Wer mit dem neuen Porsche Panamera unterwegs ist, wird zum Star der Straße. Das Auto brilliert mit Technik und Design - Fragen nach dem Verbrauch verkneift man sich besser.

"Bitte halten Sie doch kurz einmal an", ruft der Passant im Laufschritt - und zwingt das Auto zum Stopp. "Bitte, darf ich einmal kurz hineinschauen. Echt sensationell. Die Sitze sehen toll aus." Der sportliche End-Vierziger ist hin und weg und sofort in seinem Element: "Ich habe zwei Porsche, einen 911er und einen Cayenne - aber das hier ist die Wucht."

Wohin die erste Ausfahrt mit dem neuen Porsche Panamera auch führte - Passanten und andere Verkehrsteilnehmer begegneten dem 4,97 Meter langen Viertürer mit Neugier und Begeisterung. Trotz Umweltdiskussion, Finanzkrise und Turbulenzen im Porsche-Unternehmen - dieser neue Beitrag deutscher Automobilbau-Kunst fasziniert die Menschen.

Gruß vom Chef

Voller Stolz präsentieren die Stuttgarter rund um Garmisch-Partenkirchen den internationalen Medienvertretern denn auch ihr neues Flaggschiff, das vom 12. September 2009 zu Preisen ab 94.575 Euro bei den Händlern steht.

Dennoch ist das Finanzdebakel nach dem verpatzten Volkswagen-Übernahmecoup allgegenwärtig. Die traditionelle Rede zur Lage des Unternehmens hielt diesmal nämlich nicht Porsche-Chef Wendelin Wiedeking. Der ließ durch Entwicklungsvorstand Wolfgang Dürheimer "einen Gruß" ausrichten. Wiedeking und Finanzchef Holger Härter seien gerade "sehr gut unterwegs", um die Geldnöte des Unternehmens zu lindern. Am vergangenen Wochenende standen Verhandlungen mit dem Scheich von Qatar auf dem Plan. Der Golfstaat will dem Vernehmen nach 20 Prozent Anteile bei Porsche erwerben.

"Wir schreiben schwarze Zahlen"

Die vielen Negativschlagzeilen der vergangenen Wochen wollte Dürheimer zwar "nicht kommentieren", aber dem Gerücht, Porsche sei ein Sanierungsfall, wollte er doch entgegentreten: "Das ist einfach Quatsch", sagte der Manager und schickte hinterher:

"Wir schreiben als eines der wenigen Automobil-Unternehmen der Welt auch in der tiefsten Rezession schwarze Zahlen. Unsere operative Umsatzrendite liegt im zweistelligen Prozentbereich. Im März, April und Mai verzeichneten wir im Inland den besten Auftragseingang unserer Geschichte, und auch in Nordamerika ziehen die Auftragseingänge wieder an."

Warum nicht mit Chauffeur?

Und nun soll der Panamera passend zum 100. Geburtstag des verstorbenen Firmengründers Ferry Porsche Image und Finanzlage weiter verbessern. Mit der Kombination aus viersitzigem Sportwagen und Reiselimousine wollen die Schwaben ganz neue Kunden (weltweit 20.000 pro Geschäftsjahr) ansprechen, die bislang bei Maserati oder bei der Mercedes-Benz-Tochter AMG zuhause waren.

Sogar als Chauffeurslimousine oder als Kombi mit einem Ladevolumen bis zu 1.250 Liter sei der Wagen geeignet, meint Baureihen-Leiter Dr. Michael Steiner.

Noch keine Angaben zu einem Diesel

Unter der langen Motorhaube schieben den rund zwei Tonnen schweren Boliden die bekannten Achtzylinder-Benzindirekteinspritzer mit 294 kW/400 PS oder als mindestens 135.154 Euro teuren "Turbo" mit 368 kW/500 PS an. Ein Sechszylinder und ein Hybrid-Antrieb sollen folgen.

Die Einführung einer Diesel-Variante wollte Wolfgang Dürheimer noch nicht bestätigen: "Wir wollen erst einmal Erfahrungen mit unserem neuen Diesel-Angebot im Cayenne sammeln. Derzeit gehen monatlich 1.000 Bestellungen für dieses Modell ein."

17 Liter Super Plus

Dem Panamera haben die Konstrukteure jede Menge technischer Finessen mit auf den Weg gegeben. Und mit Blick auf die Erfordernisse der Zeit fiel der Anteil über die verbrauchssenkenden Maßnahmen am Präsentationstext von Michael Steiner auch entsprechend lange aus.

Doch trotz aller Sparbemühungen und einer Start/Stopp-Funktion in Verbindung mit dem Direktschaltgetriebe pendelte sich der Verbrauchswert bei der ersten Ausfahrt mit dem 500-PS-Geschoss bei fast 17 Litern Super Plus ein. Die Frage, ob so ein Auto in die Zeit von hohen Benzinpreisen und Klimawandel passt, stellt sich für Porsche ohnehin nicht.

Die Entscheidung zur Serienfertigung der vierten Baureihe wurde vor mehr als vier Jahren getroffen - jetzt muss das Unternehmen mit dem Panamera durch die Krise fahren und schnell auf bessere Zeiten hoffen.

Bernd Nusser