Es klingt wie eine Satire, wenn der Chef eines maroden Konzerns für seinen "Weitblick" mit einem Millionenbonus belohnt wird. Genau das ist bei Arcandor passiert, hat jetzt eine Wirtschaftszeitung enthüllt.

Bei den Ermittlungen im Zuge des Zusammenbruchs des Kaufhauskonzerns Arcandor ist der Bochumer Staatsanwaltschaft laut Zeitungsbericht ein brisantes Sitzungsprotokoll in die Hände gefallen.

Wie das "Handelsblatt" berichtet, zeigt das Dokument, dass der Aufsichtsrat dem damaligen Arcandor-Chef Thomas Middelhoff am 11. Dezember 2008 einen Sonderbonus in Höhe von 2,295 Millionen Euro genehmigte - nur einen Tag, nachdem sein Abschied beschlossen worden war.

Nach Informationen der Zeitung sollte Middelhoff mit dieser Prämie für seinen "strategischen Weitblick" belohnt werden. Im März 2009 wurde Middelhoff als Arcandor-Chef vom ehemaligen Telekommanager Karl-Gerhard Eick abgelöst, fünf Monate später meldete der Konzern Insolvenz an.

"Mutige Entscheidungen"

Das Dokument, das dem "Handelsblatt" vorliegt, sei ein Indiz für den Verdacht der Ermittler, dass Middelhoff überhöhte Zahlungen erhalten und damit Untreuehandlungen zu Lasten von Arcandor begangen habe, hieß es.

Middelhoffs Anwalt Sven Thomas habe die Zahlung als einen langfristig vereinbarten Bonus gerechtfertigt.Der Betriebsrat hatte der Bonuszahlung zugestimmt.

Zu dem Treffen hatte der damalige Aufsichtsvorsitzende Friedrich Carl Janssen eingeladen. Laut Protokoll hat dieser Middelhoff für dessen "mutigen Entscheidungen" gelobt. Dies habe sich unter anderem auf den Aufbau der Arcandor-Tochter Thomas Cook bezogen, verwies Anwalt Thomas.

Von Janssen ist keine Stellungnahme zu erhalten, allerdings ermittelt auch gegen ihn die Staatsanwaltschaft Bochum.

Middelhoff hat schon seit 2010 ein Aktzenzeichen bei der Staatsanwaltschaft. Zudem gibt es gegen ihn Klagen von Arcandor-Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg sowie dem Journalisten Jan-Eric Peters, der dem ehemaligen Manager Manipulation des Arcandor-Aktienkurses vorwirft. 

Görg verlangt von Middelhoff 175 Millionen Euro. Auslöser für die Klage ist der umstrittene Verkauf mehrerer Karstadt-Immobilien an den Oppenheim-Esch-Fonds, der auch die Bochumer Ermittler beschäftigt. Die Immobilien waren nach Einschätzung von Görg überteuert zurückgemietet worden. Middelhoff selbst bestreitet die Vorwürfe. Derzeit prüfe sein Anwalt Winfried Holtermüller eine Anzeige wegen Prozessbetrugs, schreibt die "Frankfurter Allgemeine Zeitung".