Eine neue Studie kommt zu dem Schluss, dass die Konsumenten dem vermeintlichen Wachstumsmarkt nur bedingtes Intresse entgegenbringen.

Der Begriff "Mobile Commerce" in Verbindung mit dem Zauberwort "WAP" sorgte noch vor einem Jahr für glänzende Augen. Nun kommt die neue Studie "Mobinet 2: A Rude Awakening für WAP Dreamers" zu dem Schluss, dass die Konsumenten dem vermeintlichen Wachstumsmarkt nur bedingtes Intresse entgegenbringen. Die Untersuchung wurde von A.T. Kearney und vom Judge Institute of Management der Cambridge University in den Ländern Deutschland, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Spanien sowie in den USA durchgeführt.

Gerade einmal 12% aller Befragten wollen per Handy einkaufen, im Vorjahr waren es noch 32%. Diethard Bühler von A.T. Kearney zu diesem Ergebnis: "Nach dem Hype im vergangenen Jahr wollen die Kunden jetzt Nutzwert, doch den bieten bislang nur die wenigsten WAP-Angebote."

Bemerkenswerterweise ist das Interesse an Mobile Commerce in Japan am stärksten. Besonders populär sind dort neben SMS-Diensten das Mobile Banking und Fahrplaninformationen. Bühler: "In Japan liegen mit I-Mode bereits sehr erfolgreiche Anwendungen vor und die Konsumenten haben konkrete Vorstellungen davon, was möglich sein könnte. In Europa und den USA hingegen ist dies nicht der Fall." Dort ist 26% der befragten Anwender nicht klar, wofür sie WAP brauchen, 16% machen sich Sorgen über die Sicherheit bei der Zahlungsabwicklung.

Neben diesen negativen Signalen gibt es laut Studie auch Positives zu vermelden. So gewöhnen sich die Kunden an E-Commerce und die Mehrzahl der verkauften Handys stützen bereits Dienste aus dem Internet. Immerhin 74% der Kunden nutzen das Handy nicht nur zur sprachgestützten Kommunikation. SMS-Nachrichten sind gerade bei jüngeren Nutzern sehr beliebt. Dienste wie SMS sorgen auch dafür, dass sich die Wahrnehmung des Handys verschiebt: weg vom reinen Telefon hin zur mobilen Plattform. Bis beispielsweise Mobile Payment die Akzeptanz einer EC-Karte erreicht hat, wird jedoch noch einige Zeit vergehen.

"Die Mobilindustrie hat sich verschätzt", so Bühler. Man nahm an, dass das Novum M-Shopping die Konsumenten in Scharen an die Tastaturen locken würde. Nach der Ernüchterung ist nun klar: Die Entwicklung der Akzeptanz wird der des PC oder anderer technischer Neuerungen folgen - nämlich Stück für Stück. Zunächst werden es wohl eher Spontankäufe sein. Bis der Neuwagen per Handy bestellt wird, dürfte noch einige Zeit vergehen.

"Die Mobilfunkbetreiber", so das Fazit von Martin Sonnenschein, A.T. Kearney, "stehen vor gewaltigen Aufgaben. Sie müssen das Kundeninteresse an mobilen Services erneut wecken." Denn nur dann würden sich die enormen Investitionssummen auszahlen. Dafür seien jedoch neue Produkte notwendig, die die Anwender ins WAP locken. Die Kunden müssten - jenseits des Hype -über Dienstleistungen und Möglichkeiten mobiler Endgeräte aufgeklärt werden, so Sonnenschein weiter.

Die Hersteller mobiler Endgeräte stehen vor anderen Problemen. So ergab die Studie, dass 41% der Befragten gerne per Handy im Internet kaufen würden, wenn sie wüssten, wie es funktioniert. Die Hersteller haben darauf reagiert, weiß Bühler: "Handyhersteller arbeiten bereits mit Hochdruck an mobilen Geräten, die noch leichter zu benutzen sind."

Auch die Anbieter von Inhalten sollten jetzt reagieren, so die Studie, ansonsten tue es die Konkurrenz. E-Commerce-Plattformen sollten zumindest Angebote für mobile Endgeräte aufbauen, um erste Erfahrungen damit zu sammeln. Das Thema Marketing spielt dabei eine entscheidende Rolle. Die häufigsten Nennungen im Rahmen der Umfrage erzielten Amazon und Yahoo, die damit zu den ersten wirklichen Marken im Netz gehören. Sonnenschein: "Auch im Mobile Commerce wird es starke Marken geben - doch ihr Aufbau muss jetzt beginnen." (ST)


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