Der Ärger der Milchbauern über die Lebensmitteldiscounter nimmt zu. Aus Protest gegen die Abnahmepreise legten sie am Morgen den Zulieferbetrieb mehrer Filialen von Aldi, Lidl und Netto lahm.

Aus Protest gegen niedrige Milchpreise blockierten Milchbauern in Süddeutschland die Zufahrten zu den Zentrallagern mehrerer Discounter. Damit wollten die Landwirte auf ihre miserable wirtschaftliche Lage aufmerksam machen. Das Konjunkturbarometer des Deutschen Bauernverbands rutschte erstmals seit 2005 wieder ins Minus. "Die Milchbauern schätzen ihre aktuelle Lage besonders düster ein", sagte Adalbert Kienle, Vize-Generalsekretär des Verbandes, am Donnerstag in Berlin.

Vier Stunden Blockade

In Rastatt in Baden-Württemberg versperrten rund 30 Demonstranten mit ihren Traktoren und Anhängern von drei Uhr an vier Stunden lang die Ein- und Ausfahrt des Aldi-Firmengeländes, berichtete die Polizei.

Auch in Gerstetten-Dettingen (Kreis Heidenheim), in Waldenburg (Hohenlohekreis) und in Aichtal (Kreis Esslingen) hatten Bauern mit ihren Fahrzeugen die Zufahrten der Zentrallager von Aldi, Lidl und Netto blockiert oder behindert. In Altenstadt im Kreis Neu-Ulm kam es ebenfalls zu Protesten von Milchbauern. Dort blockierten sie Donnerstagmorgen ein Zentrallager von Aldi.

#Proteste auch in Bayern#/ZT#
In Bayern luden am frühen Donnerstagmorgen mehr als 50 zornige Landwirte vor dem Aldi Zentrallager in Altenstadt Strohballen und Mist ab. Die Bauern blockierten am frühen Morgen für mehrere Stunden die Ein- und Ausfahrt mit Traktoren und landwirtschaftlichen Geräten, berichtete die Polizei.

Auch in Roth demonstrierten rund 50 Milchbauern mit ihren Traktoren mehr als zwei Stunden vor der Auslieferungszentrale eines Lebensmitteldiscounters.

Für den Bauernverband ist Talsohle durchschritten

Die Talsohle am Milchmarkt ist aber nach Ansicht des Bauernverbands durchschritten. Der Milchpreis, den Bauern von Molkereien bekommen, werde bis Jahresende von derzeit 22 Cent pro Liter auf 26 bis 30 Cent steigen. Auch Ackerbauern klagten über Preiseinbrüche.

Insgesamt sei die Erwartung der Landwirte an die Situation der kommenden zwei bis drei Jahre aber deutlich optimistischer als die aktuelle Einschätzung. Die Landwirte beurteilten ihre aktuelle wirtschaftliche Lage mit einem Wert von minus 0,2 Prozent. Im Juli lag der Index noch bei 4,3 Prozent.

Kritik an der EU-Kommission

Der Bauernverband rechnet für die deutschen Milchbauern mit rund
55 Millionen Euro aus dem geplanten zusätzlichen Fonds der EU von insgesamt 280 Millionen Euro. Er warf der EU-Kommission vor, zu lange mit weiteren Hilfen gewartet zu haben.

Vize-Generalsekretär Kienle forderte von der künftigen schwarz-gelben Koalition eine Risikorücklage und mehr Entlastung bei der Besteuerung von Agrardiesel.

Aigner will schnell Geld für Bauern bereitstellen

Vergangene Woche hatte Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) davon gesprochen, die Milchbauern so schnell wie möglich finanziell zu unterstützen. "Mir geht es darum, die Mittel des Milchfonds, des Milch-Begleitprogramms, von 300 Millionen Euro vorziehen zu können auf das Jahr 2010", sagte die Ministerin.