Spekulationen über einen Verkauf der Metro-Tochter Real gibt es immer wieder. Unbestätigten Informationen zufolge spricht Metro mit Interessenten für das Auslandsgeschäft. Entschieden ist aber nichts.

Der Handelskonzern Metro spricht mit Interessenten über einen Verkauf des Auslandsgeschäftes seiner SB-Warenhaus-Tochter Real. Konkret gehe es um die Märkte in Osteuropa und der Türkei, wie die Nachrichtenagenturen dpa und dpa-AFX erfuhren.

Gesprochen werde mit "einer Handvoll Interessenten". Der Ausgang der Verhandlungen sei aber noch offen. Die Metro wollte die Informationen nicht kommentieren und sprach von Marktgerüchten.

Die Aktie des Konzerns, die als Abstiegskandidat aus dem Leitindex Dax gehandelt wird, legte am Donnerstag kräftig zu. Zuletzt kostete sie 24,77 Euro und damit über vier Prozent mehr als am Vortag.

Osteuropa und Türkei im Gespräch

Marktteilnehmer sahen in den Verkaufsgerüchten einen Kurstreiber. Ein Analyst gab aber zu bedenken, dass es sich nur um Gespräche handle und eine Transaktion ungewiss sei. Zudem dürfte auch der Wettbewerber Carrefour sein Polen-Geschäft abstoßen, das über bessere Standorte verfüge. Die Anzahl der Verkäufer nehme also zu.

Real ist die drittgrößte Tochter im Metro-Konzern, zu dem auch der Großhandel für Gewerbetreibende (Metro Cash & Carry), die Elektronikketten Media Markt und Saturn sowie die Kaufhof-Warenhäuser gehören.

Von den 426 Real-Märkten befinden sich 110 Märkte in Polen, Rumänien, Russland, der Türkei und der Ukraine. 2011 arbeiteten dort 23.700 Menschen, der Umsatz lag in diesen Ländern bei knapp drei Milliarden Euro.

Spekulationen um Real gibt es seit längerem. Schon der Ende 2011 ausgeschiedene Metro-Chef Eckhard Cordes hatte versucht, die Kette zu veräußern. Finanzkreisen zufolge hatte es im vergangenen Jahr auch Gespräche über einen Komplett-Verkauf von Real gegeben, die aber nicht zum Ziel führten.

Der seit Januar amtierende Nachfolger von Cordes, Olaf Koch, will bis Ende des Jahres entscheiden, wie es mit Real weitergeht, denn für die Kette stehen wichtige Investitionen an. Nach außen betont die Metro stets, dass es verschiedene Möglichkeiten für das Unternehmen gibt: Verbleib im Metro-Verbund, Teilverkauf oder vollständige Abgabe.

Ein Sorgenkind mit "Rendite-Potenzial"

Real war lange Zeit Sorgenkind im Konzern und wurde über mehrere Jahre restrukturiert. Insbesondere das Deutschland-Geschäft lief schwach. Inzwischen stehen die heimischen Märkte wieder besser da und verbuchten im ersten Halbjahr 2012 ein kleines Umsatzplus, auch das Ergebnis legte zu.

"Real ist wieder ein Geschäft mit Potenzial, das mittelfristig die angepeilte Rendite von zwei bis drei Prozent erzielen kann", betonte die Metro am Donnerstag. "Deshalb ist unsere Priorität bei Real, das Geschäft weiterzuentwickeln und das vorhandene Entwicklungspotenzial zu heben."

Mit einer Trennung von Real könnte sich die Metro Luft verschaffen, um sich auf die Weiterentwicklung ihrer wichtigsten Sparte, des Großhandels, zu konzentrieren. Auch bei der Tochter Media-Saturn, die wegen der Konkurrenz der Onlinehändler unter Zugzwang steht, gibt es Handlungsbedarf. Nicht mehr zum Kerngeschäft zählt bereits seit Jahren der Kaufhof, dessen Verkauf aber derzeit auf Eis liegt.