An diesem Dienstag wird der neue Vorstandsvorsitzende Olaf Koch erstmalig die Quartalszahlen der Metro Group AG präsentieren. Auf den Benjamin unter den Dax-Vorständen warten viele Baustellen - nicht nur im Internet.

Der Handelsriese Metro eröffnet jedes Jahr etwa 100 neue Filialen. Die Jüngste ist allerdings nicht wie die meisten anderen in Asien oder Osteuropa zu finden, sondern im Internet. Die Tochter Media Markt startete an diesem Montag ihren Onlineshop.

Nachdem die Schwester Saturn im Oktober elektronische Warenkörbe bereitstellte, bieten Europas führende Elektronikketten den deutschen Konsumenten auch im Internet Waren zum Kauf an.

Der neue Metro-Vorstandschef kann damit ein lang diskutiertes Projekt abhaken. Viele andere Baustellen aber bleiben. Koch gibt an diesem Dienstag erste Umsatzzahlen für 2011 bekannt.

"Kein Geschäftsmodell der Welt ist für die Ewigkeit."

"Kein Geschäftsmodell der Welt ist für die Ewigkeit" - mit diesen Worten kommentierte Koch als damaliger Metro-Finanzvorstand die Neuausrichtung von Media-Saturn vor einem halben Jahr. Angesichts der wachsenden Billigkonkurrenz aus dem Internet waren die Marktführer zu Preissenkungen gezwungen.

Diese Senkungen und die Ausgaben für den Aufbau des Online-Geschäftes führten im zweiten Quartal 2011 sogar zu roten Zahlen bei Media-Saturn. Das war der erste Quartalsverlust der beiden Elektronikketten seit Jahrzehnten. Um die Kosten dauerhaft zu senken, strich Media-Saturn 2011 europaweit 3.000 Arbeitsplätze.

Mit ihrer Online-Offensive sei Media-Saturn spät dran, räumte Koch damals ein. Im Detail bieten die beiden Ketten etwa 2.500 Artikel in ihrem Online-Shops und ihren Märkten zum gleichen Preis an. Ein Hindernis war bisher, dass die rechtlich selbstständigen Media-Märkte alle Preise selbst festlegten - je nach der Konkurrenzsituation vor Ort.

Vom Wachstum des Internethandels profitieren

Komplettiert wird der Netzauftritt der Elektroniktöchter mit dem reinen Internetanbieter Redcoon, den die Metro 2011 hinzugekauft hat. Auch die Metro-Konzerntöchter Real und Kaufhof wollen mit ihren eigenen Online-Shops vom starken Wachstum des Internethandels profitieren.

Der neue Konzernchef hat an diesem Dienstag mit der Bekanntgabe der vorläufigen Umsatzzahlen 2011 einen schweren Einstand. Nur wenige Wochen nach dem Start des wichtigen Weihnachtsgeschäfts schockte die Metro AG die Börse mit einer Gewinnwarnung. Umsatz und das bereinigte operative Konzernergebnis könnten 2011 leicht unter Vorjahresniveau ausfallen, teilte die Metro Anfang Dezember mit.

Zu den hausgemachten Problemen der beiden Elektronikketten Media Markt und Saturn, die die zweitstärkste Gewinnquelle nach den Metro-Großhandelsmärkten im Düsseldorfer Konzern sind, kam die schwache Konjunktur in vielen Teilen Europas hinzu. Analysten befürchten nun, dass es die Metro AG auch im laufenden Jahr - für das die Konjunkturaussichten nicht rosig sind - schwer haben könnte.

Auftrumpfen könnte Koch, wenn es ihm gelingt, die Warenhaustochter Kaufhof gewinnbringend zu versilbern. Mehrere Kaufofferten liegen ihm vor. Gute Chancen haben der Karstadt-Besitzer Nicolas Berggruen, der mit dem Finanzinvestor Blackstone ein Konsortium bildet, und die österreichische Immobilienfirma Signa. Nachdem die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Wien gegen Signa-Chef René Benko wegen Geldwäsche vergangene Woche offiziell eingestellt wurden, sind dessen Chancen wieder gestiegen.

Unklar ist zudem die Zukunft der Lebensmittelkette Real. Nach den Angaben von Koch-Vorgänger Eckhard Cordes besitzt der Vorstand für sie mehrere Optionen, darunter auch die eines Verkaufs.

Olaf Koch, der Benjamin unter den Dax-Vorständen

Unter den Vorstandschefs der Dax-Konzerne ist Olaf Koch der Benjamin. Er rückt mit 41 Jahren an die Spitze von Deutschlands größtem Handelskonzern. Ein unbeschriebenes Blatt ist er dennoch nicht: Zwei Jahre lang wachte er als Finanzvorstand über die Gelder der Metro Group, bereits in dieser Zeit liefen alle wichtigen Themen der Metro über seinen Schreibtisch.

Mit dem Aufstieg zum Vorstandschef tritt der eher zurückhaltende Manager aus dem Schatten seines Förderers Eckhard Cordes heraus, der Metro Ende 2011 verlassen hat. Koch und Cordes kannten sich aus ihrer gemeinsamen Zeit beim Autobauer Daimler. Als Cordes im Jahr 2005 im Rennen um den Daimler-Vorstandsvorsitz den Kürzeren zog und den Stuttgarter Konzern verließ, blieb Koch zwei weitere Jahre an Bord.

2007 wechselte der Diplom-Betriebswirt zum Finanzinvestor Permira, bei dem er unter anderem den Modekonzern Hugo Boss betreute. Als er 2009 von Cordes zur Metro geholt wurde, trieb Koch das Sparprogramm "Shape 2013" voran. Durch Einsparungen und neue Strukturen wird der Konzern auf Rendite getrimmt. Weltweit wurden etwa 19.000 Stellen gestrichen, ebenso viele an einer anderen Stelle wieder aufgebaut.

Als Cordes im Sommer 2011 unter Beschuss geriet und im Oktober nach wochenlangen Querelen um eine weitere Amtszeit seinen Rückzug ankündigte, schlug die Stunde des gebürtigen Hessen.

Der Liebhaber von Indie-Rock und Vater von drei Kindern schaffte es mit dem Ticket der Kapitalseite an die Konzernspitze. Bei der Abstimmung im Aufsichtsrat im November gab es nur eine Stimme Mehrheit für ihn, Arbeitnehmervertretern wäre ein Handelsexperte lieber gewesen.

dpa, DH