26 % der Onlinekäufe werden mobil erledigt. Das geht aus einer Untersuchung von Criteo, einem Technologieunternehmen für Performance-Marketing, hervor. Couch Commerce weitestgehend. Denn der Löwenanteil der Einkäufe wird per Tablet erledigt. Dem stationären Handel nutzt das wenig. Showrooming im Laden nimmt zu, schlägt eine Studie von IntelliAd Alarm.  ROPO-Effekte? Womöglich ein Mythos von gestern.


Als "Klebstoff" zum mobilen Kunden wünscht sich der Einzelhandel das Smartphone. Er konnte sich Hoffnungen machen, weil eine IBM-Studie eine sinkende Bedeutung des Showrooming glaskugelte und man mit mobiler Beratung per iPad beim kleinen Einzelhändler bis hin zum Kaufhof ein Rezept gegen die hypermobilen Kunden gefunden zu haben glaubte. Und hatte nicht noch 2013 das E-Commerce-Center (ECC) am IFH Köln Hoffnungen gemacht, weil Online das neue Showrooming sei, da stationäre Käufe vermehrt mit einer Recherche in Online-Shops vorbereitet würden?

ROPO-Effekte, wie eine Geheimformel, sollten sie dem Laden die Kunden zuführen. Ein trügerischer Glaube.

Denn schon früher war eben nicht alles besser. Schon 2013 warnte eine Studie von Tradedoubler mit  Horrorzahlen. Danach haben schon damals 65 % der Befragten, die ihr Smartphone im Geschäft genutzt haben, nach ihrer Recherche im stationären Geschäft zu Haus online eingekauft, 60 % beim stationären Wettbewerb, 46 % direkt mobil.

Jetzt sagt eine aktuelle Studie: Es ist alles noch viel schlimmer gekommen, als Kassandra gehofft hatte. 

75 % der Deutschen informieren sich zwar im Geschäft über ein Produkt, kaufen später aber online oder sogar direkt mobil via Smartphone. Schon jetzt werden am Samstag, dem Haupteinkaufstag der Deutschen, 22 % mehr Online-Einkäufe via Smartphone getätigt (verglichen mit anderen Wochentagen). Das hat das Technologieunternehmen intelliAd Media in einer Analyse der Customer Journey von knapp 275.000 Onlinekäufen von Modeartikeln ermittelt.



Der Verdacht liegt nahe, dass dieses Mobile Shopping in deutschen Innenstädten stattfindet. Eine aktuelle, repräsentative Online-Umfrage von YouGov – im Auftrag von intelliAd – bestätigt die Vermutung. Ein Viertel der jüngeren Erwachsenen (Altersgruppe 18 bis 34 Jahre) bekennt sich dazu, schon einmal direkt nach dem Testen im Laden das Produkt dann via Smartphone online bestellt zu haben. Und das meist (zu 67 %) ohne schlechtes Gewissen.



Weitet man die Frage von Smartphones auf Desktop-Rechner und Tablets aus, so bestätigen laut der intelliAd-Umfrage sogar drei Viertel der Deutschen, dass sie sich schon einmal im Laden informiert und das Produkt später online gekauft haben. Und das in der Mehrzahl ohne Skrupel: Zwei Drittel der Deutschen haben kein schlechtes Gewissen gegenüber dem lokalen Handel, wenn sie Produkte im Internet kaufen statt vor Ort in den Geschäften.

So gewissenlos shoppt der Kunde

  • 78 % der Männer kaufen ein Produkt später online, über das sie sich im Geschäft vorher informiert haben, aber nur 72 % der Frauen. Trotzdem haben mehr Frauen (35 %) ein schlechtes Gewissen als Männer (31 %).
  • 88 % der 18- bis 24jährigen haben schon mal ein Produkt online gekauft, nachdem sie sich darüber im Geschäft informiert haben, aber nur 66 % der über 55jährigen. 40 % der über 55jährigen haben dabei ein schlechtes Gewissen, aber nur 25 %  der 18- bis 24jährigen.
  • Studenten kaufen nach einem Ladenbesuch am häufigsten online (96 %) und haben dabei am wenigsten Gewissensbisse (20 %).
  • 58 % der Wähler von Bündnis 90/Die Grünen haben ein schlechtes Gewissen online zu kaufen statt im Geschäft vor Ort. 68 % haben es trotzdem schon mal getan. Die wenigsten Gewissensbisse und die eifrigsten Onlinekäufer finden sich unter FDP- und AfD-Wählern.


Infografik: 26% der Onlinekäufe in Deutschland werden mobil getätigt | Statista
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