Der Mehrheitseigner der Otto Group, Michael Otto, hat den Versender groß gemacht und engagiert sich seit Jahrzehnten für Umwelt und Gesellschaft. An diesem Freitag wird er 70 Jahre alt.

Schon vor mehr als fünf Jahren hat sich Michael Otto von der Rolle des aktiven Konzernlenkers verabschiedet. Aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwunden ist der Aufsichtsratschef des weltweiten Handels- und Dienstleistungskonzerns Otto Group jedoch keineswegs: Immer wieder meldet er sich zu Wort, weniger zu den Angelegenheiten seines Familienkonzerns als mehr zu Umwelt-, Entwicklungs- und Bildungsthemen. Am heutigen Freitag wird er 70 Jahre alt.

Vor 16 Monaten starb sein Vater, der legendäre Unternehmensgründer Werner Otto, im Alter von 102 Jahren. Nun ist Michael Otto als sein ältester Nachkomme so etwas wie das Oberhaupt des verzweigten Otto-Clans.

Davon will er aber nichts hören. "Ich halte nichts von der Rolle des Patriarchen", sagt Otto bestimmt. Seine Zeit widmet er als "aktiver Aufsichtsratsvorsitzender" zum Teil dem Unternehmen, das sein Vertrauter Hans-Otto Schrader durch die Stürme und Untiefen des digitalen Zeitalters steuert.

Mehr aber noch widmet er sich seinen vielfältigen Initiativen, Stiftungen und Projekten, die vom Klimaschutz über die Förderung von Bildung, Kunst und Musik bis hin zu Entwicklungshilfe und Völkerverständigung reichen.

Nachhaltigkeit im Blick

Otto hat stets über den Tellerrand hinausgedacht und ist dabei auch angeeckt. "Unternehmer dürfen meiner Ansicht nach nicht nur an ihre Freiheit denken, sondern müssen sich auch ihrer Verantwortung für die Gesellschaft und für die Umwelt bewusst sein", sagt er.

Das war in den achtziger Jahren, als er an die Spitze der Otto Group trat, keineswegs allgemeiner Konsens unter den deutschen Unternehmern. Zumal Otto es nicht bei Worten beließ, sondern Umweltschutz als Unternehmensziel festlegte und auch konkrete Maßnahmen folgen ließ.

"Das galt zunächst als etwas exotisch", sagt er rückblickend. Inzwischen bemühen sich fast alle Unternehmen, nachhaltig, umweltfreundlich und sozial fair zu wirtschaften.

Gelassen trotz Zalando & Co.

Als Unternehmer hat Michael Otto den väterlichen Familienkonzern groß gemacht. In den 26 Jahren, die er an der Spitze stand, hat sich die Otto Group in der Größe etwa verfünffacht und neue Geschäftsfelder und Weltregionen erschlossen.

So entstand ein weltweiter Handels- und Dienstleistungskonzern mit heute fast 54.000 Beschäftigten. Konkurrenten wie Quelle und Neckermann blieben auf der Strecke, andere wurden aufgekauft und in den Otto-Konzern integriert.

Neue Wettbewerber wie Zalando können zwar imponierende Wachstumsraten vorzeigen, verdienen aber kein Geld. Otto ist für die Zukunft nicht bange. "Wir sind finanziell gut gerüstet", sagt er. "Im Mittelpunkt unserer Aktivitäten steht der Kunde; seinen Wünschen wollen wir entsprechen."

Die nächste Generation steht bereit

Offen bleibt, ob sein Sohn Benjamin einmal an die Spitze des Familienunternehmens tritt. "Im Augenblick ist Hans-Otto Schrader eine exzellente Besetzung", sagt der Aufsichtsratsvorsitzende. "Das wird bis zu seiner Pensionierung so bleiben."

Der 37-jährige Benjamin Otto, der zuvor ein eigenes Unternehmen aufgebaut hat, ist seit 2012 im Konzern und arbeitet an einem geheimen Großprojekt. "Ich übe keinen Druck auf meinen Sohn aus", sagt sein Vater. "Er entscheidet selbst, ob, wann und wie er den nächsten Schritt im Unternehmen machen möchte."

Eckart Gienke, dpa