Rückläufige Umsätze trotz steigender Werbeausgaben: Die Metro-Elektronikmarkttochter Media-Saturn spürt den Druck der Internetkonkurrenz. Jetzt soll unter neuer Führung endlich das eigene Online-Geschäft forciert werden.  

"Geiz ist geil" und "Ich bin doch nicht blöd" - mit lauter Werbung omnipräsent, war Media-Saturn jahrelang ein Wachstumsgarant innerhalb der Metro-Gruppe. Doch diese Zeiten scheinen vorbei zu sein. Die Elektronikmarkttochter hat sich vom Selbstläufer zum Sorgenkind des Düsseldorfer Handelskonzerns entwickelt.

Am Dienstag legte die Metro enttäuschende Umsatzzahlen für das Deutschlandgeschäft 2010 vor. Dabei blieb vor allem Media-Saturn hinter den Erwartungen zurück. Im Gesamtjahr stagnierten die Umsätze der Elektroniktochter, um im wichtigen Weihnachtsquartal regelrecht einzubrechen. In Deutschland müsse Media-Saturn im 4. Quartal über sechs Prozent Umsatz verloren haben, berichtet das Handelsblatt. 

Nicht nur das Wetter ist schuld

"Schlechte Witterungsbedingungen im Weihnachtsgeschäft", die Metro-Chef Eckhard Cordes bei der Vorstellung der Zahlen immer wieder betonte, dürften nur zum Teil für die Umsatzverluste bei Media-Saturn verantwortlich sein.

Denn: Nicht nur schlechtes Wetter treibt die deutschen Schnäppchenjäger, die Media-Saturn mit Werbesprüchen wie "Ich bin doch nicht blöd" mitgeprägt hat, ins Internet. Preissuchmaschinen versprechen dem geizigen Konsumenten eben niedrigste Preise auf Knopfdruck. 

Online-Geschäft verschlafen

Media-Saturn selbst hat bislang keine überzeugende Online-Strategie. Damit sich das ändert, greift man beim Metro-Konzern jetzt energisch durch. Erst im Dezember war der Abgang von Media-Saturn-Geschäftsführer Roland Weise, der sich stets gegen einen Onlineshop gewehrt hatte, bekannt geworden. In dieser Woche nun verkündete Media-Saturn die Trennung von der langjährigen
Werbeagentur kempertrautmann
, um in Zukunft, wie es heißt, verstärkt multimediale Wege zu gehen.

Foto: EP
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Die Online-Offensive soll unter der Ägide des neuen Chefs Horst Norberg so schnell wie möglich auf den Weg gebracht werden. Norbergs Aufgabe dürfte jedoch nicht einfach werden. Schließlich war die Umsetzung eines eigenen Onlineshops bislang maßgeblich am Widerstand der Filial-Geschäftsführer gescheitert, die bei Media-Saturn ihre Preise je nach Konkurrenzsituation vor Ort selbstständig festlegen und fürchten müssen, vom eigenen Webshop unterboten zu werden.

Schwierige Aufgabe

Einen Onlineshop aufzubauen, der keine Konkurrenz für die stationären Händler ist, das ist nun die große Herausforderung. Andere sind schon daran gescheitert: Die Verbundgruppe Electronic Partner stellte ihren Internetshop im April 2010 wieder ein. Die Preise im EP-Netshop waren auf Drängen der selbstständigen EP-Händler auf unverbindliche Preisempfehlungen der Hersteller angehoben worden. Danach waren die Onlineumsätze eingebrochen. Electronic Partner wirbt online nun nur noch für den Besuch in der Filiale.  

Andere Konkurrenten von Media-Saturn drängen dagegen weiter ins Netz. Die Rewe-Tochter ProMarkt ist beispielsweise Anfang Oktober 2010 mit einem Onlineshop gestartet und verspricht gleiche Preise wie in den Filialen. Ein solches Versprechen bei Media-Saturn durchzusetzen, dürfte schwierig werden.