Langfinger verursachten 2011 im Einzelhandel einen enormen Schaden und fügten der Branche Milliardenverluste zu, zeigt eine Studie. Ein Prozent des Umsatzes geht dadurch verloren.

Ladendiebe, kriminelle Mitarbeiter und Lieferanten haben im deutschen Einzelhandel im vergangenen Jahr einen Schaden von rund 3,8 Milliarden Euro verursacht - das ist etwa ein Prozent des Gesamtumsatzes.

Das geht aus einer Studie des Handelsforschungsinstituts EHI hervor, die am Dienstag veröffentlicht wurde. Jeder 200. Einkaufswagen passiere im Lebensmittelhandel - rechnerisch gesehen - unbezahlt die Kasse.

Für knapp über die Hälfte der Verluste (51 Prozent) waren Ladendiebe verantwortlich. Sie stahlen laut Studie Waren im Wert von 1,9 Milliarden Euro. Beliebte Beute sind kleine, hochwertige Artikel wie Kosmetik, Parfüm und CDs. Im Textilhandel sind es vor allem Markenprodukte.

Unehrliche Mitarbeiter klauten Produkte für 800 Millionen Euro (21 Prozent). 19 Prozent der Verluste werden Lieferanten und Servicekräften angelastet. Der Rest des Schadens geht auf organisatorische Fehler zurück.

Anstieg von 3 Prozent gegenüber Vorjahr

Die Inventurdifferenzen liegen seit Jahren knapp unter 4 Milliarden Euro, im Vergleich zu 2010 stiegen sie um knapp drei Prozent.

Die aktuelle polizeiliche Kriminalstatistik zeigt einen Rückgang der Ladendiebstähle, dennoch rechnen die Händler eher mit einer weiteren Zunahme. Die Dunkelziffer liege bei 98 Prozent, jährlich blieben rund 30 Millionen Ladendiebstähle unentdeckt.

Für seine Studie befragte das EHI 91 Unternehmen mit 14.000 Verkaufsstellen, die einen Gesamtumsatz von rund 63 Milliarden Euro erwirtschaften.

Banden machen Ärger

Die Methoden der Diebe sind vielfältig: Es gibt Taschen mit doppeltem Boden, speziell ausgekleidete Materialien tricksen piepsende Sicherungssysteme am Eingang aus. In der Umkleidekabine wird getragene Kleidung einfach gegen neue ausgetauscht.

Unter den Dieben sind viele Gelegenheitstäter, und vor allem in Großstädten finanzieren Drogenabhängige durch Diebstähle ihre Sucht. Besondere Sorge bereiten den Händlern aber organisierte Banden.

"Die sind professionell ausgerüstet und kommen meist mit mehreren Tätern in den Laden", erläutert Rolf Geckle, der am Polizeipräsidium Karlsruhe die Ermittlungsgruppe "Mascara" zu bandenmäßigem Ladendiebstahl leitet.

Die Gruppen konzentrierten sich auf hochwertige Artikel, die gut weiterverkauft werden können. Manchmal räumten sie ein ganzes Regalfach mit Rasierklingen oder Kosmetik aus, so dass der Schaden schnell im vierstelligen Bereich liege, sagt der Polizist.