Für Thomas Middelhoff wird die Lage ernster. Die Bochumer Staatsanwalt für Wirtschaftskriminalität übernimmt das Ermittlungsverfahren gegen den ehemaligen Arcandor-Chef.

Die Bochumer Schwerpunkt-Staatsanwaltschaft für Wirtschaftskriminalität hat das Verfahren wegen Untreue gegen den früheren Arcandor-Chef Thomas Middelhoff übernommen.

Hintergrund der Übertragung sei der absehbar große Umfang des Verfahrens, sagte eine Sprecherin der zuständigen Generalstaatsanwaltschaft in Hamm am Mittwoch und bestätigte damit einen Bericht von "Spiegel online".

Verfahren gegen Eick ebenfalls nach Bochum verlegt


Bislang hatte die Staatsanwaltschaft in Essen die Ermittlungen gegen den Manager geleitet.
Auch das nach Anzeigen von Privatpersonen eingeleitete Verfahren wegen Insolvenzverschleppung gegen den Middelhoff-Nachfolger Karl-Gerhard Eick wurde nach Bochum übertragen. Middelhoff hatte Arcandor im März dieses Jahres verlassen. Im Juni hatte der Handels- und Touristikkonzern Insolvenzantrag gestellt.

Im Fall Middelhoff geht es um ein Immobiliengeschäft, das vor seinem Einstieg zunächst als Aufsichtsratschef bei Arcandor getätigt wurde, an dem er aber persönlich beteiligt ist. Middelhoff hatte sich öffentlich zu den Vorwürfen geäußert und eine Klärung durch die Staatsanwaltschaft begrüßt.

Proteste vom Anwalt

Die Verlegung der Ermittlungen sei das Ergebnis einer offensichtlichen politischen Einflussnahme, erklärte Middelhoffs Anwalt. Weder gebe es dafür sachliche Gründe noch neue Erkenntnisse.

Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) hatte Anfang Juni den NRW-Behörden die Prüfung von Ermittlungen gegen Middelhoff empfohlen. Ein solcher Hinweis aus Zypries Amt heraus sei "nicht vertretbar", erklärte Middelhoffs Anwalt.