Die Eigner von Hessnatur wollen nicht, dass das Unternehmen von dessen Mitarbeitern gekauft wird. Die unterschiedlichen Preisvorstellungen sind dabei nur ein Grund. 

Für die Beschäftigten des Öko-Versenders Hessnatur hat sich die Hoffnung, ihr Unternehmen in Eigenregie zu führen, zerschlagen. Nach Informationen der Zeitung "Financial Times Deutschland" (FTD) war dem Besitzer des Ökoversenders das Kaufangebot der Mitarbeiter nicht hoch genug.

Das hessische Unternehmen mit Sitz in Butzbach zählt zur Primondo Speciality Group (PSG), einer Versandtochter des früheren Arcandor-Konzerns, zu dem auch der Warenhausbetreiber Karstadt gehörte.

Die Hessnatur-Mitarbeiter hatten Anfang Juni ihr Angebot an PSG abgegeben. Mit einer eigens gegründeten Genossenschaft hnGeno wollten sie das 35 Jahre alte und hochprofitable Unternehmen davor bewahren, in die Hände von Investoren zu kommen.

Das Kaufangebot hat nach FTD-Informationen 21 Millionen Euro zuzüglich eines Besserungsscheins betragen. Der PSG-Chef Matthias Siekmann hält das Unternehmen allerdings für 33 bis 40 Millionen Euro wert.

Vertrauensgrundlage zerstört

Am Donnerstag kam deswegen nun die Absage an die Mitarbeiter. "Wir bestätigen, dass hnGeno nicht mehr Teilnehmer des Bieterverfahrens ist", zitiert die "FTD" einen PSG-Sprecher. "Das Angebot war nicht solide finanziert und konnte weder den Unternehmenswert angemessen reflektieren noch künftiges Wachstum finanzieren", hieß es weiter. 

Die Diskrepanz beim Kaufpreis ist freilich nur eine Facette in dieser Geschichte. Vielmehr fühlt sich PSG auch brüskiert durch die Mitarbeiter. "hnGeno hat durch das aggressive und destruktive Verhalten die gegenseitige Vertrauensgrundlage langfristig zerstört", sagte PSG-Chef Matthias Siekmann der FTD.

Attac als Partner

Damit meint er öffentliche Attacken gegen andere potenzielle Käufer von Hessnatur. So bezeichnete der Betriebsrat die US-amerikanische Beteiligungsfirma Carlyle einen "Kriegsinvestor", weil diese sich in den Neunzigerjahren im Rüstungsmarkt engagiert hatte.

Die Mitarbeiter holten sich die Globalisierungsgegner von Attac ins Boot, um öffentlich gegen Carlyle zu protestieren. Die Folge: Die Amerikaner zogen sich aus dem Bieterwettbewerb zurück.

Laut FTD gibt es trotzdem noch einige Kaufinteressenten für Hessnatur, bekannt ist freilich nur einer: Paragon Partners. Doch Attac mutmaßt, dass dieser Investor wiederum mit Carlyle verbandelt sei.

Nach Lage der Dinge ist mit einem Verkauf von Hessnatur im Juni nicht mehr zu rechnen, sagen Beobachter. Der Versender erzielte zuletzt 70 Millionen Euro Umsatz und einen operativen Gewinn von etwa fünf Millionen Euro.