Geringerer Verbrauch und technische Finessen machen die dritte Generation der M-Klasse von Mercedes-Benz für Dienstwagenfahrer und selbstständige Unternehmer zunehmend interessant.

Wenn Automobilhersteller in der Vergangenheit einen großen Geländewagen (neudeutsch: Sports Utility Vehicle) präsentierten, priesen sie stets so allerlei Vorzüge, wie die sichere Fahrgastzelle, die erhabene Sitzposition, den massigen Stauraum, die Fähigkeiten abseits des Asphalts oder schlicht den hohen Prestige- und Imagefaktor. Angaben zum Benzinverbrauch fanden sich dagegen allenfalls kleingedruckt in den technischen Daten. Der in der Regel deutlich zweistellige Wert für den Konsum auf 100 Kilometern taugte schließlich kaum fürs Marketing - und schloss einen SUV bei der Dienstwagenwahl häufig aus.

Kraftstoff im Kommunikationsmittelpunkt

Ausgerechnet der mit 125 Jahren älteste Produzent der Zunft bricht jetzt mit dieser Tradition. Zur Publikumspremiere der neuen M-Klasse auf der am 15. September beginnenden Internationalen Automobil Ausstellung (IAA) in Frankfurt am Main und zum Verkaufsstart im November stellt Mercedes-Benz gerade den Kraftstoffbedarf in den Kommunikationsmittelpunkt - obgleich die dritte Generation des Geländegängers aus dem US-Werk in Tuscaloosa/Alabama auch zahlreiche weitere technische Errungenschaften auf den On- und Off-Road-Weg mitbekommt.

Nach den Begrüßungsworten und dem allgemeinen Lob für die seit 1997 mehr als 1,2 Millionen Mal verkaufte M-Klasse kommt Vertriebs- und Marketingchef Joachim Schmidt vor Journalisten jedenfalls schon gleich im vierten Absatz seiner Präsentationsrede zur Sache: „Der ML 250 ist das sparsamste SUV in seiner Klasse - mit einem Verbrauch auf dem Niveau viel kleinerer Fahrzeuge."

Von Barcelona nach Stuttgart ohne Tankstopp

Sogar ein „Umweltzertifikat" des TÜV Süd liege vor. Mit einer Tankfüllung sei der Wagen von Barcelona nach Stuttgart, mithin 1.265 Kilometer, gefahren und hätte noch eine Restreichweite von 200 Kilometern angezeigt. 6,3 Liter haben die Mercedes-Ingenieure bei diesem Praxistest ermittelt. Der Normwert für den Vierzylinder-Diesel mit 150 kW/204 PS, der auch bereits in der S-Klasse für Staunen sorgte, liegt bei lediglich 6,0 Litern.

Bei einer ersten Ausfahrt der Redaktion von Der Handel auf bergigen Alpenstraßen gab sich der immerhin mehr als zwei Tonnen schwere und mindestens 54.978 Euro teure Wagen mit 7,9 Litern (laut Bordcomputer) zwar nicht ganz so bescheiden, die Bemühungen der Stuttgarter um die soziale Akzeptanz dieser in Verruf geratenen Fahrzeuggattung sind aber unverkennbar.

Strömungsgünstige Karosse

Neben dem Mut, die anspruchsvollen Kunden in diesem Segment von einem Vierzylinder überzeugen zu wollen, haben die sparsamen Schwaben auch noch eine reibungsoptimierte Siebenstufen-Automatik und ein Start/Stopp-System eingebaut sowie die Karosse mit einem cW-Wert von nur 0,32 ausgewiesen strömungsgünstig kreiert.

Auch der Sechszylinder-Selbstzünder (190 kW/258 PS) im ML 350 (ab 58.726 Euro) sei gegenüber dem Vorgängermodell um rund 25 Prozent sparsamer. Zudem reduzieren die beiden Diesel dank des Einsatzes einer Harnstoffeinspritzung den Ausstoß von Stickoxiden und erfüllen damit die erst ab September 2014 gültige Abgasnorm Euro 6. Dritter Motor im Bunde ist der Sechszylinder-Benziner mit 225 kW/306 PS und einem Normverbrauch von 8,5 Litern. Hier beginnt die Preisliste bei 56.763 Euro.

Wankstabilisierung neu im Angebot

Die unternehmerische Investition in den fahrbaren Untersatz lässt sich aber fast beliebig erhöhen. Praktisch alle Fahrerassistenzsysteme aus E- und S-Klasse sind nun auch im Geländegänger gegen Aufpreis zu haben. Neu in der Mercedes-Benz-Optionsliste ist eine Wankstabilisierung, die das Aufschaukeln der Karosse bei schnellen Lastwechseln verhindert und das Fahrzeug trotz des hohen Schwerpunktes noch dynamischer macht.

Das 3.689 Euro teure System steht allerdings ausschließlich für die Sechszylinder-Varianten zur Wahl - und auch nur, wenn man zuvor bereits sein Kreuzchen bei der Luftfederung für 2.023 Euro gemacht hat.

Für jedes Terrain gerüstet

Auch das sogenannte „On&Offroad"-Paket ist an die optionale Luftfederung gekoppelt, kann aber auch für den Vierzylinder geordert werden. Mit Hilfe eines Drehschalters in der Mittelkonsole lassen sich die elektronischen Regelsysteme dabei auf die jeweiligen Fahrbahnbeschaffenheiten und Geländegegebenheiten einstellen. Die M-Klasse ist damit, das zeigte der Test auf abenteuerlich steilem Terrain, für praktisch jeden Einsatzzweck gerüstet. Händler mit mobilem Verkaufsstand oder Bootsanhänger dürfte zudem die hohe Anhängelast von 3.500 Kilogramm überzeugen.

Bernd Nusser