Auch der koreanische Hersteller Kia surft auf der SUV-Welle und bietet mit der komfortablen Neuauflage des Sorento eine Alternative zu den deutschen Premiummodellen.

Die Zahlen sind taufrisch, verraten aber eigentlich nichts Neues: 340.097 SUV (plus 15,2 Prozent) und 259.325 der größeren Geländewagen (plus 11,9 Prozent) wurden nach Angaben des Flensburger Kraftfahr-Bundesamtes 2015 neu zugelassen. Zusammengenommen beträgt der Marktanteil der Gattung mittlerweile 18,7 Prozent. Im Klartext: Fast jedes fünfte in Deutschland neu in den Verkehr gebrachte Fahrzeug ist bereits ein SUV oder Geländewagen. Nur die Kompaktklasse mit Golf und Co. kann noch einen höheren Segmentanteil (26,5 Prozent) vorweisen.

Und der Trend scheint ungebrochen. Die für das Frühjahr angekündigte Neuauflage des Markführers VW Tiguan sowie entsprechende Ableger der Konzerntöchter Skoda und Seat werden auch in 2016 die Absätze befeuern. Wie die Branche mit immer mehr der durstigen Dickschiffe allerdings bis 2020 den von der Europäischen Union vorgegebenen Flottenwert von 95 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer erreichen will, bleibt offen. Zunächst wird ungeachtet aller ökologischen Notwendigkeiten und den Beschlüssen der Pariser Klimakonferenz das schnelle Geschäft mit den boomenden Boliden gemacht…

Bestes Verkaufsjahr für Kia in Deutschland

Auch der koreanische Hersteller Kia surft erfolgreich auf der SUV-Welle. Mit 55.689 Verkäufen in 2015 vermeldet die Deutschland-Zentrale in Frankfurt am Main gerade erst einen neuen Jahresabsatzrekord seit dem Markteintritt 1993. Das Kompakt-SUV Sportage ist hierzulande fast folgerichtig das meistverkaufte Modell der Marke und mit dem Sorento, der im vergangenen Jahr neu eingeführt wurde, sieht sich der Herausforderer jetzt auf Augenhöhe mit Premiumkontrahenten wie dem BMW X 3, Audi Q 5 oder dem Volvo XC 60.

Tatsächlich hat die dritte Generation des seit 2002 gebauten Sorento in jeder Hinsicht zugelegt. Die Karosse wuchs um 9,5 Zentimeter auf 4,78 Meter, das Gepäckabteil misst stolze zwei Meter und fasst bis zu 1.732 Liter Volumen. Als Option (900 Euro) steht für die beiden Top-Ausstattungsvarianten eine dritte Sitzreihe zur Verfügung, sodass sieben Personen Platz finden.

Ambitionierte Asiaten

Die Materialauswahl im Innenraum unterstreicht die Ambitionen der Asiaten, die von der Rundumkamera bis zur automatischen Heckklappenöffnung jede Menge technischer Features bereithalten. Dabei behandelt der Wagen seinen Besitzer mit fernöstlicher Höflichkeit: Wer sich mit dem Schlüssel in der Hosentasche nähert, wird durch die aufklappenden Außenspiegel freundlich begrüßt. Nach dem Platz nehmen schiebt ein elektronischer „Diener“ das Gestühl des Fahrers in die ursprünglich ausgewählte Sitzposition, das Lenkrad sorgt auf Knopfdruck derweil für warme Hände. Und das akustische "Willkommen" erinnert ebenso wie die Verabschiedung nach absolvierter Fahrt ein wenig an eine Klangschalentherapie bei der thailändischen Massage.

Kerniger geht es zu, wenn der 147 kW/200 PS starke 2,2-Liter-Diesel die fast zwei Tonnen schwere Karosse in Fahrt bringen muss. Dann merkt der Antrieb etwas unwirsch auf. Im Teillastbereich gleitet der Sorento aber entspannt über Landstraßen und Autobahnen und animiert, auch aufgrund der reibungslos arbeiteten Sechs-Gang-Automatik (2.000 Euro Aufpreis), zum gemütlichen Reisen.

Großes Auto, großer Durst

So, aber auch nur so, sind Verbrauchswerte im Acht-Liter-Bereich möglich. Bei Ausnutzung des Leistungspotenzials tendiert der Bordcomputer eher zu zweistelligen Ziffern. Der vom Hersteller ermittelte Normwert von 6,6 Litern, der bei der Allradversion ohnehin bereits rund einen Liter über den Angaben für den ebenfalls angebotenen Fronttriebler liegt, bleibt auf der Straße selbst bergab und mit Rückwind utopisch.

Mit zwei Tonnen Anhängelast empfiehlt sich der Sorento als Zugfahrzeug für den mobilen Verkaufsstand oder die Freizeitaktivitäten am Wochenende. Die abnehmbare Anhängerkupplung kostet samt Einbau 690 Euro.

Die Preise beginnen inklusive Sieben-Jahres-Garantie bei 34.990 Euro für das Basismodell mit Vorderradantrieb und reichen bis 51.190 Euro für die Top-Ausstattung „Platinum Edition“, die unter anderem Allrad, Automatik, Panoramadach, Navigationssystem und diverse Fahrerassistenten beinhaltet.

Bernd Nusser