Wenn die Mehrwertsteuersenkung für Hotels nicht an die Firmenkunden weitergeben werden, zahlen diese die Zeche. Und die beträgt rund 400 Millionen Euro jährlich, schätzt der VDR. 

Der Verband Deutsches Reisemanagement (VDR) fürchtet spürbare
Mehrbelastungen für Firmenkunden durch die Senkung der Mehrwertsteuer für Beherbergungsleistungen im Hotelgewerbe. Der Bundesrat hatte gestern der Mehrwertsteuersenkung von 19 auf sieben Prozent zugestimmt.

Die im sogenannten Wachstumsbeschleunigungsgesetz festgeschriebene Mehrwertsteuersenkung entlastet zwar die Hotelbranche. Doch da die Mehrheit der Herbergen aller Voraussicht nach die Preise für Übernachtungen nicht senken wird, werden Geschäftsreisen um jene reduzierten 12 Prozent Mehrwertsteuer teurer. Die Unternehmen können ab sofort bei Geschäftsreisen ebendiese 12 Prozent Vorsteuer weniger geltend machen. Der VDR schätzt, dass deswegen rund 400 Millionen Euro Mehrkosten auf Unternehmen zukommen.

383 Millionen Euro im Jahr mehr

Grundlage der Beispielrechnung ist ein durchschnittlicher Übernachtungspreis
ohne Frühstück von 95 Euro pro Nacht (brutto bei 19 Prozent Mehrwertsteuer).

Bei sieben Prozent Mehrwertsteuer und gleich bleibendem Brutto-Preis
können 12 Prozent weniger abgesetzt werden. Dies entspricht bei den derzeit rund 40Millionen inländischen Übernachtungen pro Jahr Mehrkosten in Höhe von 383 Millionen Euro, wenn die Hotels ihre Preise nicht senken.

Voller Preis beim Frühstück

Weitere Probleme ergeben sich für die Firmenkunden durch die getrennte
Betrachtung von Übernachtungsleistung und von "beherbergungsnahen"
Leistungen wie Frühstück oder Raummiete bei Veranstaltungen.

"Geschäftsreisende müssen hinnehmen, dass der volle Preis für das Frühstück bei der Reisekostenabrechnung abgezogen wird - anstatt nur einer Pauschale von
4,80 Euro bei Inklusivpreisen", ärgert sich Dirk Gerdom, Präsident des
VDR. "Ein solcher Abzug in voller Höhe bedeutet eine zusätzliche Belastung für Arbeitnehmer und somit eine Belastung der gesamten Marktwirtschaft."

Außerdem könnten durch die steigenden Kosten die Zahl der Übernachtungen zurückgehen: "Dies würde die Auslastung der Hotels zusätzlich verschlechtern und den positiven Effekt für die Hotellerie ins Gegenteil umkehren."

Verträge neu verhandeln

Hotels und Firmenkunden müssten sämtliche Verträge und Pauschalen für Tagungen neu verhandeln und Rechnungen nachbessern. Das bedeute wiederum einen Mehraufwand bei der Hotel- und Reisekostenabrechnung: Die Kostensteigerungen sind nach Meinung des Reisemanagers somit nicht nur reine Mehrkosten durch verminderten Vorsteuerabzug, sondern auch interne Prozesskosten.

"Wenn die Steuersenkungen tatsächlich dazu beitragen sollen, die schwächelnde Konjunktur wieder auf die Beine zu bringen, dann müssen diese Mehrbelastungen minimiert werden", fordert Gerdom.