Beim „Innovation Day" von Der Handel und GDI in Berlin referierten Forscher und Praktiker aus dem Handel über die Umsetzung von neuen Ideen im Unternehmen.

„Wir müssen jetzt mehr denn je in Innovationen investieren", sagte Microsoft-Chef Steve Ballmer diese Woche bei der Präsentation des neuen Betriebssystems Windows7. Das Wort Innovation ist in aller Munde, doch wie setzt man Ideen in der Tat um? Und wann sind Innovationen wirklich sinnvoll?

Dies waren die Hauptthemen des „Innovation Day" in Berlin: Das Trendforum für Handel und Konsumgüterindustrie wurde vom Gottlieb Duttweiler Institute (GDI) und dem Wirtschaftsmagazin Der Handel veranstaltet.

Klicken Sie hier für eine Bildergalerie vom Event.

Den Worten "Innovation", "Reformen" oder "Effizienz" werden mittlerweile automatisch positive Eigenschaften zugeordnet, sagte Dr. Mathias Binswanger von der Fachhochschule Nordwestschweiz im Eröffnungsreferat. Dabei ist der Zwang zur Innovation nicht unbedingt gesund: Tritt dieser „Tretmühleneffekt" auf, werden womöglich unnötigerweise Zeit und Kraft im Unternehmen verschwendet.

Für David Bosshart, CEO des renommierten Gottlieb Duttweiler Institute (GDI), muss man zwischen Innovation und Modifikation unterscheiden: Viele Firmen feiern schon kleine Änderungen ihrer Produkte als innovativ. Man sollte den Schwerpunkt im Unternehmen jedoch auf echte neue Ideen setzen. Gerade in der Krise seien diese besonders gefragt.

Workstyle statt Lifestyle

Bosshart zeichnete ein Bild der Zukunft, in der für den Einzelnen der „Workstyle", also der Beruf, mehr als Lifestyle zählt. Künftig müssen Wettbewerber stärker zusammenarbeiten, der Markt wird sich weiter zwischen Premium- und Gratisangeboten spreizen.

In einer Diskussionsrunde zeigte Architekt Nik Schweiger, wie er aus innovativen Ideen erlebbaren Bauten macht. Birgit Gebhardt, Geschäftsführerin des Trendbüro Hamburg, zeigte, wie sie durch das Scannen von Foren im Internet die Kundenwünsche für bestimmte Marktsegmente erarbeitet. Dieser „Lauschangriff auf das Web 2.0" werde mittlerweile von einigen Markenartiklern genutzt. Dr. Martina Kühne vom GDI referierte über das Thema "Un-Storing" und zeigte, dass der Akt des Einkaufens immer weniger im laden passiert.

Innovationen in die Tat Umsetzen

Ideen zu haben ist gut - doch wie setzt man sie schließlich um? Der schwedische Professor und Unternehmer Göran Roos schlägt vor, Innovationen wie jedes andere Business-Modell zu behandeln. Man sollte dabei stets beachten, dass der Markt dafür bereit ist. Und vor allem: Nicht die Effizienz, sondern die Effektivität einer Innovation müsse im Vordergrund stehen. „Man kann auch schlechte Produkte sehr effizient produzieren", sagte Roos.

Neue Ideen, die bereits umgesetzt wurden, zeigte etwa Dr. Bernhard Schweitzer, Inhaber von Instore Design und Schweitzer Project. Gemeinsam mit Andre Berger, Marktleiter Marktkauf Burg, zeigte er eine völlig neue Innenarchitektur für ein SB-Warenhaus der Edeka-Tochter.

Kunden in den Innovationsprozess einbeziehen

Eine echte Innovation ist auch das Konzept von Tchibo Ideas: Die Plattform vereint Kunden, die ein Problem haben, mit Erfindern, die dieses Problem lösen. Die ersten Produkte, die aus dieser ungewöhnlichen Zusammenarbeit entstammen, werden bereits in den Tchibo-Läden verkauft. Turadj Schahbasi, Leiter Business Development und André Albrecht, Projektmanager Business Development bei Tchibo direkt erklärten, wie der Kaffeeröster die anfänglichen Bedenken der Web-Community zerstreute.

Beim Schlussreferat ging Arne Flick, Gründer der Fairtrade- und Bio-Modemarke So Pure, auf die Wünsche der neuen ethischen Konsumenten ein. „Es war ein inspirierender Tag", fasste ein Teilnehmer zusammen.