Nach einer Anhörung im Bundeskartellamt sieht sich die Handelsbranche von den Vorwürfen entlastet, sie würde die Milchpreise einseitig diktieren.

In einer Anhörung des Bundeskartellamtes in dieser Woche verteidigte Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland (HDE) Stefan Genth die Position des Einzelhandels und widersprach nochmals dem Vorwurf, wonach der Lebensmittelhandel die Milchpreise diktieren würde.

Der HDE-Hauptgeschäftsführer äußerte sich zufrieden über den Verlauf der Anhörung und sagte, dass die Behörde den Argumenten des Handels "genau zugehört" habe.

Ein weiterer Beteiligter an dem Gespräch sagte gegenüber derhandel.de, die Diskussion sei sachlich verlaufen. Auch die anwesenden Vertreter des Bauernverbandes, die sich in der Vergangenheit sehr leicht echauffiert hätten, seien diesmal ruhig geblieben.

"Wir sind nicht der Sündenbock"

"Der Einzelhandel ist nicht der Sündenbock für die Strukturprobleme der Milchbranche", hatte Genth nach der Anhörung gesagt. "Es gibt keine generelle einseitige Nachfragemacht des Lebensmittelhandels."

Lediglich 14 Prozent der in Deutschland erzeugten Milch kämen als Frisch- oder H-Milch in die Regale des Handels. Nur 40 Prozent der in heimischen Molkereien hergestellten Produkte würden hier verkauft. Die Molkereien hätten also auch andere Absatzkanäle als den deutschen Handel, betonte der HDE-Chef.

Dass es sowohl bei Landwirten als auch bei den Molkereien große Überkapazitäten gibt, könne der Handelsbranche nicht angelastet werden, so Genth.

Mehrere große Discounter und Supermarktketten haben in den vergangenen Wochen die Milchpreise erhöht.