Paukenschlag in Düsseldorf: Nach dem angekündigten Weggang des Metro-Vorstandsvorsitzenden Eckhard Cordes räumt nun auch Aufsichtsratschef Jürgen Kluge seinen Posten.

"Jeden Montag eine neue Welt", lautet das aktuelle Motto beim größten deutschen Handelskonzern: Der Chef des Metro-Aufsichtsrates, Jürgen Kluge, legt sein Amt nieder. Dies teilte der Duisburger Haniel-Konzern, größter Einzelaktionär der Metro, heute in einer Presseerklärung mit.

"Nach den Auseinander­setzungen um die Führung der Metro AG ist es jetzt Zeit für einen echten Neuanfang", sagte Kluge. Mit seinem Rückzug aus dem Kontrollgremium wolle er dafür sorgen, dass die Sacharbeit an der Spitze des Konzerns wieder in den Mittelpunkt rückt.

"Die öffentliche Diskussion um die Führung der Metro hat die Atmosphäre beeinträchtigt. Ich bin davon überzeugt, dass persönliche Befindlichkeiten hinter die Interessen des Unternehmens zurücktreten müssen und möchte mit diesem Schritt neuen Freiraum schaffen", erklärt der Haniel-Chef weiter.

Zerschlagenes Porzellan

Kluge werde aber noch die Sitzung des Kontrollgremiums Anfang November leiten. Einen Nachfolger für den Metro-Vorstandsvorsitzenden Eckhard Cordes, der vergangenen Montag überraschend erklärte, nicht mehr für eine Vertragsverlängerung zur Verfügung zu stehen, konnte Kluge noch nicht benennen.

Der ehemalige McKinsey-Deutschlandchef war zuletzt zunehmend in die Kritik geraten, weil er sich neben dem Streit mit Metro-Chef Cordes auch öffentliche Auseinandersetzungen um die Unternehmensstrategie mit dem ehemaligen Celesio-Chef Fritz Oesterle lieferte. Die Bilanz von Kluge als Haniel-Vorstand besteht somit vor allem aus unerfüllten Ankündigungen und zerschlagenem Porzellan.

Als Nachfolger für Prof. Dr. Kluge als Mitglied des Aufsichtsrats hat die Familie Haniel dem Vorstand der Metro AG vorgeschlagen "unter Beachtung der Mitwirkungsrechte des Aufsichtsrats", die gerichtliche Bestellung von Franz Markus Haniel zu beantragen, heißt es in einer Presserklärung der Metro zum Rückzug von Kluge.

dpa, DH