Der Matratzenhandel ist ein spezielles Geschäft. Seit drei Jahren ermittelt das Bundeskartellamt gegen die Branche, jetzt wurde der erste Hersteller aufgrund seiner Preisvorgaben an Händler sanktioniert.

Seit 2011 beschäftigt sich das Bundeskartellamt mit der Matratzenbranche wegen des Verdachts auf Preisabsprachen. Eingeleitet wurde das Verfahren auf der Grundlage von Beschwerden aus dem Markt. Der Berliner Onlinehändler Adam Szpyt sorgte 2012 mit seinen Enthüllungen über die Gepflogenheiten in der Branche für Aufsehen. In der aktuellen Ausgabe von Der Handel spricht Spzyt davon, wie er seitdem unter Druck gesetzt werde mit Strafanzeigen und Abmahnungen. "Die Branche versucht uns fertig zu machen."

Nun hat die Behörde ein erstes Bußgeld gegen einen Hersteller verhängt, möglicherweise werden weitere folgen.  Die Firma Recitel Schlafkomfort muss 8,2 Millionen Euro zahlen. Begründet wurde die Sanktion damit, dass von Juli 2005 bis Dezember 2009 Verantwortliche des Unternehmens mit ihren Händlern vereinbart hätten, dass diese bestimmte strategische Schlaraffia-Produkte grundsätzlich nicht unter den vom Hersteller vorgegebenen Verkaufspreisen anbieten sollten, teilt das Bundeskartellamt mit.

"Händler dürfen den Preis, den sie für ein bestimmtes Produkt vom Kunden verlangen, frei setzen. Hersteller können zwar unverbindliche Preisempfehlungen aussprechen; sie dürfen ihren Händlern aber keine verbindlichen Preisvorgaben machen oder gar Druck ausüben, etwa mit Lieferstopp drohen, um ein bestimmtes Preisniveau zu erreichen", sagt Andreas Mundt, Präsident der Behörde, laut Mitteilung.

Gespräche mit abweichenden Händlern

Die Preisbindungen seien laut Kartellamt in Gesprächen mit Händlern oder Einkaufskooperationen über die Einhaltung der Mindestverkaufspreise sowie durch Schreiben an Einzelhändler, in denen auf die Einhaltung der Mindestverkaufspreise hingewiesen oder um die Einhaltung der Mindestpreise gebeten wurde, erfolgt.

Grundsätzlich habe zwischen Hersteller und Händlern die Übereinkunft bestanden, dass die vorgegebenen Mindestverkaufspreise für die strategischen Produkte eingehalten werden, heißt es weiter. "Wichen einzelne Händler von den Vorgaben ab und beschwerten sich andere Händler darüber, so wurde wiederholt das Gespräch mit den abweichenden Händlern gesucht, um diese zu einer Preiserhöhung zu bewegen, wobei vielfach ein Einverständnis über den Wiederverkaufspreis erzielt werden konnte", schreiben die Wettbewerbshüter.

Vorgegebene Mindestverkaufspreise

Dies habe sowohl für den stationären als auch für den Handel im Internet gegolten. Auf letzterem habe ein besonderes Augenmerk gelegen, da ab dem Jahr 2005 Schlaraffia-Produkte immer stärker über das Internet vertrieben worden seien. Ausgewählten Onlinehändlern sei  das Angebot gemacht worden, als "autorisierter Schlaraffia Onlinehändler" mit dem Recitel-Logo werben zu dürfen. Vorgegebene Mindestverkaufspreise hätten nicht unterschritten werden dürfen.

Auch Verstöße wurden offenbar verfolgt und geahndet. So sei es in Einzelfällen durch die Sperrung des Händlers bei Google-Adwords oder die Sperrung des Händlers beim Onlinemarktplatz Ebay im Rahmen der Anwendung des Ebay-Markenschutzprogramms wegen unerlaubter Nutzung der Herstellerdaten gekommen.

"Einigen Händlern wurde auch mit Lieferverzögerungen oder rechtlichen Schritten gedroht, wenn sie ihre Angebote nicht an die von der Recticel vorgegebenen Mindestverkaufspreise für die Produkte anpassten", heißt es weiter in der Kartellamtsmitteilung.

Recitel hat mit dem Bundeskartellamt kooperiert

Bei der Bußgeldfestsetzung sei berücksichtigt worden, dass die Recticel mit dem Bundeskartellamt kooperiert habe und das Verfahren einvernehmlich beendet worden sei, teilt die Behörde mit. Das verhängte Bußgeld ist noch nicht rechtskräftig. Gegen den Bescheid kann Einspruch eingelegt werden, über den das Oberlandesgericht Düsseldorf entscheidet.

Lesen Sie den vollständigen Text über den Matratzenhandel sowie ein Exklusiv-Interview mit Ole Nielsen, Deutschland-Geschäftsführer von Dänisches Bettenlager, in der aktuellen Ausgabe von Der Handel. Ein kostenfreies Probeexemplar erhalten Sie hier.