Die EuroCIS hat den Newcomern mit dem Start-up-hub eine spezielle Präsentationsfläche geschaffen. Elke Moebius, Director EuroShop, EuroCIS, C-Star und Global Head Retail & Retail Technology der Messe Düsseldorf, im Interview über Highlights der Messe, dominierende Zukunftsthemen, Start-ups und Händlertugenden.

Die EuroCIS wird nochmals größer mit mehr Ausstellungsfläche – Wundert Sie das nicht selbst ein bisschen? Schließlich geht es ja um digitalen Handel. Und der braucht ja, denken wir beispielsweise an virtuelle Regale – nicht gerade viel Platz.  

Elke Moebius Das ist richtig, denn bei einer EuroCIS generiert sich Fläche nicht vorrangig aus großen Exponaten, wie beispielsweise bei einer Maschinenmesse. Aber dennoch wundert mich das Wachstum der EuroCIS keineswegs, denn am Thema Digitalisierung und Omnichannel kommt heutzutage auch kein stationärer Händler mehr vorbei. In den letzten Jahren ist sowohl der Bedarf auf Handelsseite, als auch die Zahl an Anbietern mit speziell auf Retail zugeschnittenen IT-Produkten und Lösungen rasant gewachsen. Zudem hat sich die EuroCIS als Leitmesse für Retail Technology fest etabliert, das heißt, wer als Spezialanbieter Kontakt zu den Entscheidern im internationalen Handel sucht, darf die EuroCIS 2018 nicht verpassen. Rund 450 Aussteller aus 28 Ländern werden auf über 13.000 Quadratmeter netto ausstellen, das ist ein Flächenzuwachs von 25 Prozent im Vergleich zur Vorveranstaltung in 2016.

Schon 2010 zeigte die Messe Software zur Gesichtserkennung für Instore-Medien. Lange bevor Tests im Handel 2017 für Schlagzeilen sorgten. Sehen sie sich mehr als Trendradar oder auch als Richtungswegweiser für die Investitionen in 2018?


Beides. Einerseits ist die EuroCIS eine hocheffiziente Informationsbörse, an der sich der Handel bei seinen Investitionsentscheidungen konkret orientiert. Denn er kann sich auf der EuroCIS nicht nur kompakt und umfassend über alle wichtigen Neuheiten informieren, sondern sich auch direkt vor Ort zu maßgeschneiderten Lösungen beraten lassen. Zudem sorgen die Vorträge im EuroCIS und Omnichannel Forum, in denen Best-Practice-Beispiele vorgestellt werden, für direkten Praxisbezug.
Andererseits ist die EuroCIS natürlich auch ein Trendradar, der Einblicke in mögliche Shoppingwelten der Zukunft gewährt. Manche Dinge, die wir in den vergangenen Jahren auf der EuroCIS gesehen haben, schafften den Sprung in die Praxis nicht, andere sehr wohl. So konnte sich zum Beispiel die Google-Brille, die wir vor ein paar Jahren auch auf der EuroCIS hatten, als Hilfsmittel für Ottonormalverbraucher im Supermarkt bislang nicht durchsetzen. Die digitale Umkleidekabine und der Smart Mirror, die bei der EuroCIS 2015 als Zukunftsmusik präsentiert wurden, haben inzwischen den Einzug in die Kaufhäuser geschafft.

Viele Händler hoffen, dass der digitale POS das Geschäft auf der Fläche stärkt. Zu Recht?

Die das kann er durchaus, wenn man die Sache richtig angeht. Egal, ob digitale Regale oder interaktive Spiegel, der digitale POS muss optimal mit allen Systemen verbunden sein und in das Gesamtkonzept eines Geschäfts passen. Außerdem müssen Videowalls oder POS-Terminals stets mit den richtigen Daten gefüttert werden. Dafür ist es wichtig seine Kunden genau zu kennen und passende Inhalte auszuspielen. Richtig eingesetzt, gestalten die Tools das Einkaufen am POS informativer, helfen Out-of-Stock-Situationen zu vermeiden und vernetzen mit der Online-Welt, der Service für den Kunden steigt. Unser EuroCIS TV hat hierzu einen sehr interessanten Videobeitrag beim Media Markt in Eindhoven gedreht, der unter www.eurocis.com zu finden ist.



Welche Trends und alltagstaugliche Innovationen wird man dazu auf der EuroCIS sehen?

Bereits erfolgreich am POS durchgesetzt haben sich Terminals und Kiosk-Systeme, die den Kunden als Anlaufpunkt für ihre Fragen dienen, Click & Collect-Stationen sowie digitale Bildschirme und Videowalls. Stark im Kommen ist auch der Einsatz von VR-Brillen. Zu all diesen Themen werden auf der EuroCIS zahlreiche Weiterentwicklungen präsentiert. Ich bin mir aber sicher, dass auch viele „echte“ Innovationen für den POS vorgestellt werden, nur da sind die Aussteller sehr heikel und lassen die Katze tatsächlich erst zur Messe aus dem Sack. Ich bin sehr gespannt!

Der Engpass in der Logistik war das große Aufregerthema zum Jahreswechsel. Wie lassen sich Lösungen für die letzte Meile auf der Messe darstellen?


Die Problematik der letzten Meile wird sich in den nächsten Jahren weiter verschärfen, vor allem in der Vorweihnachtszeit. Um Engpässe zu vermeiden ist größere Flexibilität bei der Gestaltung der logistischen Prozesse gefragt – zum Beispiel durch Kooperationen mit stationären Händlern oder Dienstleistern, die sich ganz bewusst auf die Belieferung kurzer Strecken spezialisiert haben.

Ist Robotik nur ein Thema für Logistik und Intralogistik. Oder wird es in absehbarer Zeit auch im Laden eine Rolle spielen?

Auch wenn es inzwischen Roboter gibt, die Inventuren durchführen, Schuhe vom Lager holen und die Kunden freundlich begrüßen können, so bleibt doch die persönliche Ansprache im Store unverzichtbar. Roboter können jedoch den POS attraktiver gestalten und dem Personal auf der Fläche multifunktionale Tools an die Hand geben, um den Service im direkten Kundenkontakt zu optimieren. Erste Praxistests laufen bereits.

Investitionen in Retail Technology sind zuweilen kostspielig. Was bietet die Messe hier den kleineren Händlern?

Die EuroCIS ist in ihrer Vielfalt inzwischen so gewachsen, dass nicht mehr nur für die großen internationalen Filialisten interessant ist. Gerade unsere Sonderflächen wie das Start-up-hub und die BMWI-Fläche bündeln sehr interessante Dienstleister, die auch für kleinere Händler Spannendes zu bieten haben.

Immer mehr Pure Player treibt es auf die Fläche. Schlägt sich das auch bei den Besuchern nieder? Welche Erwartungen dürften Mitarbeiter von Pure Playern an die Messe haben?

Ja, denn auch die „ehemaligen“ Pure Player zählen inzwischen zur festen Besucherschaft der EuroCIS. Hinweis auf Omnichannel Forum, welches gerade für diese Zielgruppe interessant ist – und auf USP der EuroCIS als umfassendste Zukunftsplattform für Digitalisierung im Handel.

Neu ist eine spezielle Präsentationsfläche für Start-ups. Was bringt der „Start-up-hub“?

Start-up Unternehmen sind jung, kreativ, flexibel, zukunftsorientiert und zeichnen sich insbesondere durch innovative Problemlösungen aus. Gerade Start-ups gelingt es, die Welt der Retail Technology mit neuer Energie zu versorgen. Umgekehrt ermöglichen wir mit dem Start-up-hub auch Newcomern, sich auf einer hochkarätigen Plattform den Entscheidern des Handels präsentieren zu können. Sie erhalten nicht nur eine eigene Standfläche innerhalb des Hubs, sondern auch Redeslots im Omnichannel Forum, um ihre Entwicklungen zu erläutern. Darüber hinaus geben wir den Start-ups schon jetzt vorab die Gelegenheit, ihre EuroCIS Teilnahme mit einem kurzen Videoclip auf eurocis.com zu teasern.



Die EuroCIS widmet sich seit Jahren dem Omnichannel. Was sind für Sie hier die Top-Themen für 2018?

Mobile, Analytics und Cloud sind weitere Kernthemen, aber auch Zukunftsthemen wie Künstliche Intelligenz und IoT werden sich deutlich bemerkbar machen. Daneben natürlich neue Payment-Themen und alles rund um den digitalen Store.

Und welche Trends werden bislang unterschätzt?

Ich denke Robotics und IoT, hier wird in den nächsten Jahren vieles passieren, was auch für den Handel von hoher Relevanz sein wird.

Welchen Tipp geben Sie einem Händler, der völlig begeistert von der Demonstration all der Touchscreen-Monitore, VR-Brillen und interaktiven Spiegel, zurück ins Geschäft kommt und mit digitalen Technologien durchstarten will.

Gut durchdenken, welche Lösungen wirklich für die eigene Zielgruppe relevant sind und etwas wählen, dass sich auch mit relativ einfachen Mitteln umsetzen lässt. Bei der Dienstleisterwahl sollte darauf geachtet werden, dass auch wirklich das Commitment für ein Projekt mit einem kleinen Händler vorhanden ist und die notwendigen und qualifizierten personellen Ressourcen abgestellt werden können. Und dann: Ausprobieren und den eigenen Kunden gut zuhören!

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