Seit Jahren streitet der Gründer und Minderheitseigentümer von Media-Saturn Erich Kellerhals mit der Metro um die Zukunft von Europas größtem Elektronikhändler. Nun wirft der Chef von Media-Markt und Saturn hin.

Der Machtkampf zwischen dem Handelskonzern Metro und dem Minderheitseigentümer des Elektronikhändlers Media-Saturn, Erich Kellerhals, ist um ein Kapitel reicher. Der Chef der Dachgesellschaft der Ketten Media-Markt und Saturn, Horst Norberg, erklärte am Dienstag in Ingolstadt überraschend seinen Rücktritt.

"Nach den Ereignissen der vergangenen Tage habe ich Zweifel, dass ich noch den vollen Rückhalt im Gesellschafterkreis genieße", sagte Norberg der Mitteilung zufolge. Eigentlich hatte der Manager noch einen Vertrag bis 2015, gab nun aber vorzeitig auf.

Der Chef des Metro-Konzerns, Olaf Koch, bedauerte den Schritt Norbergs, der seit 2011 an der Spitze der Holding stand. Norberg habe in mehr als 27 Jahren bei der Gruppe Großes für das Unternehmen geleistet, nicht zuletzt auch bei der jüngst verkündeten
Neupositionierung und Restrukturierung von Media-Saturn.

Genug der Nadelstiche

Media-Markt-Gründer Kellerhals war hingegen zu Norberg immer stärker auf Distanz gegangen und formulierte in seinem Internet-Blog bereits vor einigen Wochen eine Stellenanzeige für die Nachfolge Norbergs nach dessen Renteneintritt 2015 - ein weiterer Nadelstich.

Beide Seiten überziehen sich seit Längerem mit Vorwürfen, Beschuldigungen und juristischen Verfahren. Die Geschäfte der beiden Ketten laufen dabei nicht wirklich rund. Vor allem Handelsplattformen im Internet machen dem Geschäftsmodell mit großen Häusern das Leben schwer. Erst in der vergangenen Woche hatte Norberg noch eine weitreichende Neuausrichtungen für die beiden Ketten vorgestellt.

Abgang zur Unzeit

Erneute öffentliche Kritik von Kellerhals überdeckte das aber. Für die Metro kommt der Abgang von Norberg damit eher zur Unzeit, denn die Suche nach einem Nachfolger wird sicher nicht einfacher, zumal sich für den Posten des Vorsitzenden der Geschäftsführung bei der Media-Saturn-Holding alle Gesellschafter einig sein müssen. Wie langes es dauern wird, einen Nachfolger zu finden, ist noch offen.

Bis dahin entsendet die Metro ihren Vorstand Pieter Haas als Vizechef in die Geschäftsführung. Haas gehörte bereits von 2001 bis 2013 zur Geschäftsführung von Media-Saturn und ist nun im Metro-Vorstand für die Ketten zuständig. Er soll die von Metro gewollte Neuausrichtung von Media-Markt und Saturn energisch vorantreiben.