Trotz Konjunkturflaute, frühem Ostergeschäft und Streiks im Einzelhandel hat die Metro Group im ersten Halbjahr schwarze Zahlen erkämpft. Konzernchef Koch ist optimistisch für das Restjahr.

Galeria Kaufhof ist für ein "Musterschüler", MediaSaturn hat "kein Interesse an Promarkt-Standorten" und Metro Cash&Carry "wirft die Ladenhüter aus dem Regal". Die Metro AG hielt im ersten Halbjahr 2013 seinen Umsatz in den fortlaufenden Geschäften stabil und der Vorstandsvorsitzende Olaf Koch ist trotz des "schwierigen Marktumfelds" zumindest mit den Fortschritten der einzelnen Handelstöchter im Großen und Ganzen zufrieden, wie er heute in einer Telefon-Pressekonferenz zu den Finanzkennzahlen der ersten beiden Quartale 2013 mitteilte.

"Die verfügbaren Einkommen und die Kaufkraft unserer Kunden waren nahezu überall in Europa durch staatliche Sparmaßnahmen weiterhin belastet", sagte Koch. "Trotzdem haben wir unsere Bilanz weiter deutlich gestärkt und insgesamt eine positive Geschäftsentwicklung erzielt. Auch deshalb sind wir unverändert überzeugt davon, dass wir die für das Rumpfgeschäftsjahr angepeilte Umsatz- und Ergebnisprognose erreichen können."

Umsatzminus 2,3 Prozent

Von Januar bis Juni 2013 erzielte die Metro Group einen Umsatz von 30,8 Milliarden Euro, das entspricht einem Rückgang um 2,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Dass der Umsatz letztlich mit einem Plus von 0,1 Prozent konstant gehalten werden konnte, lag an der "bereits vollzogenen und angekündigten Portfolioänderungen", sprich beispielsweise dem Verkauf von Auslandstöchtern wie Makro Cash & Carry im Vereinigten Königreich, Real Osteuropa und Media Markt China.

Im zweiten Quartal sank der Umsatz der Handelsgruppe um 3,6 Prozent auf 15,3 Milliarden Euro, in Deutschland um 2,4 Prozent auf 5,8 Milliarden Euro. Der Umsatz der Metro Group ging hier im ersten Halbjahr 2013 um 0,7 Prozent auf 11,9 Milliarden Euro zurück.

Im operativen Geschäft (Ebit) sank der Gewinn der Metro Group vor Sonderfaktoren von April bis Juni von 315 Millionen Euro auf 276 Millionen Euro. Neben Umsatzrückgängen machte Koch dafür auch Preisoffensiven verantwortlich.

Real litt unter Ostern

Der Umsatz der SB-Warenhaustochter Real sank im ersten Halbjahr 2013 um 6,2 Prozent auf 5 Milliarden Euro. "Dieser Rückgang ist insbesondere durch die Veräußerung von Real in Russland und in der Ukraine bedingt", erklärte Koch. Adjustiert um diese beiden Länder verringere sich der Umsatz "nur" um 2,8 Prozent. In Deutschland sank der Umsatz im 1. Halbjahr 2013 um 1,4 Prozent auf 3,9 Milliarden Euro: "Im zweiten Quartal machte sich das frühere Ostergeschäft bemerkbar und führte zu entsprechenden Umsatzrückgängen", erläuterte der Konzernchef. "Zudem wirkten sich weitere Preisinvestitionen sowie Streikaktivitäten aus."

Das operative Ergebnis sei hingegen deutlich auf 83 Millionen Euro gestiegen, nachdem es im ersten Halbjahr 2012 noch bei minus 4 Millionen Euro lag: "Darin sind positive Sonderfaktoren in Höhe von 92 Millionen Euro enthalten, die vor allem aus dem Verkauf von Real Osteuropa resultieren", so der Metro-Chef. Das Ebit vor Sonderfaktoren habe minus 9 Millionen Euro betragen, im Vergleichszeitraum 2012  betrug das Minus 6 Millionen Euro.

MediaSaturn wartet auf nächstes Sport-Großereignis

Der Umsatz der Elektronik-Fachhandelstochter Media-Saturn stieg im ersten Halbjahr 2013 trotz eines "andauernd schwierigen Gesamtmarkts" (Koch) um 0,9 Prozent auf 9,6 Milliarden Euro. "Damit unterstreicht Media-Saturn seine führende Position in Europa und baut in vielen Ländern den Marktanteil weiter aus", ist der Konzernchef überzeugt.

Im zweiten Quartal sank der Umsatz leicht um 0,3 Prozent gegenüber "einer sehr hohen Vorjahresbasis"  zurück: "Im Vorjahr sorgte neben der Fußball-Europameisterschaft die Abschaltung der analogen Satellitenübertragung für einen erfolgreichen Verkauf von digitalen Satelliten-Set-Top-Boxen und Fernsehern mit integriertem, digitalem Satelliten-Empfänger", berichtete Koch.

Online kommt in Schwung

Das Onlinegeschäft hatte die Metro-Tochter lange verschlafen, doch jetzt zeigen sich offenbar erste Erfolge: Der Online-Umsatz von Media-Saturn, zu der auch der Onlineshop Redcoon zählt, stieg demnach im ersten Halbjahr 2013 um 76 Prozent auf 565 Millionen Euro und machte damit 5,9 Prozent des Gesamtumsatzes von Media-Saturn aus.

Im zweiten Quartal lag die Wachstumsrate sogar bei mehr als 90 Prozent Mehrkanalangebot. Das Produktangebot im Internet wurde weiter erhöht und umfasse nunmehr gut 13.000 Artikel bei Mediamarkt.de und fast 19.000 bei Saturn.de.

"Ich bin überzeugt, dass der größte Teil des Unterhaltungselektronik-Umsatzes im stationären Handel bleiben wird, aber das Mehrkanalangebot wird von den Kunden sehr gut angenommen", erläuterte Koch. "Die Multichannel-Umsätze überholen schon jetzt die reinen Online-Umsätze, und ich bin zufrieden, nein glücklich, dass so viele Onlinekunden als Selbstabholer in unsere Läden kommen. Die Abholrate liegt mit rund 40 Prozent weiterhin auf einem hohen Niveau."

An den Standorten der Rewe-Elektronikkette Promarkt hat MediaSaturn im Übrigen kein Interesse, stellte Koch auf Nachfrage klar.

Galeria Kaufhof ist ein "Musterschüler"

Der Umsatz der Warenhaustochter Galeria Kaufhof sank im ersten Halbjahr 2013 leicht um 1,3 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro; Flächenbereinigt lag der Umsatz jedoch um 0,8 Prozent über dem Vorjahreshalbjahr. "Obwohl die lang andauernde kalte Witterung zu einem Umsatzeinbruch im Textilmarkt führte, konnte Galeria Kaufhof weitere Marktanteile gewinnen", so Koch. "Auch das zweite Quartal verlief trotz der Osterverschiebung sehr positiv." Der modernisierte Internetauftritt zeigte weiterhin eine sehr positive Entwicklung, der Umsatz konnte sich mehr als verdoppeln.

In Deutschland sank der Umsatz von Galeria Kaufhof im ersten Halbjahr 2013 um 1,3 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro. "Dies ist auf Schließungen im Vorjahr zurückzuführen", erläuterte der Metro-Chef. Flächenbereinigt stieg der Umsatz um 0,9 Prozent. Auch im zweiten Quartal habe sich die positive Umsatzentwicklung trotz des fehlenden Ostergeschäfts, der ungünstigen Witterung und der Bestreikung zahlreicher Standorte fortgesetzt. "Nun zahlt sich unsere kundenorientierte, zielgruppenspezifische Neuausrichtung aus", ist Koch überzeugt. "Kurzfristig war das schmerzhaft, aber mittelfristig hat sich das gelohnt. Galeria Kaufhof ist ein regelrechter Musterschüler." Was einen Verkauf der Warenhauskette angehe, gehe die Metro behutsam vor: "Wenn der Preis und die langfristige Perspektive stimmt, ist ein Verkauf sinnvoll. Aber es muss alles passen."

Im zweiten Quartal erwirtschaftete Galeria Kaufhof mit einem operativen Ergebnis vor Sonderfaktoren in Höhe von 4 Millionen Euro ein positives Ergebnis und verbesserte sich damit gegenüber dem Vorjahresquartal "deutlich" um 3 Millionen Euro. "Neben einem höheren Warenergebnis durch einen besseren Margenmix ist der Anstieg auch auf ein weiter striktes Kostenmanagement zurückzuführen", so Koch.

Cash&Carry umwirbt Bäcker und Metzger

Der Umsatz der Großhandelstochter Metro Cash & Carry sank von Januar bis Juni 2013 um 2,9 Prozent auf 14,8 Milliarden Euro. Bereinigt um den Verkauf von Makro Cash & Carry in Großbritannien habe der Umsatz zwar nahezu das Vorjahresniveau erreicht. Das Ebit vor Sonderfaktoren betrug im ersten Halbjahr 2013 insgesamt 209 Millionen Euro, das waren 13 Millionen Euro weniger als im Vorjahreszeitraum.

In Deutschland sank der Umsatz im ersten Halbjahr 2013 um 4,6 Prozent auf 2,3 Milliarden Euro. Im zweiten Quartal machte sich dabei auch bei dem Großhändler das frühere Ostergeschäft bemerkbar und der Umsatz sank um 5,1 Prozent. "Dass die Umsätze rückläufig sind, ist inakzeptabel", so Koch. "Insbesondere der Umsatz mit Nicht-Lebensmitteln verlief unbefriedigend. Deshalb überarbeiten wir das Sortiment und reduzieren die Artikelzahl."

Vor allem die Ladenhüter wollen die Händler aus dem Sortiment werfen: "Von einem Warenbestand von einer Milliarde Euro lag ein Viertel länger als sechs Monate im Regal. Das sind 250 Millionen Euro", rechnete Koch vor. "Bis Ende September wollen wir diese Summe auf 170 Millionen drücken. Dabei sind wir auf gutem Kurs."

Außerdem will die Großhandelstochter im Lebensmittelbereich "kundenfokussierter" werden und hat 1.500 Artikel in aller Welt identifiziert, die für Kunden aus dem Bereich Hotel, Restaurant und Catering (HoReCa) relevant sind. "Davon wurden bis Ende Juni rund 300 Produkte neu in das Bestandssortiment aufgenommen", sagte Koch. "Weitere werden folgen." Außerdem will Metro nun auch verstärkt Metzger und Bäcker umwerben.