Das Fördervolumen der Kreditanstalt für Wiederaufbau steigt. Allerdings nicht im Inland, denn der deutsche Mittelstand hält sich zurück. Die Gründe erläutert KfW-Vorstandschef Ulrich Schröder.

Der Mittelstand ist gesund, so gesund, dass die Unternehmen immer weniger Fremdmittel in Anspruch nehmen müssen - oder wollen. Deshalb sank das für gewerbliche Förderung in Deutschland ausgegebene Kreditvolumen der Bankengruppe KfW im vergangenen Jahr deutlich.

Das inländische Fördergeschäft schrumpfte 2014 um 4 Milliarden Euro auf noch 47,6 Milliarden Euro. Der Geschäftsbereich Mittelstandsbank der KfW sackte dabei um 2,7 Milliarden Euro unter die Marke von 20 Milliarden Euro. Das Geschäftsvolumen mit Kommunal- und Privatkunden ging etwas leichter unter 28 Milliarden Euro zurück.

Weil sich gleichzeitig die Fördermittel für Auslandsprojekte deutlich um 5 Milliarden Euro auf 25,5 Milliarden Euro erhöhten, kam für die KfW letztlich bei einem Gesamtvolumen von 74 Milliarden Euro Fördergeldern doch noch ein leichtes Plus heraus.

Mehr Geld aus eigener Kraft

KfW-Vorstandschef Ulrich Schröder sieht im Wesentlichen drei Gründe für die Zurückhaltung der mittelständischen Unternehmen im vergangenen Jahr: Zum einen sind offenbar immer mehr Firmen über die eigene Hausbank gut versorgt, zum anderen verfügt der Mittelstand über eine "gestärkte Eigenfinanzierungskraft", sprich höhere Eigenkapitalquoten. Und nicht zuletzt: Die Zurückhaltung bei größeren Investitionen hat 2014 deutlich zugenommen, stellt Schröder fest. Dies dürfte vor allem aus der unsicheren geopolitischen Lage resultieren. Schließlich sind die Voraussetzungen angesichts der niedrigen Zinsen und einer "Über-Liquidität" von Banken, die zu günstigen Kreditangeboten führt, eher günstig. 

So rechnet Ingrid Hengster, im KfW-Vorstand zuständig für das Mittelstandsgeschäft, auch für dieses Jahr nicht mit einem nennenswerten Anstieg der Investitionen beziehungsweise einem höheren Bedarf an Fördermitteln.

Förderung von Innovationen

Deshalb setze die KfW auf eine gezielte Förderung von Innovationen sowie Venture-Capital-Projekten, speziell Beteiligungsmodelle für Neugründungen, um dadurch die Entwicklung von Innovationen zu forcieren. Schon 2014 flossen mehr als 4 Milliarden Euro in Breitenprogramme für Gründung und Innovation, von denen 22.000 junge und innovative Unternehmen profitieren konnten.

Besonders sollen Investitionen in die Steigerung der Energieeffizienz vorangetrieben werden, um letztlich 2015 mit Hilfe all dieser Anstrengungen das Fördervolumen des Vorjahres doch noch zu erreichen. Anders gesagt: Ohne solche Anstrengungen erwartet das Management keine steigende Nachfrage nach KfW-Fördermitteln im Inland.   

Größte Umweltbank der Welt

Nicht nur in Deutschland fließen immer mehr Fördermittel in Energieeffizienz und Umwelt. Stolz ist Vorstandschef Schröder über die internationale Rolle, welche die KfW im Bereich Umwelt spielt: "Wir sind die größte Umwelt- und Klimafinanzierungsbank der Welt," sagt der Manager. Allein 2014 seien in Entwicklungsländern 24 neue Naturschutzgebiete aus KfW-Mitteln finanziert worden. Sogar Versicherungen für Dürreperioden laufen inzwischen über das deutsche Institut. Aber auch in Deutschland können Unternehmer Mittel zur Steigerung ihrer Energieeffizienz abrufen.

Andreas Chwallek, Frankfurt