elektronikhändler trennt sich von seiner Werbeagentur.

Als kluger Unternehmenschef kennt auch Horst Norberg diesen Merksatz jeder guten PR: Rede in einer Krise nie von einer Krise. Und deswegen sagt der neue Geschäftsführer der Media-Saturn-Holding (MSH) nicht, dass 2010 der Umsatz des Unternehmens stagniert hat, dass man den Online-Handel verschlafen hat, und dass das Verhältnis zu den Firmengründern angespannt ist.

Nein, Norberg sagt heute im "Handelsblatt": "Die Stagnation des Umsatzes sehen wir gelassen." Er nennt dann das unschöne Winterwetter zur Vorweihnachtszeit als Grund für die Kaufunlust der Verbraucher und die daraus resultierenden schlechten Geschäfte im vierten Quartal. Dafür sei das internationale Geschäft gewachsen, und die Aktionen zu Beginn des neuen Jahres seien von den Kunden "hervorragend" angenommen worden.

Sieben Jahre Zusammenarbeit

Beim Metro-Konzern sieht man die Dinge allerdings pragmatischer und greift bei seiner Elektronik-Tochter weiter durch. Das Unternehmen kündigte heute die Trennung von der Werbeagentur kempertrautmann an.

Mitte dieses Jahres werde die fast siebenjährige Zusammenarbeit beendet, teilte Media Markt in Ingolstadt mit. Künftig wolle man in der Werbung verstärkt multimediale Wege gehen und unterschiedliche Agenturmodelle prüfen.

Branchenkenner gehen schließen nicht aus, dass kemptertrautmann abermals den Zuschlag bekommen wird - allerdings nach einem überarbeiteten Konzept. Denn Werbung von Media Markt war provokativ, mal witzig, auf jeden Fall immer auffallend und laut. Gerne wurden Komiker als sogenannte Testimonials genutzt: Oliver Pocher, Oli Dittrich und zuletzt Mario Barth. Und der Werbespruch "Ich bin doch nicht blöd" erlangte Berühmtheit.

Online-Tests in Österreich und den Niederlanden

Doch gerade im rasanten wachsenden Online-Geschäft stellte sich Media-Saturn bisher nicht besonders klug an. Am Jahresende hatte bereits der bisherige Unternehmenschef  Roland Weise, seinen Hut nehmen müssen. Norberg führt das Unternehmen seitdem. Und der schwärmt im "Handelsblatt" davon, dass die ersten Tests für Online-Shops gut angelaufen seien - in den Niederlanden und Österreich. "Alles spricht im Moment dafür, dass wir in diesem Jahr auch in Deutschland starten können. Wichtig ist, dass ein Onlinekonzept die stationären Märkte unterstützt."

Aber das genau ist der Knackpunkt. Die MSH-Filialen sind eigenständige Betriebsformen, die jeweiligen Filialleiter legen ihre Preise selbständig fest. Die stationären Händler befürchten, dass ihnen günstigere und einheitliche Preise im Webshop das Geschäft verhageln. Und Weise soll immer auf Seiten der Händler gestanden haben.

Norberg sagt nun, dass es die Herausforderung sei, den Online-Shop nicht zur Konkurrenz der stationären Läden werden zu lassen. Daran werde "mit Hochdruck" gearbeitet. Das Unternehmen würde Chancen sehen, dem stationären Handel zusätzliche Impulse durch das E-Commerce zu geben.