Der Handelskonzern Metro musste in den ersten drei Monaten einen deutlichen Gewinnrückgang hinnehmen. Unternehmenschef Eckhard Cordes hat trotzdem eine "Trendverbesserung" ausgemacht.

Foto: Metro Group AG
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Deutschlands größter Handelskonzern hat im ersten Quartal einen deutlichen Gewinnrückgang verzeichnet. Belastend auf Umsatz und Ergebnis wirkte jedoch eine Reihe von Sonderfaktoren, etwa die Verschiebung des Ostergeschäftes in das zweite Quartal, ein fehlender Verkaufstag gegenüber dem Schaltjahr 2008 und die abnehmende Inflation bei Lebensmitteln.

Deutlich zu spüren bekam der Konzern zudem negative Währungseffekte in Osteuropa. In das erste Quartal eingestellt wurden auch erste Kosten für das Effizienzprogramm "Shape 2012".

"Ordentliches Quartal"

So wies Metro unter dem Strich einen ausgeweiteten Nettoverlust nach Minderheiten von 100 (15) Millionen Euro aus. Auf operativer Ebene sank das EBIT auf 51 (166) Millionen Euro; bereinigt um Sondereffekte aus "Shape 2012" von 33 Millionen Euro verblieben beim EBIT 84 Millionen Euro.

Der Umsatz sank in den ersten drei Monaten nominal um 2,5 Prozent auf 15,2 Milliarden Euro. Bereinigt um Kalender- und Währungseffekte erzielte der Düsseldorfer Konzern ein Plus von 3,6 Prozent. Wegen der Sonderfaktoren misst Metro dem ersten Quartal eine geringe Aussagekraft für das Gesamtjahr bei. Der Vorstandsvorsitzende Eckhard Cordes nannte die ersten drei Monate ein "ordentliches Quartal ohne Überraschungen".

Kein Ausblick für 2009

Der April habe eine positive Geschäftsentwicklung gezeigt. Das Ostergeschäft sei insgesamt zufriedenstellend verlaufen, Umsatz- und Ergebnisentwicklung hätten laut Cordes eine "spürbare Trendverbesserung" gezeigt. Das EBIT habe in dem Monat nach vorläufigen Zahlen über Vorjahr gelegen.

Einen detaillierten Ausblick auf das laufende Jahr gab Metro erneut nicht. Dies sei wegen des hohen Maßes an Unsicherheit über die wirtschaftliche Entwicklung nicht möglich. Die Mittelfristprognose eines Umsatzwachstums von mehr als 6 Prozent sowie eines EBIT vor Sonderfaktoren von mehr als 8 Prozent wurde bekräftigt.

Negative Umsatzentwicklung erwartet

Im laufenden Jahr werde die Umsatzentwicklung wegen des Konjunkturabschwungs sowie negativer Währungseffekte deutlich unterhalb der mittelfristig angestrebten Wachstumsprognose liegen, wiederholte Metro frühere Aussagen. Dies werde auch das Ergebnis beeinflussen.

Nach Segmenten wies Metro für die größte Tochter Cash & Carry ein Umsatzminus von 6,4 Prozent auf sieben Milliarden Euro aus. Bereinigt um Währungseffekte betrug der Rückgang 1,8 Prozent. In Deutschland verringerten sich die Erlöse um 5,3 Prozent. Das EBIT vor Sonderfaktoren sank auf elf (70) Millionen Euro, herausgerechnet wurden erste Aufwendungen für "Shape 2012" von ebenfalls elf Millionen Euro, die im Wesentlichen in Deutschland anfielen.

Problemfall Cash & Carry-Geschäft

Cordes nannte die Geschäftsentwicklung "nicht zufriedenstellend". Es herrsche akuter Bedarf, das Cash & Carry-Segment in Deutschland "konsequent" zu restrukturieren. An dieser Aufgabe arbeite der Vorstand "mit Hochdruck". Neue Geschäftsfelder liegen in Osteuropa.

Das Geschäft bei Real entwickelte sich den Angaben zufolge nahezu stabil. Wechselkursbereinigt verzeichneten die SB-Warenhäuser ein Umsatzminus von 0,6 Prozent. Insgesamt gingen die Erlöse um 4,9 Prozent auf 2,6 Milliarden Euro zurück. Insbesondere wegen des fehlenden Ostergeschäftes wies Real mit minus 56 (minus 43) Millionen Euro einen höheren EBIT-Verlust aus.

Elektronikmärkte sind robust

Das Elektronikgeschäft von Media Markt und Saturn hingegen präsentierte sich robust und erzielte ein Umsatzwachstum von 6,4 Prozent auf 4,6 Millarden Euro. Währungsbereinigt wären es sogar plus 8,4 Prozent gewesen.

Auf vergleichbarer Fläche stiegen die Erlöse um 1,3 Prozent. Stark zeigte sich Deutschland, hier erzielte Metro ein Plus von 11,7 Prozent. Operativ verbesserte sich das EBIT auf 79 (75) Millionen Euro.

Kaufhof verliert weiter

Galeria Kaufhof konnte sich den Angaben zufolge zumindest teilweise vom rückläufigen Textilmarkt in Deutschland abkoppeln. Das Marktumfeld nannte Metro jedoch weiter "äußerst schwierig". Vor allem wegen der Kalendereffekte sanken die Umsätze um 3,8 Prozent auf 792 Millionen Euro.

Das EBIT verschlechterte sich auf minus 47 (minus 20) Millonen Euro. Bereinigt um Aufwendungen von "Shape 2012", vor allem für die Straffung des Filialnetzes, lag der operative Verlust bei 28 Millionen Euro.

Das neu geschaffene Segment Immobilien wies ein EBIT von 132 (123) Millionen Euro aus. Dabei handelt es sich im Wesentlichen um Erträge aus Mietverhältnissen mit den Vertriebslinien der Metro.

Vorerst keine Karstadt-Kaufhof-Hochzeit

Kein Thema sei indes ein mögliches Zusammengehen der beiden großen Warenhausketten Kaufhof und Karstadt. Die Frage stelle sich nicht, zumindest zum jetzigen Zeitpunkt nicht, sagte Cordes.

Zwar treffe er den neuen Chef des Karstadt-Mutterkonzerns Arcandor, Karl-Gerhard Eick, gelegentlich auf Veranstaltungen. Aber Gespräche in diesem Sinne gebe es nicht. Cordes machte gleichzeitig aber auch deutlich, dass weiter in den Kaufhof investiert werde, auch wenn die Kölner Tochter nicht mehr zum Kerngeschäft der Metro gehöre.


Dow Jones/dpa