Mercedes Benz erweitert ab Oktober 2008 sein Geländewagen-Portfolio um den Kompakt-SUV mit dem Kürzel GLK.

Die Rechnung scheint für Mercedes-Benz schon vor dem offiziellen Verkaufsstart im Oktober 2008 aufzugehen: In Westeuropa seien binnen eines Monats bereits 10.000 Bestellungen für den neuen Kompakt-Geländewagen GLK eingegangen - trotz der nicht sonderlich kundenfreundlichen Aufpreispolitik der Schwaben.

Zum einen stehen zum Start lediglich die teuren Sechszylinder-Motoren im GLK 280, 350 und 320 CDI zur Verfügung, zum anderen sind die Fahrzeuge derzeit nur mit dem sogenannten „Styling-Offroad-Paket” (1.071 Euro Aufpreis), dem „Sport-Paket Exterieur” (1.844 Euro) oder als nobles Sondermodell „Edition 1” (ab 9.163 Euro) zu haben.  Damit kostet der GLK 280 (170 kW/231 PS) als aktuelles Einstiegsmodell mindestens 44.625 Euro, von weiteren sinnvollen Extras ganz abgesehen.

Stuttgarter aus Bremen

„Wir bieten kein Sonderangebot”, räumt Mercedes-Benz-Entwicklungsvorstand  Dr. Thomas Weber denn auch freimütig ein. Halbwegs erschwinglich wird der Geländeritt mit dem neuen Stuttgarter, der allerdings in Bremen von den Bändern läuft, erst im zweiten Quartal 2009. Dann steht der GLK 220 CDI ab 40.341 Euro zur Verfügung. Der Vierzylinder-Diesel (125 kW/170 PS) verspricht mit einem Normwert von 6,9 Litern auf 100 Kilometern dann auch einen einigermaßen zeitgemäßen Verbrauch.

Auch in der Stadt unterwegs.
Auch in der Stadt unterwegs.
Bei ersten Testfahrten hinterließ der Selbstzünder zudem den harmonischsten Eindruck, während der GLK 350 (200 kW/272 PS; 46.053 Euro) laut Bordcomputer nicht unter 12,5 Litern zu bewegen war. Trotz der geländegängigen Vielfalt des Herstellers mit den wuchtigen Modellen der G-, M- und R-Klasse mussten die Mercedes-Kunden lange auf einen Allradler im europa-tauglichen Format warten. Da lohnt es sich nun, noch ein Dreivierteljahr dranzuhängen und zum „kleinen” Diesel zu greifen.

Trendsetter in Amerika

Während sich auf dem „alten Kontinent” angesichts der langsam abebbenden Euphorie um diese Fahrzeuggattung per se schon die Frage stellt, ob es denn noch eines weiteren SUV mit einem Stern bedurft hätte, sehen die Produktentwickler das kantige 4,53-m-Gefährt vor allem in den USA als Trendsetter.

„Wir bieten unseren Kunden damit die Möglichkeit zum Downsizing”, erklärt Weber.  Schließlich suchen die Amerikaner aufgrund der deutlich gestiegenen Kraftstoffpreise derzeit tatsächlich nach Alternativen zu den bislang favorisierten Pick-up-Trucks und schweren Geländewagen.

Allradantrieb und elektronischer Traktionsregelung

Weil der GLK technisch auf der C-Klasse basiert, wird er nicht im Mercedes-Werk in Tuscaloosa/Alabama sondern eben in Bremen gefertigt. Immerhin: Mit Blick auf die Gepflogenheiten des US-Marktes ist die Ausstattung mit Klimaautomatik, Radio, Geschwindigkeitsregelung und dem siebenstufigen Automatikgetriebe für europäische Mercedes-Verhältnisse fast schon generös.

Im Gegensatz zu den deutschen Segmentführern VW Tiguan und BMW X 3, die hauptsächlich für den Straßeneinsatz gedacht sind, legt Mercedes-Benz größten Wert auf die Geländetauglichkeit seines neuen Familienmitgliedes. Dank Allradantrieb und elektronischer Traktionsregelung erinnert der Neuling bei Fahrübungen abseits des Asphalts tatsächlich an das legendäre G-Modell und nimmt selbst steilste Hänge bergauf oder -ab mit stoischer Gelassenheit.

„Unsere Kunden wollen keinen Soft-Roader, sondern einen echten Typen mit Ecken und Kanten", ist sich Entwicklungschef Weber sicher.

Bernd Nusser