Hinter Metro liegen schwierige Jahre. Doch nun ist Kaufhof abgestoßen, bei Media-Saturn steigen die Umsätze - auch das digitale Geschäft wird forciert. Konzernchef Olaf Koch spricht von guten Zeiten.

Licht und Schatten liegen zurzeit beim Düsseldorfer Handelsriesen Metro dicht beieinander. Nachdem der Kaufhof-Verkauf Milliarden in die Kassen gespült hat, hat der Konzern nach Jahren des Sparens endlich wieder Spielraum für Zukäufe, für die Modernisierung der Töchter und die Expansion in neue Länder. Doch die Herausforderungen sind groß: vom Problemmarkt Russland über die Tücken des digitalen Wandels bis zum Preiskampf im Lebensmittelhandel.

"Wir glauben die Möglichkeiten, die Metro weiterzuentwickeln, sind besser als je zuvor", sagte Vorstandschef Olaf Koch am Dienstag in Düsseldorf. Unter seiner Leitung hat die Metro ihre Verschuldung in den vergangenen drei Jahren um mehr als 5 Milliarden Euro auf "nur" noch 2,5 Milliarden Euro gesenkt und das Geschäftsmodell verschlankt.

Genug geschrumpft

Das Osteuropa-Geschäft der SB-Warenhauskette Real wurde verkauft, die Großhandelssparte Cash & Carry hat sich aus einer ganzen Reihe von Märkten zurückgezogen und in diesem Jahr wurde schließlich die Warenhaustochter Kaufhof nach vielen vergeblichen Anläufen losgeschlagen. Doch mit dem Schrumpfen soll es jetzt vorbei sein.

"Wir haben den Schalter wieder auf Wachstum umgestellt", sagte Koch. Deutlich sichtbar ist das schon bei den Elektronikketten Media-Markt und Saturn, die im vergangenen Jahr ihren Umsatz um 3,6 Prozent steigern konnten. Doch war es die einzige Metro-Tochter, die Zuwächse erzielte. Bei den Großmärkten verhagelte der schwache Rubel das Geschäft. Real machte der harte Preiswettbewerb auf dem deutschen Markt zu schaffen.

Mit 15 Start-ups in die digitale Zukunft

Um den "Tanker Metro" fit für die digitale Zukunft zu machen, sucht Koch nun den Schulterschluss mit Start-ups, die für die Kundengruppen des Konzerns vom Hotelbetreiber bis zum Media-Markt-Besucher neuartige Servicelösungen bieten sollen.

Insgesamt 15 Start-ups hat die Metro inzwischen unter ihre Fittiche genommen: von einer Concierge-App, die es Hotelgästen über Sprachgrenzen hinweg ermöglicht, dem Hotel per Smartphone ihre Wünsche mitzuteilen, bis zur Technikberatung für den  Verbraucher im Internet.

Kostenfalle bei Real

Einen dreistelligen Millionenbetrag will Koch auch in die Hand nehmen, um die Real aufzumöbeln. Bedingung ist allerdings, dass auch die Arbeitnehmer Zugeständnisse machen. Bei Real hängt der Haussegen schief, seitdem das Unternehmen im Sommer aus der Tarifbindung ausstieg. Auch im Weihnachtsgeschäft wurde deshalb gestreikt. Koch verteidigt jedoch den Schritt: "Wir mussten aus dem Tarif aussteigen, weil wir faktisch Kostennachteile von bis zu 30 Prozent zu Konkurrenz haben." Der Konzern brauche eine konstruktive Lösung, wenn Real weiterentwickelt werden solle. Streiks im Weihnachtsgeschäft seien da nicht hilfreich.

Frischen Wind verspricht er auch für die Großhandelstochter Cash & Carry. Spätestens 2017 will Koch wieder in neue Länder expandieren.

Skepsis für das Geschäftsmodell

Doch gibt es auch Branchenkenner, die große Teile des Metro-Geschäftsmodells für überholt halten. So urteilte kürzlich das US-Investmenthaus Redburn, das Großhandelsgeschäft habe wenig Zukunftspotenzial, da das schnelle Wachstum des Internethandels in den Schwellenländer das auf stationären Läden basierende Metro-Geschäftsmodell massiv bedrohe.

Auch der Erfolg der Elektronikketten sei gefährdet, wenn sich der Smartphone-Boom - wie erwartet - abschwäche. Die Börse konnten solche Unkenrufe am Dienstag allerdings nicht beeindrucken. Der Wert der Metro-Stammaktie stieg bis zum frühen Nachmittag um rund zwei Prozent.