Der neue Metro-Chef macht es spannend. Seit dem Stopp des Kaufhof- Verkaufs im Januar hält sich Olaf Koch bedeckt. Was sind seine Pläne und Schwerpunkte? Bei der Bilanzvorlage am kommenden Dienstag muss er Farbe bekennen.

Was wird aus der Warenhauskette Kaufhof nach dem geplatzten Verkauf? Welche Veränderungen stehen beim Sorgenkind Real an? Gelingt den Elektronikketten Media Markt und Saturn die Aufholjagd im Internet? Wann kommt Ruhe in die Großhandelssparte C&C?

Wenn Olaf Koch am kommenden Dienstag die Bilanz 2011 des größten deutschen Handelskonzerns Metro vorlegt, ist das nicht nur für die Aktionäre und Analysten von Interesse. Auch für die weltweit rund 280.000 Mitarbeiter des Konzerns dürfte das ein spannender Tag werden. Der neue Vorstandschef verkündet erstmals seine Strategie.

Eigene Akzente vom Benjamin unter den Dax-Vorständen erwartet

Branchenbeobachter gehen davon aus, dass Koch keine völlig neue Strategie präsentieren wird, aber eigene Akzente setzt. So werde nach zwei Jahren des harten Sparens der Umsatz wieder in den Vordergrund rücken, schreibt die Bank Santander. Koch habe dies vor Analysten bereits angekündigt. Um den Umsatz wieder anzukurbeln, wolle er auch Preise senken, etwa bei Media Markt und Saturn. Die Bank Barclays geht davon aus, dass Kaufhof auch unter Koch nicht zum Kerngeschäft zählt und die Warenhauskette irgendwann doch noch verkauft wird.

"Er wird den harten Weg des Konzernumbaus und der Ergebnisverbesserung fortsetzen müssen", schätzt die stellvertretende Hauptgeschäftsführerin der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, Jella Benner-Heinacher. Für einen Verkauf müsse die Warenhaustochter Kaufhof offenbar noch hübscher gemacht werden.

Die Metro sei zwar kein Sanierungsfall, habe aber viele Baustellen. "In diesem Konzern gibt es jede Menge Verbesserungsbedarf." Das gelte für Media Markt / Saturn, Real und Teile der Metro-Großhandelstochter.

Kein Sanierungsfall, aber viele offene Baustellen

Als bisheriger Finanzvorstand kennt Koch die Schwachstellen genau. Als er 2009 von seinem Amtsvorgänger Eckhard Cordes zur Metro geholt wurde, trieb Koch das Sparprogramm "Shape 2013" voran. Weltweit wurden in den vergangenen Jahren etwa 19.000 Arbeitsplätze gestrichen und etwa ebenso viele an einer anderen Stelle wieder aufgebaut. Mit dem harten Sparkurs verschaffte sich der Zahlenmensch Koch keine Sympathien bei Arbeitnehmervertretern. Nur knapp - mit dem Ticket der Kapitalseite des Aufsichtsrates - gelang ihm der Sprung auf den Chefsessel.

Der 41-Jährige, der der jüngste Chef eines Dax-Unternehmens ist, startete im Januar gleich mit einem großen Paukenschlag: Gerade einmal 17 Tage im Amt, legte Koch den Kaufhof-Verkauf auf Eis, an dem sein Amtsvorgänger jahrelang mit Nachdruck gearbeitet hatte. Als Grund für den Stopp führte Koch damals die Unsicherheiten an den Kapitalmärkten und das Potenzial der Warenhauskette an. Damit wurde auch ein möglicher Verkauf der Kaufhof-Schwester Real, über den immer wieder mal spekuliert wurde, unwahrscheinlich.

Koch wird nach den bisherigen Vorzeichen für das Geschäftsjahr 2011 keine mit Rekorden gespickte Konzernbilanz vorlegen können. Die europäische Schuldenkrise, Währungseffekte und zurückhaltende Verbraucher haben Spuren hinterlassen.

Anfang Dezember veröffentlichte der Düsseldorfer Konzern eine Gewinnwarnung: Sowohl der Umsatz als auch das bereinigte operative Ergebnis könnten 2011 leicht hinter den Vorjahreswerten zurückbleiben. Die Analysten gehen davon aus, dass auch unter dem Strich der Gewinn gesunken ist.