Der Handelskonzern Metro will schon bald Gespräche mit der Politik führen, um die Fusion von Kaufhof und Karstadt einzuleiten. Arcandor-Chef Eick spricht von einem taktischen Manöver.

Metro hat einen Vorstoß zur Zusammenlegung der Warenhausketten Karstadt und Kaufhof gestartet. "Wir erwarten, dass es in den nächsten Tagen Gespräche mit der Politik gibt", sagte ein Metro-Sprecher am Montag in Düsseldorf.

Er bestätigte, dass sich Konzernchef Eckhard Cordes mit einem Brief bereits an Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) gewandt hat. Es gehe darum, das Warenhaussegment in Deutschland zukunftsfest zu machen und Arbeitsplätze zu sichern.

Verdi befürchtet Schließung von Filialen

Bislang sei völlig unklar, welche Pläne der Kaufhof-Eigentümer Metro bei einem möglichen Zusammenschluss mit dem Essener Konkurrenten verfolge, sagte eine Sprecherin der Gewerkschaft Verdi in Berlin. Es sei jedoch zu befürchten, dass es zu Standortschließungen und zum Abbau von Arbeitsplätzen komme.

Die Kölner Warenhaustochter Kaufhof zählt nicht mehr zum Kerngeschäft des Düsseldorfer Konzerns. Metro hatte den Verkaufsprozess für Kaufhof 2008 angesichts der Finanzmarktkrise jedoch gar nicht erst begonnen.

Auf der Metro-Hauptversammlung am vergangenen Mittwoch hatte der Chef von Deutschlands größtem Handelskonzern noch jeder Spekulation über einen Zusammenschluss von Kaufhof und Karstadt eine Absage erteilt.

In Essen spricht man von einem politischen Störfeuer

Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick zeigte sich gegenüber der Süddeutschen Zeitung (SZ) dementsprechend verwundert über den plötzlichen Vorstoß der Konkurrenz auf politischer Bühne: "Bisher hat sich bei mir niemand gemeldet. Geschweige denn, dass uns ein Konzept vorliegt", sagte Eick im Gespräch mit der SZ. Der Vorstandsvorsitzende des Essener Handels- und Touristikkonzern geht von einem rein taktisch motivierten Manöver der Düsseldorfer aus.

Zudem wehrt sich Eick gegen das von Cordes vorgeschlagene Modell einer Fusion der beiden Warenhaus-Sparten bei der Arcandor sämtlichen Einfluss auf die Karstadt-Häuser verlieren würde. "Nach den von uns angestellten Bewertungen lautet das Kräfteverhältnis allenfalls ein Drittel zu zwei Drittel, wenn nicht sogar 50 zu 50", sagte Eick gegenüber der Zeitung.

Kommt die "Deutsche Warenhaus AG"?

Karstadt unterhält zurzeit 121 Filialen in Deutschland. Die insgesamt 247 Warenhäuser von Karstadt und Kaufhof könnten in einer „Deutschen Warenhaus AG" zusammengeführt werden. An der Holding sollen sich nach den Vorstellungen von Eckhard Cordes die Metro-Gruppe und die Vermieter der Warenhaus-Immobilien mit je knapp 50 Prozent beteiligen. Den Rest würden Banken übernehmen.

Der in finanzielle Not geratene Arcandor-Konzern braucht dringend Geld und muss bis Mitte Juni Gespräche mit seinen Gläubigerbanken um die Verlängerung von Krediten unter Dach und Fach bringen.

Allein in diesem Jahr muss der Konzern 960 Millionen Euro refinanzieren. In dieser Woche will Arcandor beim Staat eine Bürgschaft über 650 Millionen Euro beantragen und zudem die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) um ein Darlehen ersuchen.

dpa, DH