Immer weiter, immer größer, immer billiger. Auch im Onlinehandel. Horst Norberg kennt als Chef von Media-Saturn nur eine Richtung: nach vorn. Und dazu gehört sogar der Sprung aufs Parkett.

Horst Norberg gibt sich als neuer Chef von Media-Saturn kraftvoll, und er präsentiert das Unternehmen als unschlagbar. Doch ein Satz im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" verrät, dass der Händler für Elektronikprodukte doch etwas Nachholbedarf hat.

"Wenn die Geschäfte gut laufen, besteht immer die Gefahr, dass man sich ein wenig zurücklehnt", sagte Norberg in Bezug auf die Vergangenheit, in der die Media-Saturn-Holding (MSH) ein bisschen erfolgsverwöhnt gewesen sei, wie Eckhard Cordes, Chef des Mutterkonzerns Metro einst festgestellt hatte.

Wachsen, wachsen, wachsen

Norberg soll und will nun das Unternehmen wieder zurück zur alten Stärke führen - mit der bewährten Strategie: "Wir müssen uns auf unser altes Konzept besinnen: Kostenführerschaft gleich Preisführerschaft. Und wir müssen weiter dezentral arbeiten und unsere Kultur beibehalten." Künftig soll es noch mehr MSH-Märkte in Deutschland geben. Norberg nannte auch Städte mit 50.000 und weniger Einwohnern als Ziele für neue Standorte. "Insgesamt soll es jährlich zehn Neueröffnungen geben, 2010 waren es sieben."

Noch mehr Tempo will MSH beim bisher vernachlässigten Onlinegeschäft vorlegen. Dabei müsse allerdings der stationäre Handel "mitgenommen" werden, betonte Norberg. Im zweiten Halbjahr soll der Onlineshop unter Marke Saturn ans Netz gehen, "Anfang nächsten Jahres geht dann Media-Markt online".

Darüber hinaus brauche das Unternehmen noch mindestens einen Anbieter im E-Commerce-Bereich, einen reinen Internethändler, betonte Norberg. Im Gespräch ist seit Wochen, dass hier MSH den Aschaffenburger Onlinehändler Redcoon kauft.

Masse, Masse, Masse

Für das Onlinegeschäft formuliert Norberg ehrgeizige Ziele. "Wir werden spätestens 2013/2014 mehr als 10 Prozent unseres Umsatzes über Internetverkäufe erwirtschaften." Das seien mehr als zwei Milliarden Euro.

Das will MSH erreichen, indem die Onlineshops mit Masse den Verbraucher anlocken. Ziel sei, dass die virtuellen Läden erheblich mehr Ware anbieten als ein ein sehr großer Media- oder Saturn-Markt, kündigte Norberg an.

Multichannel steht dabei oben auf der Liste: "Der Kunde kann dann wählen: Er kann online bestellen und bekommt die Ware geliefert oder holt sie bei einem Markt ab. Auch Reparaturen oder Umtausch kann er über einen Markt oder den Webshop abwickeln." Norberg versichert, dass die Händler hinter diesem Konzept stünden, "wir werden sie an den Erlösen beteiligen".

Bei so viel Optimismus wundert es nicht, wenn der MSH-Chef noch größere Visionen hat. So sei die Holding aufgrund der guten Zahlen börsenfähig. "Wenn die Gesellschafter das Signal geben, können wir das Unternehmen von heute auf morgen an die Börse bringen."

Der nette Herr Norberg

Bemerkenswert ist auch, was Norberg über seinen Vorgänger Roland Weise sagt. "Ich besitze vielleicht mehr Offenheit, mit allen Gesellschaftern zu reden und zuzuhören." Weise musste Ende 2010 das Unternehmen verlassen.

Norbergs ausgleichendes Wesen drückt sich auch in der Bewertung der Klage von MSH-Mitgründer Erich Kellerhals gegen Metro aus. "Herr Kellerhals weiß, dass er auf Dauer an der einen oder anderen Stelle seine Gedanken nicht mehr durchsetzen kann, wenn sein Stimmrecht beschnitten wird. Dagegen wehrt er sich. Das halte ich für verständlich."