"Einsteigen und Fahren" ist die Vision des Verkehrsverbunds Vogtland (VVV). Mit dem elektronischen Ticketsystem von Siemens Business Services wird diese Vision jetzt Wirklichkeit. Im Rahmen eines Pilotprojekts testeten rund 500 ausgewählte Personen zwei Monate lang den Fahrscheinkauf via Handy.

Der Verkehrsverbund Vogtland (VVV) verbindet im Rahmen des EgroNet-Projektes die Freistaaten Sachsen, Bayern, Thüringen und die Tschechische Republik auf rund 1.000 Quadratkilometern mit einheitlichen Fahrplänen und -preisen. Auf insgesamt 148 Linien mit 1.033 Haltestellen und rund 230 Fahrzeugen fahren Jahr für Jahr etwa 23 Millionen Fahrgäste. Bisher hatten diese beim Kartenkauf die Wahl zwischen Automat oder persönlichem Verkauf. Mit der Einführung eines elektronischen Fahrscheinsystems auf Java-Basis von Mobiltelefonen läutet der VVV ein neues Zeitalter ein. Die Mobile-Ticketing-Lösung von Siemens Business Services macht das Mobiltelefon der Fahrgäste zum persönlichen Fahrscheinautomaten.

Zwei Wege zum neuen Fahrschein

Die Pilotphase startete im Vogtland am 16. Februar 2004 im Tarifgebiet des VVV und in ausgewählten Gebieten Tschechiens. Bis April 2004 testeten rund 500 Personen das Verfahren. Ihnen standen im Ländereck zwischen Tschechien und den drei deutschen Bundesländern Bayern, Thüringen und Sachsen neben dem herkömmlichen Fahrschein aus Papier nach einer einmaligen Anmeldung zwei mobile Alternativen zur Verfügung:
Alternative 1 Datenkommunikation: Nachdem der Fahrgast die entsprechende Software auf sein Java-fähiges Mobiltelefon geladen hat, bestellt er die Tickets per Tastendruck und Menüsteuerung über sein Handy. Im Menü gibt er die Anzahl der Fahrgäste, die gewünschte Fahrstrecke und die Art des Tele-Fahrscheins an. Der virtuelle Fahrschein selbst liegt auf einem Server, auf den nur der Kontrolleur Zugriff hat.
Alternative 2 Sprachkommunikation: Der Fahrgast bestellt sein Ticket per Anruf.Bei der eingesetzten automatischen Auftragsannahme kommt eine gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut entwickelte Spracherkennungs-Software zum Einsatz. Diese Technik ist in der Lage, aus kompletten gesprochenen Sätzen die für die Bestellung relevanten Elemente zu erkennen. Lange Führungen durch ein Sprachmenü entfallen.
Nachdem das Ticket im IT-System des Verkehrsverbunds gebucht worden ist, erhält der Fahrgast eine Bestätigung über den Fahrscheinerwerb auf sein Handy. Der Kaufvorgang ist damit abgeschlossen. Während der Pilotphase erfolgte diese Bestätigung im Falle der Datenkommunikation als Klartext, im Falle der Sprachkommunikation verbal.
Die Abrechnung der Leistungen erfolgt einfach und zuverlässig über Lastschrifteinzug, zukünftig auch über Kredit- oder Prepaidkarte oder alternativ über die Handy-Rechnung. Auch der VVV profitiert vom mobilen Ticketverkauf: Denn mit Mobile-Ticketing-Lösungen können signifikante Einsparpotenziale realisiert werden. Der Aufbau einer kostenintensiven Infrastruktur ist nicht notwendig. Der Kunde verfügt mit seinem Mobiltelefon bereits über das notwendige Endgerät. Lediglich die Kontrolleure müssen mit den notwendigen Kontrollgeräten ausgestattet und das Hintergrundsystem muss eingerichtet werden. Außerdem können die Verkehrsunternehmen über die Mobile-Ticketing-Lösung weitere Services anbieten wie Informationen zu Parkplatzangeboten oder zu Autovermietungen und Fahrradverleihstationen.
In Zukunft können alle deutschen Verkehrsunternehmen auf das elektronische Ticketsystem, das im Rechenzentrum in Dresden betrieben wird und als ASP (Application Service Providing)-Modell läuft, zugreifen. Auch funktional ist die Lösung erweitert worden: Die Fahrgäste können ihr Ticket nun auch per SMS erwerben. Insgesamt stehen damit drei technische Wege zum Erwerb des mobilen Fahrscheins zur Verfügung. Nach und nach sollen weitere Funktionen wie Park-and-Ride-Tickets, Zeitkarten oder touristische Sonderangebote in die Gesamtlösung integriert werden. Außerdem wurde der Kontrollprozess weiter verbessert und von Siemens Business Services zum Patent angemeldet. (RM)


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