Mercedes-Benz feiert die Weltpremiere der neuen V-Klasse. Der neue Van soll mit zahlreichen technischen Innovationen den Führungsanspruch des Stuttgarter Autobauers unterstreichen. Preise ab 42.900 Euro.

Premierenparty in München: 500 Journalisten aus aller Herren Länder hatte Mercedes-Benz in die eigens zur Sternenwelt hergerichtete Eventarena auf das Olympiagelände geladen, um die neue V-Klasse erstmals ins Rampenlicht zu rollen. Eine exklusive Ehre, die sonst eigentlich nur den Volumenmodellen des Traditionsautobauers, wie C-, E- oder S-Klasse zuteil wird.

Weil die Schwaben mit der dritten Auflage der Großraumlimousine nun auch Großes vorhaben und endlich dem Volkswagen Multivan Verkaufsanteile abjagen wollen, gehen sie zur Markteinführung besonders akribisch vor. Bereits im Herbst gewährte der Hersteller erste Blicke in das neue Innenraumambiente, jetzt durfte die Fachpresse Probesitzen und nach dem Messedebüt Anfang März in Genf geht es auch noch auf Probefahrt. Die Auslieferung an die Kunden startet Ende Mai.

Daimler-Chef preist das neue Modell

Die Show rund um den neuen Van leitete Daimler-Chef Dieter Zetsche höchstselbst ein – mit einer altbekannten Formel: „Die V-Klasse ist der Mercedes unter den Großraumlimousinen“, pries der oberste Manager das neue Modell. Mit den exakt gleichen Worten versuchte Zetsche schon 1996 in Hamburg, damals noch als Vorstand der Lkw-Sparte, das seinerzeit von den Nutzfahrzeugspezialisten kreierte Fahrzeug in den Pkw-Adelsstand zu erheben.

Doch hartes Plastikinterieur, raue Motoren und die rustikale Federung wollten so gar nicht zum luxuriösen Markenimage passen. 2003 probierten es die Mercedes-Mannen mit dem Viano erneut. Der neue Name sollte die alte V-Klasse vergessen machen. Der ganz große Wurf ließ aber weiter auf sich warten. Zuletzt war der Viano weit vom hehren Anspruch des Autobauers „Das Beste oder nichts“ entfernt.

Vertrieb auch über die Pkw-Händler

Im dritten Anlauf soll es nun endlich klappen und dabei der zu neuem Leben erweckte Begriff V-Klasse dann doch wieder symbolisieren, dass der mindestens 4,90 Meter lange Wagen nahtlos in die gediegene Pkw-Flotte des Hauses passt und als rollendes Nobelbüro taugt. Schließlich wird das Modell nun auch zusätzlich über die Pkw-Händler vertrieben.

Das Selbstvertrauen haben die Stuttgarter jedenfalls nicht verloren: „Die V-Klasse ist wie ein exklusives Wohnzimmer. Und gerade hier in München zeigen wir, was unseren bayrischen Wettbewerbern im Angebotsportfolio so fehlt“, schaltete Zetsche vor der versammelten Weltpresse schnell auf Angriff und fügte beinahe pathetisch hinzu: „Unser Führungsanspruch ist in Stein gemeißelt!“

Zahlreiche Alleinstellungsmerkmale

Foto: Mercedes-Benz
Foto: Mercedes-Benz
Den großen Worten seines Vorgesetzten ließ Volker Mornhinweg, Chef der Van-Sparte des Unternehmens, Taten folgen und zählte die lange Liste an Vorzügen der V-Klasse auf. Tatsächlich verfügt der schwäbische Kleinbus, der im spanischen Vitoria gefertigt wird, über zahlreiche Alleinstellungsmerkmale in seiner Klasse – zumindest bis Widersacher Volkswagen nachzieht und mutmaßlich im nächsten Jahr seine neue Transporter/Multivan-Reihe präsentiert.

Von der elektrischen Heckklappe, über das separat zu öffnende Heckfenster, das Touchpad zur Bedienung der Navigation, der Belüftungsanlage aus der S-Klasse, die das Beschlagen der Scheiben stets verhindert und im Tunnel selbstständig auf Umluft schaltet, bis zur 360-Grad-Kamera und dem Seitenwindassistenten aus dem Sprinter belegt das Auto, dass das „V“ nicht nur für Variabilität sondern auch für Vielfalt steht.

Die Preislisten sind freilich noch nicht gedruckt – und das dürften, nach den Ankündigungen von Zetsche und Mornhinweg, umfangreiche Werke werden. Immerhin den Basispreis für den V 200 CDI mit 100 kW/136 PS-Dieselmotor und mittlerem Radstand hat das Führungsduo schon mal ermittelt: 42.900 Euro.

Neuer Vito folgt erst im Herbst

So ganz ist die Abstammung der V-Klasse aus dem Nutzfahrzeugbereich dann aber doch nicht zu leugnen. Der Van läuft im Baskenland, wo Mercedes-Benz gerade 200 Millionen Euro in die Erneuerung der Fertigungsanlagen investiert hat, auch weiterhin mit seinem Transporter-Bruder Vito vom Band.

Die gewerbliche Kundschaft muss sich aber noch ein wenig gedulden. Der generalstabsmäßig vorbereitete Einführungsplan gönnt die volle Aufmerksamkeit zunächst der V-Klasse und sieht das Vito-Debüt erst für die Nutzfahrzeug-IAA Ende September in Hannover und den Auslieferungsstart für den späten Herbst vor.

Bernd Nusser