Die automobile Oberklasse fährt langsam wieder ins Plus. Die S-Klasse von Mercedes-Benz bleibt das Aushängeschild und will Vorreiter in Sachen Sparsamkeit sein.

Es ist noch ein zartes Pflänzchen: Mühsam erholt sich die Konjunktur von der größten Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit, und von den Abgesängen auf Pleite-Staaten wie Griechenland oder Portugal wollen sich die Automobil-Produzenten jetzt nicht gleich wieder die Stimmung verderben lassen.

Gerade ist das Geschäft auch mit großen Gefährten wieder angesprungen. In China etwa brummt die Oberklasse nur so. Das zeigte sich dieser Tage auf der vielbeachteten Messe in Peking.

Volkswagen präsentierte in der Hauptstadt des Riesenreiches seinen überarbeiteten Phaeton, Audi legte eine Langversion des brandneuen A8, gleich versehen mit einem 500 PS starken Zwölfzylinder auf, und Porsche fuhr mit weiteren Varianten seines im vergangenen Jahr eingeführten Viertürers Panamera vor.

BMWs Topwagen, die 7er-Baureihe, ist ebenfalls noch kein Jahr alt und Jaguar komplettiert die Vielfalt im automobilen Oberhaus ganz aktuell mit der Einführung der nächsten Generation des XJ.

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Mercedes knapp vor BMW und Audi

Selbst in Deutschland liegt die Oberklasse nach dem ersten Quartal, wenn auch nur hauchdünn, immerhin mit 1,1 Prozent im Plus - was vor allem auf die Markteinführung des A 8 (1.164 Zulassungen; 140,5 Prozent Steigerung gegenüber dem Vorjahreszeitraum) zurückzuführen ist.

Nach dem rabenschwarzen Jahr 2009 trauen sich die Unternehmer und Vorstandsbosse langsam wieder mit den  Nobelkarossen in die Öffentlichkeit. Schließlich haben sie in der Krise auf die befürchteten Massenentlassungen weitgehend verzichtet - da wird dem Firmenlenker ein bisschen Luxus kaum geneidet.

Sparen ist kein Fremdwort mehr

Zumal auch in der Fünf-Meter-Klasse Sparen kein Fremdwort mehr ist. Mercedes-Benz bemüht sich hier besonders um soziale Akzeptanz und Umweltverträglichkeit, auch Porsche arbeitet kräftig am Image.

Mit der S-Klasse ist Mercedes-Benz weltweiter Segmentführer - und führt auch in der einheimischen Hitliste nach den ersten drei Monaten des Jahres mit 1.194 Zulassungen wieder knapp vor Erzrivale BMW (1.175).

Der Sechszylinder-Diesel S 350 CDI, der jetzt den Praxistest von Der Handel durchlief, versehen die Schwaben sogar mit dem selbst kreierten Öko-Label "Blue Efficiency", das die besonders verbrauchsgünstigen Modelle kennzeichnen soll.

Mehr als 1.000 Kilometer Reichweite

Der Normwert von 7,6 Litern war zwar nicht zu erreichen, mit einem Testmittel von 8,7 Litern darf der Antrieb des Fast-Zweitonners aber tatsächlich als effizient gelten. Angesichts des 90-Liter-Tanks sind Reichweiten von mehr als 1.000 Kilometer bei moderater Fahrweise kein Problem.

Ein besonderes Lob verdient der Motor in Verbindung mit dem serienmäßigen Sieben-Gang-Automatikgetriebe auch in Sachen Kraftentfaltung. Mühelos beschleunigt der Selbstzünder die mächtige Karosse bis zur Höchstgeschwindigkeit und bleibt dabei auch akustisch über jeden Zweifel erhaben. Der Wunsch nach den deutlich PS- und prestigeträchtigeren Antriebsquellen der Baureihe kommt gar nicht erst auf.

Geteilter Bildschirm und Massage

Überhaupt bleibt der vornehme Sternenträger als komfortable Reiselimousine praktisch unerreicht. Mit der jüngsten Modellpflege hielten nicht nur zahlreiche Assistenzsystem wie der Ermüdungswarner für den Fahrer, die Anzeige der erlaubten Geschwindigkeit im zentralen Display oder der Abstandsradar sondern auch Komfortfeatures wie der geteilte Bildschirm Einzug.

Dabei kann der Beifahrer von seiner Seite aus beispielsweise eine DVD anschauen, während der Fahrer gleichzeitig die Navigationskarte im Auge behält. Beide können sich derweil von ihrem Sitz mit Fernsehstuhl-Dimensionen vierstufig massieren lassen.

Ein wenig blümerant wird es einem allein beim Blick in die Preisliste, wo der S 350 CDI für stolze 73.720 Euro erst den Einstieg in die S-Klasse-Welt markiert und zahlreiche, kostspielige Sonderausstattungen locken.

Bernd Nusser