Klimaneutrale Produkte werden für Verbraucher immer wichtiger, glaubt der Verein Transfair. Einzelhändler und Hersteller sollten sich darauf einstellen. Die Deutsche Post hat es bereits erkannt.

Es wird das nächste große Thema sein, mit dem sich Händler und Hersteller auseinandersetzen müssen, ist sich Dieter Overath sicher. "Spätestens in fünf Jahren werden die Konsumenten die Auswirkungen des Klimas hinterfragen und Verbesserungen fordern", sagt der Vorstandsvorsitzende des Vereins Transfair. Heißt in der Praxis: Nicht mehr nur fair produzierte Waren spielten bei der Kaufentscheidung eine Rolle, sondern Verbraucher dürften zunehmend auf die CO2-Emissionen einzelner Produkte achten, sagt Overath.

Deutsche Post kauft Transfair-Klimazertifikate

Fairtrade International, der Dachverband aller nationalen Fairtradeorganisationen, führt deshalb den Fairtrade-Klimastandard ein. In den Niederlanden ist das Projekt bereits gestartet worden, in Deutschland wird die Deutsche Post DHL Gruppe im Rahmen seiner GoGreen-Services der erste Partner von Fairtrade sein. Weitere Länder werden folgen. Transfair hat das Projekt auf der Lebensmittelmesse Anuga in Köln vorgestellt.

"Fairtrade allein wird nicht das Klima retten, aber wir wollen mit gutem Beispiel vorangehen, damit sich das Konsumverhalten ändert", sagt der deutsche Transfair-Chef, der auch ein konkretes Beispiel über negative Auswirkungen des Klimawandels parat hat. Etwa beim Kaffeeanbau. Eine Erwärmung des Klimas um 2 Grad Celsius führe bereits dazu, dass die Kaffeesträucher weniger Früchte trügen. "Die Frage ist, ob ein Kleinbauer noch Lust hat, für einen Dollar am Tag Bohnen zu pflücken", fragt Overath rhetorisch. Dies habe damit auch Auswirkungen auf die Verfügbarkeit des Anbauprodukts hier in Deutschland und den restlichen Industrieländern.

Wie die Kleinbauern profitieren

Der neue Klimastandard soll den Kleinbauern eine zusätzliche Einkommensquelle verschaffen. Durch Klimaschutzprojekte wie dem Austausch von alten Brennholzöfen in neue Steinöfen reduzieren die Kleinbauern ihren CO2-Ausstoß. Dafür bekommen sie sogenannte Fairtrade Carbon Credits, die sie wiederum an Unternehmen verkaufen können. Dabei erzielen sie einen festgelegten Mindestpreis plus eine Fairtrade-Prämie für jedes verkaufte Zertifikat.

"Nebenbei helfen Projekte wie der Ofenaustausch, die extreme Rauchentwicklung und damit die Gesundheitsbelastung für die kochenden Frauen zu reduzieren", erklärt Neera van der Geest, die als Director des Fair Climate Fund die Projekte vor Ort betreut.

Was bringt’s dem Handel?

Der Climate Fund kalkuliert den CO2-Ausstoß für Unternehmen und Produkte entlang der gesamten Lieferkette. "Kennt man seinen CO2-Ausstoß, kann man ihn ausgleichen - mit dem Kauf der Fairtrade Carbon Credits", beschreibt van der Geest die praktische Umsetzung des Standards. Transfair hat das System gemeinsam mit Gold Standard entwickelt, dem Zertifizierer, dessen Berechnungssystem als besonders transparent gilt. "Der Unterschied zum herkömmlichen Emissionshandel ist, dass unsere Zertifikate nicht anonym sind", sagt van der Geest.

Die Kosten für die Berechnung des CO2-Fußabdrucks tragen die Hersteller, die die Kosten wiederum an den Handel weitergeben. Die Erfahrung aus den Niederlanden zeige, dass diese nicht so hoch ausfielen wie erwartet und von den Einzelhändlern auch mitgetragen würden, sagt van der Geest.

"Viele Händler versuchen bereits, so viel Energie wie möglich zu sparen: in ihren Märkten, bei der Logistik. Wir eröffnen mit unserem Klimastandard eine neue Diskussion: Wie lässt sich innerhalb der Lieferkette Energie sparen, und dabei den Endkunden mitnehmen?", erläutert Overath. Sollte er recht behalten und das Thema CO2-Footprint tatsächlich immer stärker in den Vordergrund rücken, dürfte man als Einzelhändler und auch Markenhersteller sein Image verbessern, führt man klimaneutrale Produkte ein.

Bald wird es ein Klima-Siegel geben

Noch gibt es kein Siegel, jeder Hersteller entscheidet selbst, ob er auf die Klimaneutralität seines Produktes hinweisen möchte. Ein Kaffeeanbieter aus den Niederlanden beispielsweise tut dies auf dem Seitentext der Verpackung. "Ich gehe aber davon aus, dass es in der Zukunft ein Siegel geben wird", glaubt van der Geest. Overath schränkt ein: Man wolle aber auch einen "Siegelwald" vermeiden.

Wirtschaftlich ist Fairtrade weiterhin erfolgreich. Im ersten Halbjahr 2015 wurden in Deutschland 58.000 Tonnen Fairtrade-Lebensmittel abgesetzt. Das ist im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ein Plus von 39 Prozent. Das wichtigste Produkt ist hier die Banane, von denen 35.000 Tonnen abgesetzt wurden. Die Früchte wurden im Sommer 2014 bei Aldi fest gelistet, was sich mittlerweile positiv auswirkt.

Marion Schalk, Köln