Im November geht der neue Audi A 4 an den Start. Limousine und Kombi sollen die technische Vorreiterrolle der Bayern belegen.

Für Deutschlands Dienstwagenfahrer ist es der wohl wichtigste Neuerscheinungstermin des Jahres: Nach der Publikumspremiere auf der in der kommenden Woche beginnenden Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt am Main rollt der neue Audi A 4 im November in den Handel. Zum Auslieferungsstart steht die Limousine und auch das für Flottenkunden noch bedeutsamere Kombimodell namens Avant bereit.

Nachdem die Konkurrenz zuletzt bereits umfangreich vorgelegt hatte, wurde es für die Ingolstädter nun auch höchste Zeit. Mercedes-Benz sorgte schon im vergangenen Jahr mit der Neuerfindung der C-Klasse für Furore, die achte Generation des VW Passat wurde von der gewerblichen Kundschaft prächtig aufgenommen, BMW frischte noch schnell die 3er-Baureihe auf und mit der aktuellen Fassung des Skoda Superb ist ein weiterer Widersacher in den erlauchten Kreis der klassischen Businessfahrzeuge für berufliche Vielfahrer aufgestiegen.

Entwicklungschef besserte nach

Tatsächlich hatte der 2008 präsentierte A 4 auch schon früher abgelöst werden sollen, doch Entwicklungsvorstand Ulrich Hackenberg, der vor rund zwei Jahren von der Wolfsburger Konzernmutter nach Bayern beordert wurde, ist ein akribischer Arbeiter und hatte noch Verbesserungspotenzial ausgemacht. Schließlich mehrten sich die Vorwürfe, Audi würde seinen Slogan "Vorsprung durch Technik" nicht mehr mit Leben erfüllen.

Der neue A 4 soll nun diese Kritik widerlegen. Dazu haben die Süddeutschen eine Heerschar von Assistenzsystemen ersonnen - bis hin zum Staupiloten, der das Handling des Wagens bei Geschwindigkeiten bis 65 km/h praktisch im Alleingang übernimmt und damit einen sehr konkreten Ausblick auf das autonome Fahren der Zukunft liefert.

Größer, leichter, leiser, sparsamer

Größer sei der nunmehr 4,72 Meter lange Mittelklässler geworden, mit mehr Kopf- und Beinfreit sowie 480 Litern Kofferraumvolumen, schwärmt Unternehmenssprecher Josef Schloßmacher. Dazu wurde die Karosse rund 120 Kilogramm leichter, die Motoren seien im Schnitt um bis zu 21 Prozent sparsamer, der cW-Wert sank auf das Rekordlevel von 0,23 und die Innenraumgeräusche sind hörbar geringer. "Da liegen wir jetzt auf dem Niveau unserer Oberklasselimousine A 8", erklärt Projektleiter Burkhard Wiegand stolz.

Noch mehr Pathos schwingt mit, wenn die Ingolstädter von ihrer Rückkehr zu Sechszylinderantrieben philosophieren. Während die automobile Welt ansonsten auf "Downsizing" setzt, um Verbrauchs- sowie Emissionswerte zu reduzieren, spendiert Audi seinem meistverkauften Modell plötzlich wieder einen drei Liter großen Diesel mit stattlichen Leistungswerten von 200 kW/272 PS und verspricht Vebrauchswerte von lediglich 4,9 Litern. "Andernorts sind Sechszylinder eine aussterbende Spezies, bei uns sind sie im kommen", kann sich Schloßmacher einen Seitenhieb auf die Strategie der Konkurrenz aus München nicht verkneifen. BMW hat gerade erst den ersten Dreizylinder in der 3er-Reihe eingeführt...

Bildschirme für Fahrer und Mitfahrer

In Sachen Innenraumgestaltung hatte zuletzt Mercedes-Benz die Maßstäbe gesetzt. Hier legte Audi nun erwartungsgemäß nach und baut das schon aus anderen Konzernmodellen bekannte virtuelle Cockpit mit einem TFT-Bildschirm sowie eine kabellose Handylademöglichkeit und auf Wunsch ein 3-D-Soundsystem von Bang&Olufsen ein. Für die Fahrgäste auf der Rückbank stehen optionale iPads samt Halterung an der Kopfstütze der Vordersitze zur Wahl. Verarbeitung und Materialanmutung, das zeigte schon die erste Ausfahrt, sind standesgemäß auf höchstem Niveau.

Während die Techniker also reichlich Entwicklungsarbeit leisteten, haben sich die Designer offensichtlich darauf verlegt, den bisherigen Erfolg zu verwalten. Trotz veränderter Abmessungen ist der A 4 Nummer neun nämlich nur auf den zweiten Blick von der achten Mittelklasse-Generation mit den vier Ringen zu unterscheiden. Dennoch schwört Projektleiter Wiegand: "90 Prozent sind neu." Mehr Innovationskraft soll erst die nächste Auflage ausstrahlen, an der der neue Kreativchef Marc Lichte bereits zeichnen dürfte.

Diesel-Preise ab rund 35.000 Euro

Neu sind auch die Preise sowie die beiden Ausstattungsstufen "Design" und "Sport". Aktuell beginnt das Angebot bei 32.950 Euro für den 1,4-Liter-Benziner mit 110 kW/150 PS. Diesel-Kunden müssen für die gleiche Leistungsstufe allerdings mindestens 35.050 Euro investieren. Der feine Sechszylinder-Selbstzünder mit achtstufiger Automatik kostet wenigstens 50.100 Euro - und dann beginnt die Auswahlarbeit in der langen Liste der "Extras" mit 30 Assistenzsystemen und allen erdenklichen Komfortfeatures, die die Dienstreise angenehmer gestalten können. Allerdings dürfte dabei das zur Verfügung stehende Budget schnell ausgereizt sein...

Mit der Einführung von Limousine und Kombi starten die Bayern die Kompletterneuerung ihres seit 1972 mehr als zwölf Millionen Mal verkauften Bestsellers. Der geländegängige Allroad sowie die beiden Coupé-Versionen und das Cabrio der technisch eng verwandten A 5-Baureihe erhalten in schneller Folge ebenfalls alle Neuerungen.

Einen ausführlichen Ausblick auf die Internationale Automobil-Ausstellung (IAA) vom 17. bis 27. Sepetmber in Frankfurt am Main finden Sie in der aktuellen September-Ausgabe von Der Handel. Zum Probe-Abo geht es hier.

Bernd Nusser