Online gibt den Takt vor im Elektronikhandel - und dem will sich Media-Saturn stellen. Nach Holland sollen nun auch in Deutschland die Preise in den Läden permanent angepasst werden.

Media-Saturn erlebt schwierige Zeiten. Erst im Mai gab Horst Norberg als Chef der Elektronikkette auf - zermürbt vom Streit mit Unternehmensgründer und Minderheitseigner Erich Kellerhals. Auch die Zeit des großen Geldverdienens ist vorbei - die Onlinekonkurrenz im Eletronikhandel ist mächtig, vor allem durch Amazon. Media-Saturn muss reagieren.

Der neue Plan: Mehr Dynamik beim Preiskampf. Wie in Holland bereits erprobt, soll das Modell der elektronischen Preisschilder auch in deutschen Märkten eingeführt werden. Heißt: Die Preise werden ständig dem Markt angepasst. Früher habe man sich mit den stationären Mitbewerbern verglichen, sagte der neue Media-Saturn-Chef Pieter Haas der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" (FAS). "Jetzt müssen wir unsere Preise zusätzlich mit den relevanten Onlineanbietern vergleichen. Das bedeutet, dass wir sie künftig noch öfter ändern", kündigte Haas an. Der Preis müsse immer dem aktuelen Marktniveau entsprechen, das erwarte der Kunde von Media-Saturn.

Eigenes Onlinegeschäft komme voran

Haas sagte auch, dass es den "tiefsten" Preis nicht mehr gebe. "Es gibt immer jemanden in der Onlinewelt, der billiger anbietet. Häufig allerdings in minimaler Stückzahl." Der Markt sei deutlich dynamischer geworden, und damit auch die Preise.

Der Media-Saturn-Chef widersprach der Behauptung, dass das eigene Onlinegeschäft nicht gut laufen würde. "Wir werden im Internet in diesem Jahr rund 1,5 Milliarden Euro Umsatz erreichen - von der Größe gibts nicht so viele in Europa." Das Wachstum komme nicht nur von der Onlinetochter Redcoon, auch die Onlineshops von Media-Markt und Saturn würden wachsen, betonte Haas, der auch im Vorstand der Konzernmutter Metro sitzt.

Störenfried Kellerhals als Dauerproblem

Unbehagen bereitet dem Manager freilich der Dauerstreit mit Kellerhals, der mehr Einfluss im Unternehmen haben will und seit Monaten gegen die Konzernmutter Metro ätzt. Kellerhals will nun Haas per Einstweiliger Verfügung aus dem Job drücken, wie dieser der FAS bestätigte. "Die Convergenta, die Gesellschaft von Herrn Kellerhals, hat mich verklagt und will eine Unterlassungsverfügung gegen mich erwirken."

Er sehe das einerseits mit Sorge, weil für Kellerhals ganz offenkundig nicht das Unternehmen im Vordergrund stehe, "und weil das Unternehmen solche unnötigen Störfeuer gerade gar nicht brauchen kann". Man wolle sich auf die Neuausrichtung und die Umsetzung der Strategie konzentrieren. Andererseits sehe er der Klage gelassen entgegen, da die Geschäftsführer von Media-Saturn geschlossen hinter ihm stünden.

Kellerhals' Absicht, der Metro deren 78 Prozent Anteile abkaufen zu wollen, bewertete Haas zurückhaltend. "Bisher sind das alles nur Worte. Einen konkreten Vorschlag dazu habe ich von ihm nicht gesehen."