Der "Buchladen am Freiheitsplatz" in Hanau zeigt, wie und warum ein Internetauftritt auch für einen lokalen Buchhändler Sinn ergibt - trotz der Konkurrenz durch Amazon.

Dieter Dausien war sehr früh online: Bereits 1997 eröffnete der Inhaber des "Buchladens am Freiheitsplatz" aus Hanau seinen Webshop - in etwa zur selben Zeit, als der amerikanische Buchhändler Amazon nach Deutschland kam. "In den Anfangsjahren war noch eine richtige Aufbruchsstimmung", erinnert sich Dausien. "Bis vor fünf, sechs Jahren hatten wir auch steigende Umsätze. Doch dann stagnierte das Onlinegeschäft."

Obwohl Amazon fast schon zum Synonym für Buchbestellungen im Internet geworden ist, ist seiner Meinung nach ein Webshop für Buchhändler auch heute noch unverzichtbar - wenngleich sich dessen Aufgaben wandeln. "Früher konnten wir mit unserer Website noch Neukunden gewinnen. Heute dient sie eher der Bindung von Stammkunden", beobachtet der Buchhändler. "Auch wenn der Onlineauftritt nicht die Breitenwirkung hat, die man sich wünscht, muss man diesen Kanal als Händler für eben diese Kunden attraktiv halten und unbedingt einen Webshop anbieten."

Die Aufgaben wandeln sich

Neben der Bestellfunktion nutzt Dausien seine Seiten vor allem als Informationsplattform rund ums Buch, zur Kundenkommunikation und als Servicekanal: "Für stationäre Händler ist die lokale Vernetzung unerlässlich", ist der Unternehmer überzeugt. "Wir informieren beispielsweise über interessante Veranstaltungen in Hanau und bieten auf unserer Vorverkaufsseite Ticketreservierungen an." Solche Maßnahmen drückten sich nicht sofort in Umsatz aus, aber wenn die Kunden die Tendenz hätten, online abzuwandern, müssten Händler ihnen eben gute Argumente liefern, warum sie bleiben sollen.

"Vor einigen Jahren machte uns Buchhändlern noch die Filialisierung der Branchengrößen die meisten Sorgen, jetzt ist es die Stärke von Amazon. Aber auch das überstehen wir, wenn wir mit unserer lokalen Vernetzung punkten", zeigt sich Dausien überzeugt.

Sybille Wilhelm


Dieser Artikel ist Bestandteil der Titelgeschichte der Juli-Ausgabe des Wirtschaftsmagazins Der Handel. Zum kostenfreien Probeexemplar geht es hier.