Der Online-Riese Amazon zwingt Konkurrenten nicht nur in die Knie - er bringt sie auch zusammen: Versandbuchhändler wollen sich nun gemeinsam gegen die dominante Macht am Markt behaupten.

Versandbuchhändler müssen nach Ansicht von Fachleuten neue Wege einschlagen, um sich am Markt neben Platzhirsch Amazon behaupten zu können. "Alle analysieren die Situation und suchen für sich eine Strategie, mit der Dominanz klarzukommen", sagte der Vorstandschef des Bundesverbandes deutscher Versandbuchhändler, Frederik Palm, im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.

Eine Herausforderung sei aber nicht nur der Internet-Versandriese Amazon mit seinem attraktiven und überlegenen Geschäftsmodell, sagte Palm. Auch der allgemeine Trend zum Bücherkauf im Internet und zu digitalen Produkten wie E-Books setze den Versandbuchhändlern zu.

"Für den, der keine Ausweich- oder Alternativstrategie hat, wird vom Markt nicht viel übrig bleiben nach jetziger Einschätzung", so Palm.

Amazon verdient vor allem mit E-Books

Der Markt lasse kaum anderes übrig, als sich zu spezialisieren und Nischen zu finden, die Amazon nicht bedienen könne, sagte Palm. Der Anteil von Amazon allein am Online-Versandbuchhandel betrug 2012 etwa 74 Prozent.

Es gebe per se ein Ungleichgewicht: "Der Wettbewerber ist ein multinationaler Konzern mit Milliardenetats allein für Forschung und Entwicklung, der typische Konterpart ist ein Mittelständer", erklärte Palm. Amazon verdient vor allem mit E-Books viel Geld.

Digitalisierung, Onlineshops und Amazon-Dominanz

Ein Beispiel für neue Strategien sei die Kooperation großer deutscher Online-Versandbuchhändler. Die eigentlichen Konkurrenten wollen die Kunden gemeinsam unter anderem mit einem neuen Lesegerät für elektronische Bücher - "tolino" - locken. "Eine andere Antwort kann sein, dass man das macht, was Amazon nicht hat", sagte Palm. So gebe es eine Kombination der beiden Welten mit einem Shop, von dem aus man nach Bedarf an einem Terminal auch Bücher nach Hause bestellen könne.

Noch sei Amazon in dem Bereich nicht aktiv. Langfristig werde die Zahl der Anbieter aber weiter abnehmen, sagte Palm. Den Trends wie Digitalisierung, Onlineshops und Amazon-Dominanz werde nicht jeder standhalten können. "Ich habe aber Vertrauen in die Branche, dass sie pfiffige Antworten gibt, wie man sich eine Nische unterhalb der Dominanz erobert."