Philipp Roos, Onpage.org
Philipp Roos, Onpage.org
Die mobile Internetnutzung nimmt rapide zu. Nicht zuletzt durch Googles Mobile-Update beschäftigen sich immer mehr Webmaster mit dem Thema „Mobile Optimierung von Webseiten“. User sollen es beim Surfen mit Smartphones möglichst einfach haben. Eine intelligente Suchfunktion, die Suchterme vervollständigt, kann dabei zu einer positiven User Experience beitragen. Sie kann aber auch Schaden anrichten. SEO-Experte Philipp Roos, Mitglied der OnPage.org-Familie, erläutert die Vor- und Nachteile der Autocomplete-Funktion auf mobilen Webseiten.


Voraussetzungen der mobilen Internetnutzung

Wer mit dem Smartphone im Internet surft, unterscheidet sich von den „Desktop-Surfern“ deutlich. Die Bedienung des Smartphones erfolgt über ein berührungsempfindliches Display, über das zum Beispiel auch Texte mit Hilfe einer virtuellen Tastatur eingegeben werden. Darüber hinaus werden alle Eingaben oftmals mit nur einer Hand ausgeführt. In den meisten Fällen ist der mobile User unterwegs und das Eintippen von Texten über den Touchscreen kann umständlich sein. Deshalb sind Techniken sehr gefragt, die die Bedienung der mobilen Webseiten vereinfachen.

Was ist die Autocomplete-Funktion?

Hinter dem Begriff „Autocomplete“ verbergen sich verschiedene technische Prinzipien. Übersetzt wird „Autocomplete“ mit „Autovervollständigung“. Im IT-Bereich wird mit Autocomplete eine Funktion bezeichnet, die den User beim Ausfüllen von Eingabefeldern mit Hilfe von passenden Vorschlägen unterstützt.

Vielen Usern ist vor allem die Autocomplete-Funktion der Google-Suche ein Begriff. Hier werden dem Nutzer schon bei der Eingabe des Suchbegriffs passende Terme vorgeschlagen. Google ermittelt anhand der bisher angeklickten Vorschläge deren Relevanz und entscheidet auf der Basis der bisherigen Nutzerdaten sowie des Webprotokolls des jeweiligen Nutzers, welche Suchbegriffe vorgeschlagen werden.

Autovervollständigen wird ebenfalls von vielen Webseiten für die interne Suche verwendet. Hier beruht die Funktion üblicherweise nicht auf selbstlernenden Algorithmen wie bei Google (Machine Learning), sondern auf den Voreinstellungen der Webmaster, die im Vorfeld bestimmen, auf welche Inhalte die Suchfunktion auf der Webseite zugreifen darf und welche Gewichtung die jeweiligen Inhalte erhalten.

In diesem Beitrag geht es um die dritte Variante von Autocomplete, die auch „Autofill“ genannt wird. Diese Funktion soll Usern das Ausfüllen von Webformularen mit häufig verwendeten Begriffen erleichtern, wie den Vor- oder Nachnamen, Telefonnummern bzw. Mail-Adressen. Dadurch muss der User diese Zeichen nicht noch einmal komplett eintragen. Stattdessen tippt oder klickt er auf den Vorschlag und schon ist das Formularfeld ausgefüllt. Die eingegebenen Daten speichert der entsprechende Browser und kann diese dann wieder anhand eines speziellen Markups im Quellcode von Webseiten ausgeben.

Einfache Umsetzung per Markup

Webmaster, die von Autocomplete profitieren möchten, können seit 2012 spezielle HTML-Attribute verwenden. Diese ermöglichen Browsern Zeichenfolgen zu speichern, die in Formulare eingegeben werden. Der große Vorteil der Attribute besteht darin, dass die Benutzeroberfläche sowie die Webseitenstruktur nicht verändert werden müssen. Das Markup wird lediglich zu den vorhandenen Formularfeldern im Quellcode hinzugefügt.

Diese sieben „content type“-Elemente zur Auszeichnung von Formularfeldern gehören zu den am häufigsten verwendeten, die auch von mobilen Browsern interpretiert werden können.

  • Name
  • E-Mail
  • Adresse
  • Telefonnummer
  • Kreditkarte
  • Nutzername
  • Passwort

Die Markups können mit weiteren Elementen wie Platzhaltern erweitert werden.

Hier ein Beispiel:

Mit dem Attribut autocomplete=“on“ wird die Funktion aktiviert. Durch das Element input type=“text“ wird definiert, dass nur Text eingegeben werden soll. Auch das autocomplete-Element lässt sich konkretisieren, indem anstelle von „on“ ein spezieller Bereich angegeben wird, z.B. autocomplete=“shipping street-address“. In diesem Fall werden dann nur die bereits für die Lieferadresse verwendeten Daten zum Autovervollständigen angezeigt.

Um die Usability noch stärker zu vereinfachen, kann außerdem über den input type bestimmt werden, welche Tastatur-Elemente im mobilen Browser vor der Eingabe aktiviert werden. Auf diese Weise lassen sich z.B. Nummerneingaben deutlich vereinfachen, da der User die virtuelle Tastatur nicht extra auf Ziffern umstellen muss.

Google bietet Webmastern zahlreiche Hilfestellungen, um Autocomplete auch auf mobilen Webseiten zu realisieren.

Schneller Weg zum Ziel

Die Autocomplete-Funktion auf mobilen Webseiten erleichtert dem User das Ausfüllen von Formularen enorm. Vor allem bei der Eingabe von Kontaktinformationen beim Online-Shopping hilft Autocomplete dabei, den Warenkorb-Prozess deutlich zu vereinfachen und abzukürzen. Gerade bei diesem Vorgang ist es wichtig, den gewillten Käufer nicht durch langwierige Eingaben vom Kauf abzuhalten. Gleiches gilt auch für Anmeldungen zu Newslettern oder dem Einloggen. Webmaster können davon ausgehen, dass mit der Verwendung der Autovervollständigen-Markups mehr Formulare komplett ausgefüllt werden.

Achtung bei sensiblen Daten

Online-Shopper, die gerne auch mobil einkaufen und hierfür dank Autocomplete ihre Kreditkartendaten nicht jedes Mal erneut eingeben müssen, sparen sich die Mühe bei der Dateneingabe. Allerdings birgt Autovervollständigen hier die Gefahr, dass diese sensiblen Daten auch in falsche Hände geraten können. Wird das Mobiltelefon z.B. entwendet, hat der neue „Besitzer“ die Möglichkeit, anhand der gespeicherten Autocomplete-Daten Bestellungen durchzuführen, ohne dass er sich hierfür noch einmal legitimieren muss. Webmaster, die Kunden vor diesem Sicherheitsmanko bewahren wollen, können die Autocomplete-Funktion für bestimmte Eingabefelder einfach ausschalten. Hierfür wird das Tag autocomplete=“off“ als Markup zum gewünschten Feld gefügt.

Beispiel:

Nachteile der Autocomplete-Funktion

Neben dem bereits beschriebenen Sicherheitsrisiko bei der Eingabe von sensiblen Daten, hat Autocomplete noch weitere Nachteile. Denn damit User überhaupt Textelemente oder Ziffern vorgeschlagen werden, muss zum einen die Funktion im mobilen Browser aktiviert sein und zum anderen dürfen die User ihre Browserdaten nicht löschen. Denn sobald alle gespeicherten Daten im Browser gelöscht wurden, stehen selbstverständlich auch die Eingabehilfen von Autocomplete nicht mehr zur Verfügung. Hier liegt demnach ein weiterer Nachteil des Systems. Denn sicherheitsbewusste User, die ihre History, Cookies und die Browsereinstellungen regelmäßig löschen, werden die Vorteile von Autocomplete nicht nutzen können.

Ist die Autocomplete-Funktion ein Rankingfaktor?

In einem Blogbeitrag der Webmaster-Zentrale empfiehlt Google ausdrücklich die Verwendung von Autocomplete bei mobilen Webseiten. Ob diese Funktion jedoch zum Rankingfaktor wird, lässt Google bislang offen bzw. hat Googles Gary Illyes auf Nachfrage von Barry Schwartz dementiert. Grundsätzlich sollten sich Webmaster vor allem auch im Rahmen der mobilen Optimierung immer wieder überlegen, wie die Usability der Webseite verbessert werden kann. Denn Nutzersignale wie Bounce Rates oder die Verweildauer sind zwar nicht offiziell von Google bestätigte Rankingkriterien, doch sie haben vermutlich ebenfalls Einfluss auf die Bewertung einer Webseite durch Suchmaschinen.

Wenn Webmaster es schaffen, mit Hilfe von Autocomplete die Absprungraten beim Ausfüllen von Formularen zu senken, kann das ein positives Nutzersignal für Google darstellen und Autocomplete somit indirekt zum Rankingfaktor werden. Wichtigste Voraussetzung dafür ist jedoch, dass der Webauftritt insgesamt für mobile Geräte optimiert ist. Um zu prüfen, ob die eigene Webseite die Kriterien für Mobilgerätefreundlichkeit erfüllt, bieten sich kostenlose Tools wie Googles Test auf Mobile Optimierung oder der OnPage.Org-Free Account mit der Focus-Echtzeitanalyse an.