Wenige Wochen vor Prozessbeginn gegen Thomas Middelhoff beginnen dessen Anwälte mit Säbelrasseln. Der frühere Arcandorchef sei fehlerlos, der Insolvenzverwalter dagegen habe geschludert.

Gut einen Monat vor Beginn eines Prozesses auf Schadenersatz in Millionenhöhe gegen den ehemaligen Arcandor-Chef Thomas Middelhoff spitzt sich der Streit mit dem Insolvenzverwalter zu.

Die Anwälte Middelhoffs werfen dem Arcandor-Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg vor, er habe sich "leider nicht die Mühe gemacht" die vielen tausend Ordner und Schachteln mit Akten ausreichend auszuwerten. "Er sitzt auf dem Material, schaut es sich nicht an und nimmt falschen Sachvortrag billigend in Kauf", sagte Middelhoffs Rechtsbeistand Winfried Holtermüller am Dienstag in Stuttgart.

Der Insolvenzverwalter hatte den früheren Chef von Arcandor sowie weitere ehemalige Manager des Konzerns auf Schadenersatz von rund 175 Millionen Euro verklagt. Ende Februar waren die Anwälte des Topmanagers dann zum Gegenangriff übergegangen und hatten Görg wegen versuchten Prozessbetrugs angezeigt. Die Staatsanwaltschaft bestätigte den Eingang der Strafanzeige.

Prozessbeginn im April

Der Zivilprozess gegen Middelhoff sowie weitere Manager und Mitglieder des Aufsichtsrates beginnt Mitte April vor dem Landgericht Essen. Auslöser ist der umstrittene Verkauf mehrerer Karstadt-Immobilien an den Oppenheim-Esch-Fonds. Die Immobilien waren anschließend nach Einschätzung von Görg überteuert zurückgemietet worden.

"Der Insolvenzverwalter handelt pflichtgemäß", teilte ein Sprecher Görgs mit. Er müsse auch möglichen Ansprüchen gegen frühere Akteure nachgehen. "Würde er dies unterlassen, würde er persönlich haften."

Middelhoffs Anwalt Holtermüller wies die Vorwürfe erneut zurück: "Nach intensiver Prüfung der Akten gilt es festzustellen: Es fehlt jedwede Pflichtwidrigkeit meines Mandanten Thomas Middelhoff, es gibt keinen dadurch entstandenen Schaden." Görg habe sich mit er Klage "unglaubwürdig gemacht".

Die fünf betroffenen Häuser in München, Karlsruhe, Leipzig, Wiesbaden und Potsdam seien nach den Vorstellungen des Unternehmens umgebaut und ausgestattet worden, sagte Holtermüller. Diese baulichen Veränderungen hätte das Unternehmen seiner Ansicht nach gar nicht aus eigener Finanzkraft stemmen können. Die Mieten dürften nicht mit Preisen leerer Rohbauten verglichen werden.

Wer zahlt die Festschrift?

Im Februar war eine weitere Millionenforderung gegen Middelhoff und andere frühere Führungskräfte des 2009 zusammengebrochenen Konzerns bekannt geworden. Kläger ist auch hier der Insolvenzverwalter. Dabei geht es um 24 Millionen Euro, die Görg von ehemaligen Arcandor-Managern und Aufsichtsratsmitgliedern haben will.

Ihnen wird unter anderem vorgeworfen, weit überzogene Bonuszahlungen und Abfindungen kassiert oder bewilligt zu haben. Middelhoffs Anwälte wiesen auch dies zurück: Die Zahlungen seien Bestandteil seines Vertrages gewesen und wie vereinbart Ende 2008 abgerechnet worden.

Außerdem soll die Arcandor AG rund 150.000 Euro für eine von Middelhoff herausgegebene Festschrift zum 70. Geburtstag des ehemaligen Bertelsmann-Chefs Mark Wössner ausgegeben haben. Dabei handelte es sich laut Insolvenzverwalter um ein rein privates Geburtstagsgeschenk ohne Bezug zu Arcandor. Middelhoffs Anwälte argumentieren dagegen, Wössner sei lange Jahre Mitglied im Quelle-Aufsichtsrat gewesen. Deshalb sei es eine "Pflicht" des Unternehmens gewesen, ihn "angemessen zu ehren".

Noch ein Verfahren

Gegen Middelhoff ist noch ein weiteres Verfahren anhängig. Der Journalist Jan-Eric Peters hat den früheren Manager auf 5.000 Euro Schadenersatz verklagt, weil er sich als Anleger durch angeblich falsche Aussagen des ehemaligen Arcandor-Chefs getäuscht sieht.

Es geht um ein Zeitungsinterview aus dem September 2008, in dem es um die wachsenden finanziellen Probleme von Karstadt ging. Middelhoff wurde damals gefragt, ob er über eine Kapitalerhöhung für den angeschlagenen Warenhauskonzern nachdenken würde. "Das ist völliger Quatsch", hatte der damalige Manager geantwortet. Doch eine Woche später gab Arcandor eine Kapitalerhöhung bekannt - und der Aktienkurs fiel.