Mit der Zuspitzung der Krise bei Arcandor gerät Ex-Konzernchef Thomas Middelhoff zunehmend in der Kritik. Nun wird womöglich die Staatsanwaltschaft seine Immobiliengeschäfte durchleuchten.

Die Staatsanwaltschaft Essen prüft die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens gegen den früheren Arcandor-Chef Thomas Middelhoff. Dies bestätigte eine Sprecherin der Essener Behörde am Montag.

Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) hatte sich zuvor dafür ausgesprochen, die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens gegen Middelhoff zu prüfen. Sie sei über Zeitungsberichte beunruhigt, der Manager und seine Ehefrau seien an Immobilienfonds beteiligt, die mehrere Gebäude zu außergewöhnlich hohen Mieten an Karstadt verpachteten, hieß es.

Millionenausfälle durch Immobiliendeal

Bei der Kontroverse geht es um fünf Gebäude, die von Arcandor für Karstadt-Warenhäuser bei Immobilienfonds angemietet werden, die gemeinsam von der Privatbank Sal. Oppenheim und dem Projektentwickler Josef Esch aufgelegt worden waren.

Die Häuser seien - noch bevor Middelhoff zu dem Konzern kam - zu außergewöhnlich hohen Preisen angemietet worden. Im Gegenzug sollte Esch den Konzern offenbar an Gewinnen aus seinen Großprojekten beteiligen, heißt es. Zu den Geschäften sei es aber nicht gekommen. Der Vorstand habe die Ausfälle auf rund 100 Millionen Euro beziffert.

Laut "Frankfurter Allgemeine Zeitung" zahlt Arcandor für die Filialen in München, Leipzig, Potsdam, Wiesbaden und Karlsruhe eine Jahresmiete von 42,6 Millionen Euro, während für die 164 übrigen Immobilien 280 Millionen Euro gezahlt werden.

Middelhoff wehrt sich gegen Vorwürfe

Thomas Middelhoff hat alle Vorwürfe zurückgewiesen. Eine Untersuchung, wie sie Bundesjustizministerin Brigitte Zypries anrege, werde „den jetzt aus der Anonymität heraus vorgetragenen Angriffen den Boden entziehen", betonte er in einer Erklärung für die Deutschen Presse-Agentur (dpa) am Wochenende.

„Der gesamte Sachverhalt ist von den zuständigen Gremien des Unternehmens unter Hinzuziehung von Wirtschaftsprüfern und Anwälten intensiv geprüft und abschließend bearbeitet worden", betonte Middelhoff weiter.

Aufsichrat wurde informiert

„Ich und meine Frau haben 2002 als Privatpersonen kleinere Beteiligungen (unter 10 Prozent) an den Esch-Fonds gezeichnet, ohne zu diesem Zeitpunkt zu ahnen, dass ich zwei Jahre später in den Aufsichtsrat von KarstadtQuelle gewählt werden würde", erklärte Middelhoff dazu.

Er habe den Aufsichtsrat unmittelbar nach seiner Berufung 2004 über den Sachverhalt informiert. „Die Beteiligung wurde ebenfalls auf der Hauptversammlung 2005 thematisiert, ohne dass ein Fehlverhalten festgestellt wurde."

dpa, DH