435 PS, 900 Newtonmeter Drehmoment. Mit dem S Q7 legt Audi ein Auto für zahlungskräftige Technikfreaks auf.

Fast exakt ein Jahr nach dem vielbeachteten Marktstart setzt Audi dem mächtigen Geländewagen Q 7 ab Sommer die Krone auf. Hinter dem sich bescheiden ausnehmenden "S" vor dem Modellkürzel, das die Bayern in dieser Baureihe erstmals vergeben, verbirgt sich ein Technikpaket, das sich in der Branche so kein zweites Mal findet: Der 4,0 Liter ist mit sage und schreibe 320 kW/435 PS nicht nur der stärkste Achtzylinder der Szene, sondern verfügt auch über ein gigantisches Drehmoment von 900 Newtonmetern.

Aus dem Stand heraus erreicht der 2,3-Tonnen-Wagen die 100 km/h-Marke in 4,8 Sekunden und die maximale Höchstgeschwindigkeit dürfte noch jenseits von Tempo 250 liegen, wenn die Entwickler nicht die freiwillige Selbstbeschränkung der Industrie einhalten würden.

48-Volt-Akku zusätzlich an Bord

Für Pilot und Passagiere ist in der Praxis noch spektakulärer, mit welchem Dampf der Wagen nach vorn stürmt, "ohne Turboloch", wie der technische Projektleiter Klaus Bugelnig mit sichtlichem Stolz verkündet. Möglich macht dies ein elektrisch geladener Verdichter, der den Turboladern zusätzlich "einheizt". Dafür führt der sportliche Q 7 neben der herkömmlichen 12-Volt-Batterie einen 48-Volt-Lithium-Ionen-Akku unter dem Kofferraum mit, der den Verdichter und weitere der insgesamt 24 möglichen Assistenten wie etwa die Wankstabilisierung antreibt.

Mehr Spannung, mehr Leistung. Ein Konzept, das sich in naher Zukunft im Automobilbau weiter verbreiten dürfte, um die immer größere Zahl an Stellmotoren anzutreiben.

Beeindruckend, aber gefährlich für das Punktekonto

Allradlenkung und -antrieb sorgen für hohe Traktion bis in den physikalischen Grenzbereich. Das beeindruckt bei der ersten Ausfahrt natürlich. Doch schon nach wenigen Kilometern stellt sich die Frage: Wofür der ganze Aufwand? Der bayerische Bolide ist für den alltäglichen Straßenverkehr heillos übermotorisiert. Ein übereifriger Tritt aufs Gaspedal genügt, um das Flensburger Punktekonto zu belasten. Selbst eilige Dienstwagenfahrer werden das Potenzial kaum abrufen können – was in der Regel bereits für den feinen Sechszylinder-Diesel im 3,0 TDI gilt.

Da bleibt nur die positive Erkenntnis, dass sich der Kraftprotz auch ganz handzahm unter Einhaltung der Straßenverkehrsordnung bewegen lässt. Auf Wunsch übernimmt er das sogar selbsttätig, denn die Geschwindigkeitsregelanlage ist mit der Verkehrsschilderkennung vernetzt. Dann rückt auch der Praxisverbrauch ansatzweise in die Nähe des Normwertes von 7,2 Litern auf 100 Kilometern.

Preise ab 89.900 Euro

So ist das mindestens 89.900 Euro teure Gefährt bestenfalls ein Prestigeobjekt für Technikfreaks, die sich den teuren Spaß leisten wollen und auch können. Denn viele, der Feinheiten sind selbst beim Topmodell der Baureihe, wie bei den deutschen Premiumherstellern üblich, nochmals aufpreispflichtig, auch wenn Audi beim "S" auf eine umfangreiche Serienausstattung unter anderem mit LED-Scheinwerfern und 85-Liter-Kraftstofftank verweist.

Bernd Nusser