Mercedes-Benz stattet seinen Transporter Sprinter ab September mit neuen Sicherheitsassistenten und Euro-6-Motoren aus - nur der kleinere Citan verdirbt den Stuttgartern die Weltpremierenstimmung.

Es hätte alles so schön werden können: Erstmals feierte ein Mercedes-Benz-Nutzfahrzeug live im Internet seine Weltpremiere und rund um das Stammwerk des Sprinters in Düsseldorf haben die Stuttgarter mächtig Aufwand betrieben, um die europäischen Journalisten in diesen Tagen von den Qualitäten des überarbeiteten Transporters zu überzeugen.

Mit gleich fünf neuen Sicherheitsfeatures setzt Mercedes-Benz  in der 3,5-Tonnen-Klasse einmal mehr die Trends. Ein Seitenwindassistent, ein Abstandswarner, die Totwinkel-Überwachung, der Fernlicht- und der Spurhalteassistent sollen den Sprinter zum Vorbild seiner Gattung machen.

Citan scheitert im Crashtest

Doch wenige Tage vor dem akribisch vorbereiteten Event patzte der kleine Sprinter-Bruder Citan im NCAP-Crashtest und vermasselte so die "Sicherheitsoffensive" der Schwaben. Nur drei statt der sonst bei Neufahrzeugen längst üblichen fünf Sterne sorgen seither bei der Marke mit dem einen Stern für helle Aufregung.

Daimler-Boss Dieter Zetsche steht ohnehin seit Wochen unter medialem Beschuss und auch Volker Mornhinweg, der Chef der Van-Sparte, hat nach dem Dilemma des in Kooperation mit Renault auf die Räder gestellten Kastenwagens keinen leichten Stand.

Rückrufaktion ist angelaufen

Zumal auch die optische Anmutung des Citan und hier vor allem die Innenraumgestaltung nicht den hehren Ansprüchen der Stuttgarter (Markenclaim: "Das Beste oder nichts") genügt – wie sich auch bereits im Test von Der Handel (siehe Ausgabe 4/2013) herausstellte.

Das Krisenmanagement sprang nur langsam an, doch hat Mercedes-Benz inzwischen 3.500 der bislang rund 10.000 ausgelieferten Citan in die Werkstätten zurückgerufen, um offensichtlich zumindest den Fenster-Airbag auszutauschen. "Über eventuell weitere notwendige Maßnahmen lässt sich aktuell noch nichts sagen", erklärt Entwicklungschef Sascha Paasche auf Nachfrage von Der Handel.

1.000 Varianten und 600 Sonderausstattungen

Natürlich sprechen die Mercedes-Manager derzeit lieber über den Sprinter, der in 18 Jahren rund 2,5 Millionen mal verkauft wurde und weltweit in rund 130 Ländern als Synonym dieser Fahrzeugklasse gilt. Mehr als 1.000 Varianten und 600 Sonderausstattungen stehen zur Wahl.

Allen Modellen gemein ist künftig der erstmalig angebotene Seitenwindassistent. Bei Geschwindigkeiten über 80 km/h erkennt das ESP die Kraft des seitlichen Luftstoßes und stabilisiert das Gefährt mit gezielten Bremseingriffen. Auf einer eigens von Stuttgart herbeigeschafften Windanlage überzeugte das System auf einer abgesperrten Versuchsstrecke. Während der Seitenwindassistent lobenswerterweise serienmäßig an Bord ist, müssen für die weiteren Neuheiten rund 1.000 Euro Paketpreis einkalkuliert werden.

1.200 Euro Aufpreis für Euro-6-Motoren

Neben dem elektronischen Helfer-Quintett wartet die modifizierte Fassung des Klassenprimus mit verbrauchsoptimierten Dieselmotoren auf, die dank der SCR-Technik (Harnstoffeinspritzung) bereits die ab September 2014 für alle Neufahrzeuge gültige Abgasnorm Euro 6 einhalten. Der Aufpreis gegenüber den zunächst weiterhin angebotenen Euro-5-Motoren beträgt 1.200 Euro. Die Leistungsspanne der Vier- und Sechszylinderaggregate reicht von 70 kW/95 PS bis 140 kW/190 PS.

Mit einem Minimalverbrauch von 6,3 Litern und auf 60.000 Kilometer verlängerte Wartungsintervalle preist Mercedes-Benz sein an der Front auch optisch aufgewertetes Aushängeschild gleich als „neues Wirtschaftswunder“.

Der neue Sprinter ist ab Juni bestellbar, die Auslieferungen beginnen im September. Die Preise seien noch nicht abschließend abgesegnet, dürften nach Einschätzung von Sascha Paasche aber "etwa 1,5 Prozent über denen für das aktuelle Modell" liegen.

Bernd Nusser